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AUGUST LAFONTAINE – CARL GOTTLOB CRAMER

250 Jahre (1758 – 2008)

Antiquariatskatalog

erstellt von Franz-Ulrich Jestädt und Thomas Kaminski


EIN WORT ZUVOR


Trivialliteratur des späten achtzehnten und beginnenden neunzehnten Jahrhunderts – generationenübergreifend vernachlässigt, ignoriert und vernichtet, in den letzten Jahrzehnten unter dem Fähnchen >Lese(r)soziologie< wiederentdeckt: Zahllose Studien zu Lektüreverhalten, Leserschichten sowie Autoren-, Verlags- und Lesemarktstrategien verhalfen der Schmuddelware zu neuem Image. Erste Doktorarbeiten entstanden, Editionsprojekte und sogar wissenschaftliche Tagungen zum ehedem ungeliebten Thema wurden geplant und verwirklicht.

Auch der Antiquariatsmarkt reagierte (in Maßen): Unterhaltungsliteratur fand sich nun nicht nur mitunter in Katalogen der Antiquariate, sogar Auktionen ließen sich mit guten Verkaufserfolgen bestücken. Aber auch hier stand am Ende die Erkenntnis, daß sich nur die seltenen, mitunter fast unauffindbaren Stücke als gewinnträchtig erwiesen. Die >Mühlen der Ebene<, die tatsächlich zuhauf konsumierte Hausfrauen-, Bediensteten- und Hintertreppenliteratur, meist zerlesen, unvollständig und dazu – da in hohen Auflagen erschienen – durchaus hier und dort noch auffindbar, kamen zwar letztlich doch wieder zu kurz. Aber immerhin: Die benjaminische Frage, was die Leute eigentlich lasen, während unsere Klassiker dichteten, beschäftigt zunehmend auch die Antiquare.


So trifft es sich recht gut, dass zwei der fleißigsten und kommerziell erfolgreichsten Produzenten solcher Leseware just in diesem Jahr 2008 ihren 250. Geburtstag feiern:


AUGUST HEINRICH JULIUS LAFONTAINE (1758-1831),


zu dessen zahlreichenWerken sich in etwa der Hälfte aller (spärlich) auffindbaren Annotationen in Antiquariatskatalogen folgender stereotype Satz befindet: „Schöpfer des weinerlichen Familienromans; seine Werke rührten ihn selbst zum Weinen. So fruchtbar war er, daß er vergaß, was er geschrieben hatte, und seine Erfindungen, die sich in engen Kreisen drehten, mehrfach zum zweiten Male erfand.“ Diese schönen Worte werden bei Goedeke (V, 478) oder aus den Antiquariatskatalogen der Kollegen immer wieder gerne abgeschrieben. Wir möchten dem stets neuerlich Gelesenen an dieser Stelle eine kleine Personalnotiz zu Lafontaine entgegensetzen, die bislang noch nicht Einzug in die Forschung gehalten hat und trefflich Fragen zu Disposition und Schreibtechnik eines Erfolgsschriftstellers beantwortet:


Man findet etwas ganz anderes, als man erwartete, wenn man den Verfasser fast eines halben Hunderts von Romanen, die gerade durch das Gefühlvolle, in das Gebiet sanfter Schwärmerei Hinübergehende eine so große Lesewelt an sich zogen, als einen Mann kennen lernt, bei dem sich die joviale, muntre Laune eben so deutlich in den Zügen seines Gesichtes, als in jedem seiner Gespräche kund thut, und in dessen Nähe jede schwärmerische Empfindelei, jede Deklamation über Herz und Gefühl beschämt verstummen würde, weil sein Hang zur feinen Satyre, sein lebhafter und treffender Witz Alles, was von der Art sich ihm nähert, zurückweist. (...) Seine Romane – die er gewiß nicht mehr schriebe, wenn sie nicht einen Haupttheil seines Erwerbes ausmachten , - beschäftigen ihn nur in einigen Morgenstunden, wo er, mit der Tabackspfeife im Zimmer umhergehend, sie einem am Pulte stehenden Schreiber diktirt. Ohne eine weitere Durchsicht und Feile werden sie in die Druckerei getragen und auch die Korrektur wird von einem Andern besorgt. – Gewöhnlich schreibt er an jedem Tage nahe an einen gedruckten Bogen und arbeitet oft an zwei verschiedenen Romanen zugleich.“ (Beiträge zur Charakteristik bekannter und berühmter Männer. August Lafontaine. In: Der Freimüthige Nr. 13 v. 18.1.1816; S. 49-51)


In diesem Jahr wird Lafontaine sogar die Gunst eines hochkarätig besetzten Kolloquiums in seiner Braunschweiger Heimat zuteil, Anlaß genug für unser Antiquariat, diesem Schriftsteller einen Personalkatalog zu widmen.


Im Zusammenhang mit diesem Ereignis möchten wir es allerdings nicht versäumen, an das Jubiläum eines zweiten erfolgreichen Vielschreibers zu erinnern, der – im selben Jahr wie Lafontaine geboren – ein Zentrum seines Schaffens in unseren Thüringer Landen hatte:


CARL GOTTLOB CRAMER (1758-1817)


"(M)eine Romane werden, was auch immer trübsinnige, mürrische Recensenten denken und sagen mögen, nicht gelesen, sondern verschlungen, nachgedruckt, und noch viermal aufgelegt." (aus der Vorrede der zu den Gefährlichen Stunden) Neben Spieß, Vulpius und Lafontaine ist Cramer trotz meist kritischer Rezensionen der erfolgreichste Trivialautor seiner Zeit. Das Erfolgsrezept: „Allen Romanen Cramers ist eine gehörige Portion bissiger, wenn auch oberflächlicher Zeit- und Sozialkritik beigemischt, seine formale Vielseitigkeit erinnert manchmal an Jean Paul, wie seine geschickten Kolportageeffekte an einen Johannes Mario Simmel. Sein Stil ist in den Ritterromanen ebenso unverkennbar wie in den Satiren, in den Gespenstergeschichten wie in den erotischen Werken.“ (R.Wittmann, Zur Trivialliteratur der Goethezeit. Randbemerkungen eines Sammlers. In: Aus dem Antiquariat, Nr.5, 1976, A 133.) "Hr. Cramer kennt die Menschen, es fehle ihm nicht ganz an Beobachtungskenntniß, er weiß die Thorheiten und Lächerlichkeiten des Lebens recht wohl anzufassen, und würde dieß Gemälde davon gewiß mit Glück geben, wenn er nicht gar so schreibseelig wäre, wenn er mit diesem Talente mehr Geschmack und Schönheitsgefühl, mehr Achtung für Anstand und Schicklichkeit verbände." (NADB, 1802, 70. Bd., 2. St, S. 352) Aber auch hier vermag bislang Unveröffentlichtes zu seiner Charakterisierung und Schreibdisposition beizutragen:


Karl August Böttiger, eigentlich ein Intimus Lafontaines, hinterließ in den Notizen zu seinem – inzwischen zweifach aufgelegten - Werk Literarische Zustände und Zeitgenossen auch einige undatierte und bislang ungedruckte Bemerkungen zu Cramer. Danach lebte dieser „lange bei Severin in Weißenfels, mit dem er in allen Dingen,“ allerdings auch mit „der Ehehälfte des letzteren communiones bonorum hatte. Bey einem höchstansehnlichen Körperumfang“ war auch bei Cramer „eine gewisse Jovialität mit Cynismus amalgamirt (...) Er ist ein beliebter und sehr gut bezahlter Romanenmacher. Das meiste Ansehn hat er sich durch seinen Erasmus Schleicher gegeben, der jetzt bei Fleischer zum 5ten Mal abgedruckt wird. Er erhält gewöhnlich für den Bogen fünf Ducaten von den Buchhändlern, und diese kann er, wenn die Ader gut fließt, in einem Tag verdienen. Das eigene bey seiner Schriftstellerey ist, daß, wie er mir heute sagte, ihn der Wein in nur etwas größerem Maß genossen (ihn) zum Schreiben ganz unthätig macht. Mir, versicherte er, fließt nichts besser als wenn ich hungrig und durstig bin. Seine Lebensweise ist folgende: Er steht früh auf - eine Sitte die er der Mutter zu danken hat...“, ist also von seiner Arbeits- und Lebensdisposition her - was Tageszeit, Körperumfang (auch Lafontaine galt seiner Zeit als der dickste Mann von Halle!) und vor allem die hier ausdrücklich hervorgehobene Synthese von Jovialität und Zynismus (zu Lafontaine oben: Jovialität und Hang zur Satire) angeht – von seinem Mitbewerber Lafontaine nicht allzu weit entfernt! (vgl. SLUB Dresden, Nachlaß Böttiger, Sign. H 37, Verm 4°, X; 7)


So fügen sich unsere beiden Matadore des Lesegeschmackes in mehr als einer Hinsicht aneinander:


Die Lesewelt theilt sich eigentlich in zwei Klassen. Die eine davon hat endlich durch ewiges Predigen und Schimpfen gegen Romane u.s.w. herausgebracht, daß alle nichts taugen, und sich deshalb blos in den Schutz der Klassiker begeben... Die zweite Klasse besteht aus ganz gewöhnlichen Romanenlesern, die alles das Gute und Schlechte verschlingen, denen aber das letztere aus dem Grunde besser gefällt, weil sie es verstehen.... Eine dritte Klasse von Lesern giebt es noch, welche zwischen den beyden andern in der Mitte stehen, es sind die Anbeter Lafontaine´s und Cramers.“ (Ueberblick des neuesten Zustandes der Litteratur, des Theaters, und des Geschmackes in Wien. Heft 1, (Wien) 1802, S. 8-9; zit. nach: Dirk Sangmeister, Nachwort zum Flaming (2008; siehe unten), S. 735 f)


Im Folgenden bieten zwei Sammler, der Antiquar selbst und einer seiner kenntnisreichen und passionierten Kunden, den gemeinsam erarbeiteten Katalog ihrer in etwa fünfzehn Jahren Sammeltätigkeit erworbenen Bestände dar. Wir hoffen, bei aller Lückenhaftigkeit dennoch einen tauglichen Überblick über das Schaffen der beiden Protagonisten darlegen zu können. Natürlich wäre eine Einbettung in einen Gesamtfundus zeitgenössischer Trivialliteratur wünschenswert gewesen. Angesichts der oben angedeuteten Terminsetzung aber war die Erfassung von einigen Tausend Titeln nicht umzusetzen, waren selbst die hier vorgelegten Titel oft nur unzureichend beschreibbar. Notwendigerweise auftretende Flüchtigkeiten bitten wir zu entschuldigen. Gleichwohl war es unser Ansinnen nicht, nur marktgerechtes >Edelmaterial< zu erfassen, sondern etwa auch Einzelbände und zahlreiche durch intensives Lesen zerschlissene Exemplare zu berücksichtigen. Sammlungen von Unterhaltungsliteratur sehen nun einmal so aus!


Der Aufbau des Kataloges orientiert sich an den Erscheinungsterminen der ersten Ausgaben des jeweiligen Werkes. Nicht weiter spezifizierte Formate verstehen sich in Oktav. Zitierte Sekundärliteratur findet sich weitgehend am Ende des Angebotes. Neuere Buchhandels-Aufkleber, meist in hinteren Innendeckeln angebracht, sind nicht eigens angegeben. Trotz allen Strebens nach Einheitlichkeit läßt sich bei zwei Bearbeitern eine gewisse Heterogenität der Aufnahmen nicht gänzlich vermeiden, zumal wir kurz vor Redaktionsschluß des Kataloges noch eine bedeutende Spezialsammlung zu unserem Thema erwerben konnten. Den beiden Bibliographen unseres Gebietes, Dirk Sangmeister und Michael Olderdißen, sei an dieser Stelle nicht nur für ihre bekannt zuverlässigen Vorarbeiten gedankt, sondern auch auch für Kooperation, Hinweise und Ermutigung.



1782


CRAMER


Leben und Abenteuer des Karl Saalfelds. Von Carl Gottlob Cramer. Berlin (d.i. Wien) 1803. Gest. Frontisp. (F. Weber) / T./ 224 S. Marm. Ppbd. d.Zt. m. grünem Rckns. verkauft

1782 erschienen; es wurde wohl erst 1802 eine (allerdings nicht auffindbare) neue Ausgabe verlegt, ab 1803 dann mindestens vier Ausgaben mit derselben Seitenzahl, aber abweichendes Kupfern und Titeln: Es handelt sich demnach wohl um einen einzigen Druck, der von verschiedenen Verlagen mit unterschiedl. Titeleien versehen wurde; hier die einzige Titelvariante ohne den Zusatz >eines relegirten Studenten<; alle Ausgaben selten; vgl. Olderdißen 1.01 ff; Erman-Horn I, 16605; Kaldewey´s Lesekabinett 12, 82 zur Ausgabe v. 1782: „Anspruchsvoller, in Halle und Jena spielender Studentenroman. Wohl autobiographisch.“

(Cramer, Carl Gottlob / Thilo, Friedrich Theophil ?): Menschen-Schicksale. Ein Familiengemälde in fünf Aufzügen. O.O. (Augsburg) u. Vlg. 1790. S. (169)-362. In: Deutsche Schaubühne. Eilfter Band (Jg. II / 11). Augsburg 1790. Gest. (szenisches) Frontisp. (Poll ?) / T. m. Holzschn.-Vign./ 455 S. Dunkelblauer Ppbd. d.Zt. m. 2 (hs.) Rckn.-Aufkl. Rckn. gebleicht; T. verso gest. (>Hoftheater in Donaueschingen<) – gutes Exemplar 120.00

1782 erschienen Cramers Erstlinge, Geschichte Karl Saalfelds, eines relegierten Studenten von*** bei Böhme in Leipzig, sowie Menschenschicksale, eine Geschichte aus dem achtzehnten Jahrhunderte in zwei Teilen bei Haug in Leipzig (vgl. Olderdißen 01 u. 02). Nach Holzm./Boh. III, 4512 und VI, 6630 wird auch das vorliegende Schauspiel - wohl in Anlehnung an den frühen Roman von 1782 - Cramer zugeschrieben. Olderdißen (A 26.01) bezweifelt diese Zuschreibung (in der Tat hat wohl Cramer keines seiner Werke später selbst dramatisiert) und weist das Werk dem sächsischen Advokaten und Finanzkommisar Thilo (1749-1825) – allerdings mit Fragezeichen – zu, was noch unwahrscheinlicher ist, denn Thilo hat erst später seinen Roman Menschenschicksale älterer und neuerer Zeiten (1791-92) dreibändig veröffentlicht. Eine schlüssige Zuschreibung kann demnach hier nicht vorgenommen werden.

Die Separatausgabe des vorliegenden Schauspieles erschien im selben Jahr bei Himburg in Berlin. Der Sammelband enthält weiterhin: (Bunsen, Philipp Ludwig): Siegfried von Lindenberg. Ein Lustspiel in fünf Aufzügen. Nach Müllers Roman frey bearbeitet von P. C. B. – n. 1790 S. (1)-168 und (Friedrich Ernst Jester): Freemann oder wie wird das ablaufen? Ein Schauspielin vier Aufzügen. Von J.E. Jester. 1790 S. (363)-455. Chlond (vgl. unten: Sekundärliteratur) nennt a. S. VIII einen ebenfalls Cramer wohl fälschlich zugeschriebenen Roman von 1791, den sie hingegen eher dem unbekannten Autor des obigen Schauspiels zuordnet: Liebe und Rache oder wohin führt oft weiblicher Leichtsinn. Eine wahre Geschichte vom Verfasser der Menschenschicksale.



1783


CRAMER


(Cramer, Carl Gottlob ?): Meppen Bocksbart oder wundersame Ebentheuer eines peregrinirenden Kandidaten(,) eine wahre Geschichte. Leipzig, bey Karl Friederich Schneidern, 1783. S. (3)-318. T. m. gest. Vign. (v. Endner). Marm. Ppbd. d. Zt. m. rotem Rckns.; etw. ber. u. Ecken best.; Sign.-Aufkl. a. Innendeckel; T. l. braunfleckig – ordentliches Exemplar verkauft

Am Schluß: „Ende des zweyten Buchs.“ Kein Hinweis auf einen zweiten Band, sieht man einmal von einer Absichtserklärung auf S. (7) und dem letzten Halbsatz der >Vorrede< ab: „ ...wollen wir die Federn korrigiren, um unter dem Titel: Meppen Bocksbarts Wahlfarth (nicht >Wahlfahrt<, wie b. Olderdißen angegeben), unsre Geschichte weiter fortzusetzen.“ S. (8); Chlond schreibt 1957: „Von dieser ersten Auflage konnte trotz wiederholter Umfragen nur der erste Band in einem Exemplar der Nationalbibliothek Wien nachgewiesen werden; der zweite Teil scheint nicht erhalten zu sein.“ (S. 268) Nach jetzt möglichen Online-Recherchen könnten Augsburg und Halle (jeweils ohne oder falsche Detailangaben) den zweiten Band von 1785 besitzen. Olderdißen A 20 weist neben dem (wohl unvollständigen; s.o.) Exemplar der Österreich. Nationalbibl. noch eines im Freien Deutschen Hochstift, Ffm, nach. Der Reihentitel Neue Original-Romane der Deutsche. Dritter Band fehlt hier (wie meist) und sorgt für das Paginierungsgewirr. Es erschienen noch spätere Ausgaben unter abweichenden Titeln.

Das Werk selbst stammt wohl in der Tat kaum von Cramer, der Qualitätsstandard ist - schlicht gesagt – zu hoch. Immer wieder wird eine immanente Verständigung zwischen Autor und Leser angestrebt: „Stoß dich nicht, lieber Leser, an das Wörtchen Durchfall, denn es ist ein gar scharmantes Wörtchen. Die Durchfälle sind von einander sehr verschieden, so wie Leser und Leser unterschieden sind, es giebt dreyerley Durchfälle, so viel wir wissen, und du magst sie selbst nach deinen Gefallen benennen; so viel müssen wir dir doch sagen, daß Bocksbarts Durchfall im allerengsten Verstande genommen werden muß.“ (S. 26) Chlond geht in einem separaten Anhang auf das Werkchen ein und gibt einen gedrängten Inhaltsüberblick: „Meppen Bocksbart, der Sohn des Gastwirts von Merkau, kommt von der Universität, wo er Theologie studiert hat, ins Elternhaus zurück. Da bei seiner Probepredigt über das selbstgewählte Thema >Die Leidenschaften sind den Kaninchen gleich< alle Dorfbewohner die Kirche verlassen und ihn verlachen, wird er aus dem Hause gejagt und zieht als >peregrinirender Kandidat< durch die Welt. Er übernachtet bei verschiedenen Pfarrern, die, ähnlich wie im >Sebaldus Nothanker<, satirisch porträtiert werden, und prügelt sich mit den Bauern, denen er die Mädchen streitig macht. Schließlich landet er als Hofmeister in der Familie eines Kaufmanns, aber auch dort wird er wegen eines Verhältnisses mit der Ausgeberin Karoline entlassen. Nachdem er ein Mädchen namens Mienchen von Räubern gerettet hat, um dann selbst für kurze Zeit Mitglied einer sich später auflösenden Räuberbande zu werden, nimmt ihn Mienchens Vater bei sich auf. Bei ihrer Hochzeit mit einem gewissen Bartklug verlobt er sich mit Lottchen, Bartklugs Verwandter, verfasst >geniale< Verse auf die Gäste und setzt alle durch seine grotesken Tanz>künste< in Erstaunen. Doch sein Aufenthalt als Amtsschreiber auf dem Gut von Mienchens Vater währt nicht lange, da ihn ein Hirt auf freiem Felde verprügelt und halbtot liegen lässt.“ (S. 269) Hier endet der erste Teil der von Chlond wiedergegebenen Ausgabe von 1802 ebenso wie der hier vorliegende erste Band der Estausgabe. Der zweite Teil ist dann eine an die Insel Felsenburg angelehnte >Robinsonade der Phantasie< in Form der erdachten >Bocksbartsburg< und bedient damit die Sehnsucht des Lesers nach Exotik (u.a. Sumatra). Interessant sei das Werk – so Chlond (S. 271-73) – wegen des burlesken Tones, der an Sterne gemahnenden Ironie sowie vor allem durch seine Zugehörigkeit zur sogenannten >Kandidatenliteratur< „und wegen gewisser Beziehungen zu Christian Reuters Schelmuffsky“, die dann genauer bestimmt werden. Vgl. Olderdißen A 20


Meppen Bocksbarts nächtliches Floherlebnis und Traum. Mit Steinzeichnungen von Erich Gruner. Verlag Meißner & Buch Leipzig 1920. 4° 22 (tls. farb.) illustr. Bl. OPpbd. 200.00

Vorbericht. Diese wahre und putzwunderliche Geschichte des nachmahligen Domänenraths Meppen ehedem von einem Herrn -S- anno 1785 zum ersten Male getreulich berichtet, wurde neuerlich von Endesunterzeichneten in 150 Exemplaren mit der Hand von Stein gedrücket (...und) aus vorkrieglichem Bettlaken fabriciret. Als Druckfarbe dienete Flohbluth. Es sei nur noch nebensächlich erwähnet, daß um dieses Buches willen und zum Heile der menschlichen Allgemeinheit, ich sage nicht zuviel, 9540000000045217 jener profeßionellen Blutdiebe ihr Leben lassen mußten... Dieses Büchlein ist in der Reihe des Drucks Nummer 8“ Chlond (S. 268) bemerkt: „... der zweite Teil scheint nicht erhalten zu sein. Nur ein kleiner Auszug von ungefähr 20 Druckseiten, der außerdem eine kurze Zusammenfassung vom Inhalt des ganzen Romans in Knittelversen enthält, ist in einem Privatdruck von 1920 überliefert.“ Auch scheint - nach kursorischer Durchsicht des zweiten Teiles einer Ausgabe von 1804 – tatsächlich das Floherlebnis in späteren Ausgaben nicht enthalten zu sein. Kurioses Werk in ordentlicher Erhaltung.


1786


CRAMER


Adelheim. Eine Schweizergeschichte. Zwey Theile (in 1). Leipzig (o.V.), 1802. Gest. Frontisp. (Blaschke)/ T./ 168 S./ 195 S. Gesprenkelter Hldrbd. d. Zt. m. 2 Rckns. Wen. ber. u. best.; Exlibr. (>Franz Pollack Parnau<); Kpfr. verso m. St. u. Monogrammst. a. T. (>J.B.<) verkauft

Zuerst 1786 erschienen; vgl. Goedeke V, 509, 5; Hayn-Gotendorf I, 683; vermutlich Wiener Nachdruck; Hehres & Triviales 2.001; Olderdißen 04.02: „Wäre Erstlingswerk (>Lpzg. 1778<), konnte aber nur in dieser unsicheren Quelle (Kat. d. Leihbibliothek Zehetmayr u. B. Kiermayr S. 36, 211) nachgewiesen werden.“ Adelheid Chlond fasst den Inhalt so zusammen: "Laura, ein Mädchen aus vornehmer schweizerischer Familie, heiratet nicht den heimlich geliebten deutschen Jüngling Adelheim, sondern den Wüstling Bernard. Adelheim entdeckt in diesem später den lange vergeblich gesuchten Verführer seiner verstorbenen Schwester und zugleich den Mörder seines Vaters. Er erschießt den ehemaligen Freund, der zudem seine Laura unglücklich gemacht hat, trägt aber zuvor in einer an Bürgers >Leonore< anklingenden Romanze sein Schicksal vor. Nach der Mordtat flieht Adelheim nach Deutschland. Er fällt aber bald bei seinem Fürsten in Ungnade und irrt dann wahnsinnig durch die Lande. Nach seiner pietistisch anmutenden religiösen Bekehrung stirbt er im Hause eines Pfarrers. Laura, die nach Deutschland kommt, lebt hinfort nur dem Kult seines Grabes, neben dem sie schließlich selbst die letzte Ruhestätte findet." (Chlond, S. 57-58) Typisches Werther-Siegwart-Rezeptionsprodukt. Sehr schönes Exemplar. verkauft


- Dass. Marm. Ppbd. d.Zt. m. rotem goldgepr. Rckns.; min.berieb.; Aufkl. a. Innendeckel; Monogramm-Stempel a.T. (>I.P.<); Rotschn.; Pap. gebräunt 180.00



1789


LAFONTAINE


Scenen. Erster / Zweyter Theil (in einem Band). Leipzig: Göschen 1789. VI / 5 Bl./ S. 3-248// 2 Bl./ S. 3-360 Mit 2 Titelkupfern (Paul Malvieux nach Barbiez. Bd. 1 ist d. Hallischen Historiker Christian Daniel Voß, Bd. 2 d. Dichter Johann Jacob Mnioch gewidmet). Ppbd. d.Zt.. Rcknsch. v. alter Hand beschriftet; Einbd. ber., Rckn angebrochen; innen teilw. l. nachgedunkelt und / oder braunfleckig; Vors. vorne etw. angeschmutzt u. m. kleinem Abriss an unt. Ecke, Besitzeinträge und Anmerkung v. alter Hand (1794/1858); flieg. Vors. hinten mit Ausschnitt (durch hinterlegtes Papier fachmännisch repariert) sowie m. Anm. (Gedicht? Zitat?), ebenfalls v. alter Hand 160.00

Aber Herrn La Fontaine lassen Sie noch einige Jahre älter werden, bevor Sie ihm wieder was in Verlag nehmen.“ Karl Leonhard Reinhold an Georg Joachim Göschen, Jena, 26. Febr. 1789. Zit. n. Karl Leonhard Reinhold: Korrespondenz 1788-1790. Hrsgg. v. Faustino Fabianelli u.a. Stuttgart-Bad Cannstatt 2007 (Reinhold-Korrespondenzausg. d. Österreich. Akademie d. Wiss., Bd. 2), S. 62.

Als Erzieher und Hauslehrer bei der Familie des Amtmanns Brinkmann in Bartensleben erzählte er "mit Vorliebe seinen Zöglingen von den Taten berühmter Männer aus der Vorzeit und führte sie in die Schriften Plutarchs ein. In diese Zeit fielen die ersten schriftstellerischen Versuche Lafontaines (...) da er ein begeisterter Anhänger der alten Geschichte war, begann er selbst Ereignisse aus der griechischen und römischen Welt in einzelnen wohlausgearbeiteten Szenen zu dramatisieren. Als >Szenen< sind jene beiden >Gedichte<: "Die Befreiung Roms" und der "Kleomenes", zusammengefaßt. - Für ersteres benutzte er Livius und Dionys von Halikarnass, für letzteres Plutarch und Polybius als Quellen." (Hilde Ishorst: A.H.J. Lafontaine, Berlin 1935, S. 8)

Auch das zukünftige ästhetische Programm formuliert der Autor in seinem >Vorbericht<: "Ich muß gestehen, daß ich mich durch die Ausarbeitung dieser Reihe von Scenen nur zu künftigen Arbeiten in der tragischen Dichtkunst vorbereiten wollte, und daß ich daher auf die Ausarbeitung und Vollendung einzelner Scenen, auf Darstellung rührender Empfindungen, Gruppierung interessanter Situazionen im Einzelnen, auf richtige Sprache der Leidenschaft, Wahrheit, Haltung, und Mischung der Charaktere mehr sah, als auf die Vollkommenheit und Vollendung des Ganzen." (S. II - III)

Insgesamt noch altersgemäß gutes Exemplar. Nach dem Trauerspiel Antonie oder das Klostergelübde (Halle: Bispink, 1789) Originalausgabe der zweiten selbständigen Veröffentlichung Lafontaines (Sangmeister 2), wobei interessanterweise Sangmeister in seiner neuesten Lafontaine-Bibliographie (siehe unten Nachwort zum Flaming von 2008) die Reihenfolge umdreht und die Scenen zu Lafontaines erster Veröffentlichung macht!


CRAMER


Leben und Meinungen, auch seltsamliche Abentheuer Erasmus Schleichers, eines reisenden Mechanikus. Erster (bis Vierter) Theil. Neue, mit Anmerkungen vermehrte Auflage. Frankfurth und Leipzig (d.i. Wien) 1794 (Bd. 3: 1795) 304 S.// 256 S.// XII / 292 S.// 302 S. m. 3 gest. T.-Vign. (Bd. 2-4; d’Argent). Ppbde. d.Zt. m. hs. Rcknaufkl.; etw. ber. u. best. (Rckn. v. Bd. 1 etw. stärker); vord. Vorsatzbl. zur Hälfte beschnitten; Innendeckel m.Spuren v.entfernten Exlibr.; St. (Bibl.von der Leyen) u. Nr. sowie hs. Querstriche a.T.; Pap. ger. stockfl.; Lichtränder a. (hint.) Deckeln; ohne dieacht Kupfertfln.; Vorwort unterzeichnet mit >Jonas Imbauche< 180.00

Vgl. Olderdißen 06.03 (nur 1794); Kaldewey, H. & T. 1, 144 (ebenfalls ohne Kupfer und nur mit zwei T.-Vignetten). Das zuerst zwischen 1789 und 1791 erschienene Werk ist das bekannteste und wohl meist aufgelegte Werk Cramers, gewissermaßen dessen Heymeran von Flaming; es führte den Leser in den Untertiteln zahlreicher anderer Romane zum nicht genannten Autor zurück, galt demnach als probater Werbeträger für sein übriges Schaffen.

Schleicher, wie Cramer ein ehemaliger Kandidat der Theologie, schildert die Gründe, aus denen er in der kirchlichen Laufbahn scheiterte. (...) Die Examinatoren legen ihm die Bedeutung der symbolischen Bücher dar und ... auf die Frage des Prüflings, ob sich dies auch auf die Geschichte von Bileams Esel bezöge – die Cramer mit Vorliebe für die Sagenhaftigkeit und Unglaubwürdigkeit der Bibel anführt – wird Schleicher als Erzketzer und Freigeist aus seinem Amte verstoßen. Auch Luley scheitert an dem Eid auf die symbolischen Bücher. Wie weit sich Schleichers Erlebnisse mit den eigenen Erfahrungen Cramers decken, wird sich kaum nachweisen lassen; wegen der Nennung des Leipziger Lehrers, mit dem selbstverständlich wieder Platner gemeint ist, können wir aber annehmen, dass Cramer seine persönlichen Schicksale mit den erdichteten des wandernden Mechanikers zumindest verquickt hat.“ (Chlond, S. 147)


- Dasselbe. Erster / Zweiter / Vierter Band. Dritte, durchgängig verbesserte, und mit Erläuterungen und Anmerkung vermehrte Auflage. Leipzig 1798. XXVI S./ 1 Bl./ 291 // 248 // 270 S. m. 3 gest. T.-Vign. (Bd. 2 u. 4 ident. m. oben). Marm. Hldrbde. d.Zt. m. je 2 goldgepr. Rckns.; ber. u. Kanten best.; T. m. vertikalen Besitzeinträgen v. alter Hand; Vors. v. Bd. 1 m. Eckausschnitt; Pap. tls. fl. u. m. ger. Rand- u. Eck-Läsuren 120.00

Insgesamt noch durchaus ansehnliche Reihe (ohne Bd. 3) – Olderdißen 06.05 (Ex. m. Reihentitel)


- Dasselbe. 4 Bde. Bd. 3: X S. / S. (11)-182 (recte 281 / sonst vgl. oben). Dekorative marm. Hldrbde. m. 2 Rckns. u. reicher Rcknverg.; Kanten u. Decken etw. ber. u. best. (in 1 Steg kl. Wurmspur); bei 2 Bdn. altes Lesebändchen erhalten; Schmuckpapiervorsätze; 4 graphisch gestaltete Exlibr. a. vord. Innendeckel; Rckns. m. dekorativem, kalligraphisch gestalteten hs. Aufkl. (Abentheuer des Erasmus Schleicher I.-IV. Band.); auf 2 Vorsätzen hs. Hinweise auf Stellen aus Paul Ysop, Alcibiades, Wachtel-Peter; insg. gutes Exemplar verkauft


- Leben und Meinungen auch seltsamliche Abenteuer Erasmus Schleichers, eines reisenden Mechanikus. Erster, zweyter u. dritter Theil (in 3 Bdn.) in >Neuer durchgesehener Auflage< Leipzig (o. Dr. u. Vlg.) 1802. Vierter Theil in >Neue, durchgesehene Auflage< Leipzig, (o. Dr. u.Vlg.) 1800. 4 gest. Frontisp. (F. Weber) / 310 S.// 248 S.// 272 S.// 320 S. Bd. 1-3 Hldr. d.Zt. m. goldgepr.Rcknt.; ber. u. best.; Aufkl. a. Rckn.; Exlibris a. Innendeckel (>Dr. A. Kronfeld, Vindobonensis.<); hs. Besitzeintr. a. Vorsatz; Stemp. a.T./ Bd. 4 Ldr. d.Zt. m. goldgepr. Rckn., ohne Rckns.; marm.Vors.u.Lesebändchen; Pap.ger.braunfl.300.00

Goed. V, 509, 10/6; Hayn-Got. I, 690; Sichelschmidt 78 ff. (bes. S.80 f.); Olderdißen 06.07 (Bd.1-3) u. 06.06 (Bd.4)


- (Johann Friedrich Ernst Albrecht ?): Julie Gräfin zu Palmira. Ein Schauspiel in einem Aufzug nach dem Sujet des Erasmus Schleicher frey bearbeitet. O.O. u. Vlg. 1792. In: Deutsche Schaubühne. Vierten Jahrgangs Eilfter Band. Nach der Ordnung 47ster Band. Augsburg 1792. 3 Bl./ 426 S., hier S. 309-370. Schlechte Interimsbroschur d. Zt. m. hs. Rcknaufkl. (tls. abgelöst); Einband, Gel. u. Kap. stark ber. u. angerändert; tls. knittrig u. ohrig 75.00

Nicht b. Holzmann-Boh.; mutmaßl. Verf. nach Olderdißen 06.17; bei Heinsius, Schauspiele (1812), Sp. 301 ist eine Ausgabe von 1808 bei Sommer in Leipzig aufgeführt. Weiterhin enthält der Band Bernhard Steins Die Waffenbrüder, Friederike Sophie Seylers Oberon (nach Wieland), Anton Hunnius´ Der Taubstumme sowie (Paul Weidmanns) Der Mädchentausch.



1790


CRAMER


Der deutsche Alcibiades. Erster, zweiter u. dritter Theil (in 1 Bd.). Weißenfels und Leipzig, bei Reformator Sincerus (d.i. Severin) 1791. Gest. Porträt-Frontisp. (“Risa“) / T./ 240 S.// gest. Porträt-Frontisp. („Albert“) / T./ 275 S.// gest. Porträt-Frontisp. („Julie“) / T./ 292 S. Porträt-Kpfr.in Medaillonform und Punktiermanier. Blauer Ppbd. d.Zt. m. rotem Rckns.; Rckn.u. Deckel berieben, Kanten best.; Pap.altersbed.gebräunt u.etw.stockfl. 200.00

Olderdißen 07.01; zuerst 1790 erschienen. Im Gegensatz zum Meissnerschen Alcibiades (s.u.) liegt hier ein Zeit-Roman Cramers vor: „Der >Deutsche Alcibiades< ist zwar aus Rivalität und versteckter Reklameabsicht zu Meißners berühmten >Alcibiades< geschrieben, aber unter diesem Gesichtspunkt allein ist Cramers Roman nicht zu fassen. Denn ganz bewusst hat Cramer seinen Helden aus der Antike in die Gegenwart versetzt; an die Stelle der griechischen Stadtautarkie ist der deutsche Fürstensouverän getreten.“ (Beaujean, Trivialroman, S. 72 f) Sinzerus der Reformator – das von Cramer gewählte Pseudonym – war ein 1787 erschienener Roman, der abwechselnd Milbiller (Baader), Bispinck (Griep), Winkopp (Grassl) u. Pezzl (Goed.; Holzmann/Boh.) zugeschrieben wird.


- Dass. Zweite (ab Bd. 2: >verbesserte und vermehrte<) Auflage. 3 Tle. Weißenfels und Leipzig, bei Friedrich Severin 1792. 376 / 440 / 415 S. m. jeweils 1 gest. Frontisp. (Stoelzel, Bd. 1 n. Schenau, Portraits in Punktmanier bzw. Röteldr.) Schöne Hldrbde. d. Zt. m. 2 Rckns. u. dez. Rcknverg.; Rotschn.; Bd. 1 ob. Ecke m. kl. Wurmspur u. Vors. ger. beschn. - Olderd. 07.04 - 280.00

- Dass. Von Carl Gottlob Cramer. Dritter Theil (von 3). Neueste, rechtmäßige Auflage. Hamburg: Gottfried Vollmer 1813. 360 S. Marm.Ppbd.d.Zt.m.Rckns.; Kanten berieb.u. Ecken best.; hs.Besitzeintr.a.Vorsatz; Siegelreste a.Innendeckel; Pap.gebräunt u.tls.fleckig 45.00

Olderdißen 07.12 (hier ebenfalls ohne die von Olderdißen vermuteten Porträts)


- Hermann von Nordenschild, genannt von Unstern. Als Anhang und Nachtrag zum deutschen Alcibiades. 2 Bde. Weißenfels und Leipzig, bey Reformator Sincerus 1792. Gest. Frontisp. (Portr. in Röteldr. v. Stoelzel) / VI S./ S.(7)-280 m. 1 gef. Notenbl.// gest. Frontisp. (dito) / 272 S. m. 1 gef. Notenbl. Stärker best. u. ber. blaue Ppbde. d.Zt.; Pap. tls. gebräunt - Olderdißen 07.16 - verkauft

- Hermann von Nordenschild, genannt von Unstern. Als Anhang und Nachtrag zum deutschen Alcibiades. Erster / Zweiter und letzter Theil (in 1 Bd.) Dritte, mit Bewilligung des Verfassers, vom rechtmäßigen Verleger, wegen zwey zugleich erschienenen elenden Nachdrücken, veranstaltete wohlfeile Auflage. Frankfurth am Main 1792. In Commission der Varrentrapp und Wennerschen Buchhandlung. Gest. Frontisp. (>Hermann< in Punktmanier v. Stoelzel) / T./ 211 S. m. gest. u. gefalt. Notenbl.// gest. Frontisp. (>Sophie<, dito) / T./ 234 S. m. gest. u. gefalt. Notenbl./ 1 Bl. (Vlgs.-Anz.) Dekorativer zeitgenöss. marm. Hldrbd. m. rotem Rckns. u. Rcknverg.; (gest. ?) Exlibr. (>H. Moody<) a. Innendeckel 220.00

Zuerst 1791/92 bei Severin in Weissenfels erschienen, dessen Verlagsanzeigen sich auch im Anhang d. vorliegenden Teile befinden (demnach wäre Varrentrapp & Wenner tatsächlich nur Kommissions-Buchhandlung); eine Art Fortschreibung des erfolgreichen Alcibiades mit geteilter Reaktion der Kritik: „Es ist eine eigne Art von Sturm und Drang, die in dieser Schrift, wie in andern des nämlichen Vf., sich am Horizont unsrer Literatur zu zeigen angefangen hat. ...mit blendenden Farben und kräftigen Zügen wird ... der Mangel an Plan, an Einheit, an Gradationen, an Natur und an Stil nicht ersetzt; und entweder giebt es keinen Geschmack, oder der Vf. des deutschen Alcibiades verdient unter unsern Geschmackverderbern einen desto bestimmteren Platz, je mehr wahre Talente er vielleicht hat.“ (ALZ, Julius 1793, Sp. 240); Olderdißen 07.17


- Hermann von Nordenschild genannt von Unstern. Als Anhang und Nachtrag zum deutschen Alcibiades. Erster / Zweyter Theil. Wien: Haas 1792. 2 T.-Vign. (in Rötel) / 5 Bl./ 229 / 252 S. 1 (ausfaltb.) gest. Notenbeilage (von 2). Hldrbde. m. 2 Rckns. u. Rcknverg. Kanten l. best.; Rckn. v. Bd. 2 m. kl. Fehlst. u. Wurmspuren; Exlibr. u. Leihbibl.-Aufkl. T. m. 2 St. 200.00

Einer der o.g. >elenden Nachdrücke< des selteneren Seitenstückes; Goed. V, 509, 9; Olderdißen 07.18


- (MEISSNER, August Gottlieb): Alcibiades. Erster (bis) Vierter Theil (in vier Bdn.) Carlsruhe: Schmieder 1782-1788. T. m. gest. Vign./ 6 Bl. (incl. Kaiserl. Druckprivileg) / 336 S. m. 2 Kpfrn. (v. Cöntgen) // T. m. gest. Vign./ 4 Bl. (dito) / 308 S m. 2 Kpfrn. // T. m. gest. Vign./ 4 Bl./ 368 S. m. 2 Kpfrn. // T. m. gest. Vign./ S. (V)-XXII / 430 S. m. 2 Kpfrn. Dekorative, gesprenkelte Hldrbde. d.Zt. m. 2 Rckns., dez. Rcknverg., Lederecken, Lesebändchen, Rotschnitt. Unauffällige Aufkl. am unt. Kap.; etw. ber.; innen wen. fleckig diese Ausgabe verkauft

Hayn-Got. IV, 453; Nachdruckausgabe des überaus erfolgreichen Werkes, auch über die Neigung des Helden zur gleichgeschlechtlichen Liebe. Cramers Deutscher Alcibiades (s.o.) grenzt sich in der Vorrede natürlich ab und sei „also nichts weniger als eine Nachahmung weder des griechischen noch des Meißnerschen Alcibiades.“ (Ausg. 1791, S. 8) In Bd. 4 die programmatische Widmung Meissners an Gleim. „Meißners >Alcibiades< verrät noch eine starke Abhängigkeit von den alten Fürstenspiegeln. Alcibiades ist ein später Nachfahre des Télemach und durchreist wie er als junger Prinz von vorzüglichen Anlagen mit einem Erzieher die Welt, um in Zeiten politischer Wirren und geistigen Umsturzes sich zu den Tugenden eines Weltmannes zu bilden.“ (Beaujean, Trivialroman, 105)

Dieselbe Ausgabe auch als zeitgenössische Halblederausgabe mit mehrfarbigem Schnitt (100.00) und in moderne marmorierte Pappe gebunden (80.00) lieferbar. Bitte fragen Sie an.



1791


LAFONTAINE


Die Gewalt der Liebe(,) in Erzählungen von August Lafontaine. Mit Churfürstl. Sächsischem Privilegio. 4 Tle. (in 3 Bdn.) Berlin, in Karl Matzdorffs Buchhandlung 1791-1794. T. m. gest. Vign. (Sintzenich) / 2 Bl./ 256 S.// T. m. gest. Vign. (dito) / 1 Bl./ 262 S.// T. m. gest. Vign. (dito) / 168 S.// T. m. gest. Vign. (dito) / 155 S. Dek. Hldrbde. d.Zt. m. 2 Rckns. u. Rcknverg. (Kanten etw. best., wen. ber.); N. a. Vors. (>Julius Schulz 1864<); Rotschnitt 300.00

- Dass. Zweiter / Dritter Theil (in 1 Bd). Berlin: Matzdorff 1792 / 1793. T. m. gest. Vign. (Sintzenich) / 262 / 1 Bl. (>Vorerinnerung<) // T. m. gest. Vign. (dito) / 168 S. Etw. späterer Hldrbd. m. ornamentierten Deckeln u. Rcknaufkl.; Seite- u. Fuß unbeschnitten; ber.; T. gest. (>Freiherrl. von Romberg´sche Bibliothek<) 120.00

Teil der 1791 bis 1794 erschienenen Erstausgabe mit abgeschlossenen Erzählungen (deren Titel bei Sangmeister 3)


- Dass. 4 Bde.(in 2) Berlin, in K. Matzdorffs Buchhandlung, 1797. Je 1 T.-Vign. (in Punktierstich, anonym) T./ IV / 244 S.// T./ 262 S.// T./ 264 S.// T./ 288 S. Ppbde. d.Zt. m.rotem Rckns.; etw.ber., innen gebräunt, kaum Gebr.spuren; Rotschn. 200.00

Wohlerhaltene Bände der ersten um zwei Erzählungen erweiterten Ausgabe - Sangmeister 3.1


- Dass. Vierter Theil. Zweite mit neuen Erzählungen vermehrte Auflage. Berlin (d.i. Wien: Haas) 1801. Gest. Frontisp./ gest. T. m. Vign./ 276 S. Marm. Hldrbd. d.Zt.; T. etw. fleckig verkauft



1792


LAFONTAINE


Der Naturmensch. Von Miltenberg. Halle, bei Michaelis und Bispink 1792. Gest. Frontisp. (Liebe n. Schnorr v. K.) / T./ 2 Bl./ S. (9)-368. Marm. Ppbd. d.Zt. m. (späterem) Rckns. Kanten beschabt; o. flieg. Vors. hinten; Überzugspap. am hint. Deckel wen. gelöst – ordentl. Exemplar 220.00

Sangmeister 4; erste Ausgabe (ohne Reihentitel); Druckvermerk: >Gedrukt bei Fr. Wilh. Michaelis< (S. 368)

- Der Naturmensch, oder Natur und Liebe. Von Aug. Lafontaine. Wien, bey Franz Haas 1799. Gest. Frontisp. (Blaschke n. Maillard) / gest. T. m. Vign./ 247 S. Gesprenkelter Ppbd. m. goldgepr. Rckns.; l. ber.; Rckn. etw. nachgedunkelt; gutes Exemplar - nicht bei Sangmeister - 140.00


- Der Naturmensch oder Natur und Liebe von August Lafontaine. Berlin (d.i.Wien: Haas) 1800. T.-Kpfr. (anonym) / gest. T. m. Vign. (v. B(laschke) ?) / 308 S. Bräunliche Schmuckbroschur d.Zt. m. 2 Rcknaufkl. (>Lafontaine, Wercke, III. Band<); Exlibr. a. Vors. (>K. Hlavka<) T. m. hs. Namenszug; neben leichten Überzugsschäden a. Rckn. unten etw. einger.; unbeschn. 120.00

Sangmeister 64.4; die erste Ausgabe erschien (teilweise mit dem Reihentitel Gemälde des menschlichen Herzens 1) unter dem Pseudonym >Miltenberg< als viertes Werk Lafontaines 1792 in Halle. Der lebenssatte Lord Hillnet lässt seinen Sohn William abseits jeglichen gesellschaftlichen Umganges auf einem abgetrennten Stück Natur aufwachsen, bevor der Jugendliche dann völlig naiv erste tastende Kontakte zu seiner Umwelt aufbaut und (natürlich) in Gefühls-Konfusionen gerät. „Er begegnet einem schönen, aber hochfahrenden Mädchen aus gutem Hause, später einem armen Mädchen, das wegen seiner Unschuld sein Herz gewinnt. Gleichwohl hält William beide für unfähig, echte Liebe zu empfinden. Erst die Begegnung mit einem indischen Naturkind verschafft ihm das beglückende Erlebnis wahrer Liebe.“ (Sichelschmidt, S. 113; dazu auch Sangmeister, Vergänglichkeit, S. 440 f)

Hayn/Got. IV, 530 schreibt zu einer (übrigens bei Sangmeister nicht aufgeführten) zweibändigen Ausgabe von 1798: „Der Naturmensch insbesondere, der im ersten Theil sehr an Chr. Althing´s frivole Schöpfungen erinnert und nicht die geringste Verwandtschaft mit den späteren sentimentalen Fmilienromanen des Verfassers hat, ist gesucht.“


Die Verirrungen des Menschlichen Herzens: oder So macht es die Liebe. Von A. Lafontaine. Erster / Zweiter Theil (in 2). Görliz (d.i. Stuttgart: Macklot) 1799. 183 S./ 208 S. T. jew. m. gest. Vign. (anonym). Marm. Hldrbde. d.Zt. m. roten Rckns. (Randabriebe), obere Kapitale v. Bd. 2 best. u. leicht eingerissen; Vors. v. Bd. 2 am Innengel. wasserrandig; gutes Exemplar verkauft

Sangmeister 99.2 (Bd. 2 stammt nicht von Lafontaine!); zuerst 1792 unter dem Pseudonym >Selchow< als einziges unvollendetes Werk erschienen (vgl. Sangmeister 5); recht seltene Ausgabe mit zwei reizenden szenischen Vignetten.

- Dass. Erster Theil (v. 2). Marm. Ppbd. d.Zt. m. 2 Rckns. Ecken best.; Rckn. stärker ber.; N. a. Vors.; ordentliches Exemplar - Alles von Lafontaine verfasste (vgl. Sangmeister 99.2) verkauft



CRAMER


Leben und Meinungen auch seltsamliche Abentheuer Paul Ysops, eines reducirten Hoffnarren. Vom Verfas er (so in Bd. 1!) des Erasmus Schleichers. Erster / Zweiter Theil. Leipzig: Johann Benjamin Georg Fleischer 1792 / 1793. T. m. gest. Vign. (Schule n. Schubert) / 2 Bl. (Widmung) / X S. (>Prolog<) / 392 S. m. 1 mehrf. gef. Musikbeilage// T. m. gest. Vign. (dito) / S. (III)-XVI / 343 S. Ppbde. d.Zt. m. gesprenkelten Deckeln u.(tls. abgelösten) Rckns.; Rckn. aus abweich. Mat. d.Zt.; ber., best. u. etw. schiefgelesen; Pap. gebräunt; Rotschnitt - Erste Ausg.; Olderdißen 10 - verkauft

- Leben und Meinungen auch seltsamliche Abentheuer Paul Ysops, eines reducierten Hofnarren. Vom Verfasser des Erasmus Schleichers. Erster / Zweyter Theil. Neue vermehrte und verbesserte Ausgabe. Frankfurt und Leipzig 1795. T. m. gest. Vign./ XIV / 302 S.// T. m. gest. Vign./ VIII / 278 S. Hpgmtbde. d.Zt. m. hs. Rcknt.; stärker fleckig u. etw. verzogen; Leihbibl.-Exemplar (hs. Eintr. der "Lesegesellschaft zu Pforzheim“ a.T.); Pap. tls. fleckig u. gebräunt, stärkere Gebrauchsspuren - Goedeke V, 509, 10/10. Olderdißen 10.04: 2.Bd. Pag.abw. 280 S. 180.00


- Leben und Meinungen auch seltsamliche Abentheuer Paul Ysops, eines reduzirten Hofnarren. Vom Verfasser des Erasmus Schleicher. Erster / Zweiter Theil. Neue durchgesehene Auflage. Leipzig 1800. Gest. Frontisp. (Weber) / T./ VIII S. (Prolog) / S. (9)-367 S.// gest. Frontisp. (Weber) / T./ VI S. („Ergebenstes Promemoria an das Publikum“) / S. (7)-328 S. Neuere Ppbde. d.Zt. m. alten Vorsätzen u. Rckns.; T. v. Bd. 2 fleckig; Besitzeintr. a.T. u. Vors. 200.00

Zuerst 1792/93 erschienen; Vorwort mit >Jonas Imbauche< unterzeichnet. Ein >vertriebener Illuminate< (S.11f.) wird in seinen >tiefen Betrachtungen< satirisch konterkariert: „... eine ganz andere Menschenart – eine Mixtur von Illuminaten und unverwistlichen Genie, von Feinheit und ehrlichen Deutschen, von Individualität und tiefdenkendem Ernst, von Schwärmerey und festem Biedersinn – kurz, eine Piece, wie sie nur die vereinigten Kräfte von vier Fakultäten hervorbringen können. – Ein Abstraktum von allen Konkretis!“ (27) Ysop wird in der Welt herumgetrieben, bewaffnet sich mit >Robinson< und >Insel Felsenburg< (118), kommt jedoch nur nach Buxtehude und Hamburg, sodann auf die imaginäre Akademie >Minerva<, um schließlich (ab S. 291) zum Hofnarren des >Obersberger Hofes< zu avancieren. – Olderdißen 10.09


- Ysopiana. Als Anhang und Nachtrag zu dem Leben Paul Ysops eines reducirten Hofnarren von Carl Gottlob Cramer. Leipzig, (o. Vlg.) 1799. T. m. gest. Vign./ 190 S. Marm. Hldrbd. d.Zt. m. zwei goldgepr.Rckns. („Cramers Werke.“/ „Ysopiana.“); ger. ber. u. best.; a. d. Buntpapiervors. Aufkl. (>Ludwig Auer Antiquariats-Buchhandlung Wien<); innen frisches Exemplar 160.00

Olderdißen 10.14; enthält Fragmente, Dialoge, Totengespräche, Fabeln, Aphorismen u. Ä. (z.B. Der Todtengräber mit der Jakobinermütze mit dem Fazit: „Sie wollen frei leben, und – sterben an der Freiheit!“)


- Dass. Marm. Ppbd. m. rotem Rckns. Vors. m. Ausschnitt – gutes Exempl. 150.00


- Dass. Leipzig (d.i. Wien ?) (o. Vlg.) 1800. Gest. Frontisp. (Schindelmayer) / T./ 192 S. Einf. neuer Ppbd. m. Flachrücken. Titelei (incl. Kpfr.) m. stärkerem Feuchtrand; nur seitlich (knapp: dadurch Deckelüberstand) beschnitten; z. Tl. Randschäden – Olderdißen 10.15 100.00


Adolph der Kühne Raugraf von Dassel. Dramatisiert vom Verfasser des deutschen Alcibiades. Erster (bis dritter) Theil (in 1 Bd.) Weissenfels und Prag, bei Friedrich Severin und in der Meißnerschen Buchhandlung 1792 (Nachdruck mit e.Nachwort v. H.-F.Foltin, Hildesheim/ New York 1979). IV Bll./ 304 S./ 2 Bll./ 328 S./ 2 Bll./ 272 S./ S.273*-295* mit Abb. u. 1 gef. Musikbeilage (in Bd.1). OLnbd. m. (berieb.) Rckns.; kl. Besitzst.a.Innendeckel; ber.

50.00 (weitere Org.-Augabe inzw. vorh.)

Olderdißen 08; Faksimile der EA. "Karl Moorsche Kolossalpathetik, Rinaldinische Räuber- und Waldromantik, Götzsche Kraftathletik und Bürgersche Gruselballadik (...) wirbeln in hypertrophischen Ausmaßen umher." (Rudolf Bauer, Der historische Trivialroman, S. 45)


- Ludwig Dellarosa (d.i. Joseph Alois Gleich): Adolf der Kühne, Raugraf von Dassel. Eine Rittergeschichte voll Schreckensscenen aus den Zeiten des Faustrechtes. Neu bearbeitet. Erster/ Zweiter Theil (in 2). Wien: Singer und Goering 1841. T.-Kpfr. (von Leop. Burckart nach L. Steiner) / 155 S./ 2 Bll. Verlagsanzeigen von "Geister= und Ritter=Romanen", die noch "zu haben" seien // T.-Kpfr. (dito) / 160 S./ 4 Bll. Verlagsanzeigen. Mit bräunlichem Papier bezogene Leinenbändchen; Bezüge lose, an den Kanten defekt; fleckig u.knittrig; unbeschnitten; vermutl. stark gelesene Bände einer Leihbibliothek - Nicht bei Olderdißen und nicht bei Goedeke 220.00


Hensler, Karl Friedrich: Das Faustrecht in Thüringen. Erster / Zweyter / Dritter und letzter Theil (in 3 Bdn.) Ein Schauspiel mit Gesang in vier Aufzügen, nach Hasper a Spada für die Schaubühne bearbeitet. Mit Musik von Ferdinand Kauer, Musikdirektor. Wien, gedruckt mit Schmidtischen Schriften 1797. 94 / 96 / 100 S. Unbeschnittene Interimsbroschur d.Zt.; Bd. 1 st. fleckig u. m. Rand- sowie l. Rckn.- u. Überzugsschäden; Heft 2 u. 3 frisch u etw. knittrig verkauft

Viele Autoren versuchten, sich an den Erfolg der Cramerschen Rittersatire, die 1792-93 unter dem Titel Hasper a Spada. Eine Sage aus dem dreizehnten Jahrhunderte. Vom Verfasser des Erasmus Schleickers (!) in 2 Bänden bei Fleischer in Leipzig erschien, anzuschließen. Beispielsweise verfasste Carl Ludwig Schöpfer einen Ritter Rinfried a Spada, Vater des Hasper a Spada, Nordhausen: Fürst 1829. Vgl.Goedeke VI, 411, 31/24; Olderdißen 11.07.

Zu dem hier vorliegenden Seitenstück vgl. Olderdißen 11.10 (abweichend); Hensler, 1761 in Schaffhausen geb., 1825 in Wien gest., kam 1784 nach Wien und dort mit Marinelli in Kontakt (auch hier noch jeweils unter dem Personenverzeichnis: „Aufgeführt auf der k. k. privil. Marinellischen Schaubühne in Wien“) und war nach 1803 Direktor des Theaters in der Leopoldstadt sowie ab 1818 Pächter der Theater in Baden und Pressburg. Sein Werk besteht vornehmlich aus Theateradaptionen zeitgenössischer Erfolgsautoren wie etwa Spieß oder eben Cramer.


- (Dietrich, Ewald Christian Victorin): Hasper a Spada auf Burg Ilmen oder: Rache und Versöhnung. Eine Erzählung aus dem dreizehnten Jahrhundert vom Verfasser der Jutta von der Duba. Zweiter Theil (von 2). Meißen, bei C.F. Klinkicht und Sohn 1837. T./ 249 S. Einf. Hldrbd. d.Zt.; berieb. u. best.; Schnitt ger. wellig; Pap. tls. finger- u. schmutzfleckig verkauft

Nicht bei Goedeke. Kein Exemplar im KVK, jedoch weist Olderdißen unter 11.07 ebenfalls den hier vorliegenden 2. Teil in der LB Dresden nach. Dietrich schrieb zwei Jahre zuvor ein >Seitenstück< zu Cramers Hasper a Spada: Die Tafelrunde der Burg Döben an der Mulde; oder: die Ritter des Oster- und Pleißnerlandes. Eine Rittergeschichte aus den Zeiten Otto des Reichen. Ein Seitenstück zu ... Meißen: Goedsche 1835, 211 S. - Vgl. Goed. X, 246, 105/35


- Miller, Johann Martin: Siegwart, eine Klostergeschichte. In drei Bänden. Mit einem Kupfer (je Band). Stuttgart, Druck und Verlag von Fr. Henne 1844 (Lieblingsbibliothek aus der Zeit des Siegwart, Hasper a Spada, Rinaldo u. Sammlung der beliebtesten Räuber-, Ritter-, Geister-, Kloster-, Liebes- und anderer Romane, Sagen und Geschichten jener Periode. Für alte und junge Freunde derselben neu herausgegeben durch Otto von Friedheim. Erster bis dritter Band). 3 gest. Frontisp./ 255 /239 / 236 S. In einen neueren sandfarbenen Pappband m. Rckns. gebunden. 80.00

Es mag für die Nachhaltigkeit und exemplarische Bedeutung des Cramerschen Hasper a Spada stehen, dass noch weit im neunzehnten Jahrhundert eine gesamte (inzwischen seltene) Reihe unter Anführung dieses Titels erscheint.


Taschenbuch der saechsischen Geschichte 1792 von Carl Gottlob Cramer. Dresden und Leipzig in der Richterschen Buchhandlung. Gest. Frontisp. (Dornheim) / gest. T. (dito) / 366 S. m. 6 Kupfern (v. J.C. Dornheim)/ 5 Bl. (Inhalt sowie Vlgs.-Anz. u. >Nachricht< v. Buchhändler >D. Carl Christian Richter<). 12° Schmuckppbd. d.Zt. m. (verblaßter) Goldbordüre u. Goldschnitt.; etw. ber.; Pap. tls gebräunt; ordentliches Exemplar 240.00

Textkupfer nicht gez. (Zuweisung nach Olderdißen 57.01); Hauptinhalt: Johann Friedrichs des Großmüthigen, des letzten Churfürstens zu Sachsen, Ernestinischer Linie, Niederlage und Gefangenschaft bei Mühlberg. Dramatisirt von Carl Gottlob Cramer und Von der jetzigen Eintheilung der ChurSächsischen Lande in Creyse und Aemter. Unter diesem Titel nicht bei Köhring, Lanck./Rümann, Marwinski etc.


1793


LAFONTAINE


Rudolph von Werdenberg. Eine Rittergeschichte aus den Revolutionszeiten Helvetiens. Berlin: Voss 1793. Gest. T.-Kpfr. (Buchhorn n. Kimpfel) / T. m. gest. Vign. (Wahrheit und Freiheit haben Einen Tempel) / 1 Bl./ IV / 509 S. Schöner marm. Hldrbd. d.Zt. m. rotem Rckns. u. Rcknvergold. mit nur geringen Gebrauchsspuren; Rotschnitt 280.00

Erstausgabe dieses frühen Romans Lafontaines, bei Sangmeister (Nr.8) nur ein Ex. ohne T.-Kpfr.; während Lafontaine als Feldprediger gegen die Franzosen im Feld stand, verarbeitet er auch staatspolitische Modellvorstellungen in seinen Romanen, hier eher zu einem monarchistischen Verfassungsstaat denn zur Republik tendierend; Ludwig Ferdinand Huber schreibt zum Teilabdruck d.vorliegenden Romans im 1. Bd. der Friedenspräliminarien: „Unsere Leser werden übrigens daraus auch sehen, daß Rudolph von Werdenberg nicht mit den gewöhnlichen Rittergeschichten, die jetzt jede Messe in so großer Menge bringt, verwechselt werden muß.“ (s.u. S.190); - Kaldewey, H.&T. 3.161 (vorliegendes Exemplar ?); Böning/Siegert, Volksaufklärung, 2.2, 3805, wo Lafontaine in Anlehnung an Ausführungen der ALZ und OALZ zu obigem Werk als Volksaufklärer entdeckt wird.


- Rudolph von Werdenberg. Eine Rittergeschichte aus den Revolutionszeiten Helvetiens. Neue verbesserte Auflage. Berlin (d.i. Stuttgart: Uebel) 1801. T.m.gest.Vign./ 430 S./ 1 Bl. „Verlags-Katalog von Friedrich Uebel in Stuttgart.“ Späterer goldgepr.Lnbd.m.Rcknt.; Rckn.ausgeblichen; Pap. gebräunt - Sangmeister 65.2. Dort als Verlag „Macklot“? 140.00


- Rudolph von Werdenberg, ein romantisches Schauspiel in 4 Aufzügen nach der Geschichte gleichen Nahmens. Berlin 1796. Auszug in: Horst Kunze (Hrsg.): Gelesen und geliebt (1963, siehe unten: Sekundärliteratur), S. 243-245


- Fagment aus einem noch ungedruckten historischen Roman: Rudolph von Werdenberg, eine Rittergeschichte aus den Revolutionszeiten Helvetiens. In: Friedens-Präliminarien. Herausgegeben von dem Verfasser des heimlichen Gerichts (d.i. Ludwig Ferdinand Huber). Erster Band. Berlin: Voß 1794. 2 Bl./ 408 S., hier S. 189-201. Hldrbd. d.Zt. m. Rckns. Pap. gebr. u. anfangs m. Feuchtrand. N. u. Nrn. a. T. (durchschlagend); das a. d. T. gen. Portr. sowie Vors. fehlen; umfangreiche, etwas spätere hs. Notizen a.d. Innendeckeln – insges. ordentlich verkauft

Die ersten vier Stücke dieser wichtigen >Revolutions-Zeitschrift< in einem Band. Der Haupttitel ist hier wohl auf 1794 vordatiert: Nach Hamberger/Meusel III, 438 und Kirchner 1727 erschien die ZS erstmals 1793, was angesichts des Verweises auf den >noch ungedruckten< Roman auch plausibel scheint. Ebenfalls von Lafontaine enthalten: Briefe vom Rhein (S. 282-296; erster u. zweiter Brief, datiert „Oppenheim, im Anfange des Mai´s, 1793“). Huber habe die Briefe abgedruckt, „da sie Gegenden von Deutschland betreffen, welche in ein näheres Verhältniß mit der Französischen Revolution gekommen sind…“ (S. 282). In dem vorliegenden Band sind weitere wichtige Beiträge abgedruckt, beispielsweise die Augenzeugenberichte Briefe aus Paris von Karl Engelbert Oelsner (S. 201-214 u. 234-250) sowie erste Parisische Umrisse von Georg Forster (S. 317-365).


- Briefe vom Rhein. Vierter Brief. In: Friedens-Präliminarien (s. oben), Dritter Band. Ebd. 1794. Elftes und Zwölftes Stück (in 1). Bedruckte Obroschur. Umschlag a. d. Kap. läd. u. angerändert; unbeschn.; tls.m. Feucht-Rändern. IV S./ S.(217)-420 / 2 Bl.(Vlgs.-Anz.), hier S. 401-407 50.00

Datiert „Im August 1793“; vgl. Sangmeister 172


- (Bertrand, Gottlieb): Die Unerforschlichen. Eine Schweizergeschichte. Seitenstück zu Rudolph von Werdenberg. Teil 1 (von 2). Lüneburg: Herold 1800. (2) / 317 / (1) S. mit 1 gest. Frontispiz v. Andreas Stöttrup. Ppbd. d.Zt. m. Rckns. u. Rückenverg.; Einband m. Schabspuren, papierbed. leicht gebräunt verkauft

Erstausgabe. Geboren zu Bettmar im Braunschweigischen, war Bertrand >Privatgelehrter, Kaufmann, Schauspieler< in Braunschweig und zuletzt Uhrmacher in Osterwyk, wo er um 1811 gestorben sein soll. (Goedeke VI, 404, 5/4) „Dieser zu Wolfenbüttel lebende Romanendichter, ist zu Bettmar im Braunschweigischen gebohren. Sein Vater hieß Bertram. Unser Held hat sich aber aus Bertram in einen Bertrand umgetauft. Er ist (...) seines Zeichens nach ein Kaufmannsdiener, opfert aber, außer dem Merkur, auch Thalien; denn außer daß er sein Wesen auf einem Liebhaber-Theater treibt (...), so agierte er auch eine Zeitlang mit einer Schauspieler-Gesellschaft in Wolfenbüttel (...) – Ehedem, im Sommer 1808 war er zu Braunschweig und offerirte seine Dienste in den dortigen Anzeigen zum Unterrichtgeben im Buchhalten, Rechnen und Schreiben.“ (MGT XVII, 154f.) Sichelschmidt bezeichnet Bertrand als eine „reichlich obskure Gestalt“, von der man nur wisse, dass er 1811 als Uhrmacher gestorben sei. Er habe „keine Skrupel, sich auf der untersten Stufe der Plattheit zu bewegen“. Die Entwicklung des Räuberromans habe in den Bertrandschen Romanen „ihren Tiefstand“ erreicht. (Sichelschmidt, 99); Sangmeister 255 (dort unter >Seiten- und Gegenstücke< zu August Lafontaine, dem Verfasser des Rudolph von Werdenberg, rubriziert)


Die Tochter der Natur. Ein Familien-Gemälde in drey Aufzügen, von August Lafontaine. Görlitz (o. Vlg.) 1793. S. (85)-193. Neuerer marm. Ppbd. 65.00

Ausgebunden aus: Theatralische Sammlung, Bd. 55. Wien: Jahn 1794; Sangmeister 67. 1797 wird Lafontaine eine Audienz in Berlin bei der Königin Luise gewährt, die den Autor bewundert und auf die Frage, welche Schriften sie denn gelesen habe, antwortet: "Ich habe sie alle gelesen, u. mit dem größten Vernügen." Und auf die dramatischen Arbeiten kommend: "A, das kenne ich noch: die Tochter der Natur. Es ist ein allerliebstes Stück." (Brief Lafontaines an Böttiger vom 19. Dezember 1797, zitiert nach Sangmeister, Vergänglichkeit, S. 125)


- Dass. Von August Lafontaine. O.O. (Augsburg) u. Vlg. 1794. 126 S. In: Deutsche Schaubühne. Sechsten Jahrgangs Zwölfter Band. Nach der Ordnung 72ster Band. Augsburg (Styx) 1794. T./ 128 / 126 / 102 / 48 S. Dunkelblauer, verblasster (Rckn. stärker) Ppbd. d.Zt. m. 2 (hs. beschr.) Rcknaufkl.; Rotschnitt (blaß); ber. u. best.; Pap. tls. gebräunt u. fleckig – insgesamt ordentliches Bibliotheks-Exemplar (Bibl. Fürstenberg; nicht gest.) 80.00

Zuerst 1793 erschienen. Der Sammelband enthält weiterhin: Schink, Der verlorene Sohn (1), Stephanie d.J., Der Deserteur aus Kindesliebe (3) sowie Kotzebue, Der Mann von vierzig Jahren (4). Das bei Sangmeister 67.1 angegebene Stück Der willkommene Gast könnte hier ausgebunden sein (kleiner Randausriß an betr. Stelle).


Der Sonderling. Ein Gemählde des menschlichen Herzens. Von Miltenberg. Erster (bis) Dritter Theil (in 3 Bdn.). Hohenzollern (d.i. Wien): Wallishausser 1793-94. Gest. Frontisp. (Mansfeld n.Sambach) / 309 S.// Gest. Frontisp. (dito) / 253 S.// Gest. Frontisp. (dito) / 253 S. Dekorative zeitgenöss. Hldrbde. a. 5 Bünden m. 2 Rckns.; Wappenexlibris a. Innendeckeln (>Henricus Liber Baro de Gudenus, 1891<); Exlibr. a. Vors. (>Franz Pollack - Parnau<); Lesebändchen 400.00

Vgl. Sangmeister 66. Früher Wiener Raubdruck noch unter dem Pseudonym >Miltenberg<. Erschien zuerst 1793. "Der Held des Romans, Ludwig, wird von seinem Vater zuerst völlig nach Rousseaus "Emile" erzogen in körperlicher und geistiger Beziehung. Besonders kommt es dem Vater darauf an, ihm eine unzerstörbare Gleichgültigkeit gegen die Menschen zu übermitteln. Er soll die Narrheit der Menschen kennen lernen, um sie ertragen zu können (...) Überall zeichnet sich aber Ludwig durch Gerechtigkeitsliebe und Mitleid mit dem notleidenden Nächsten aus. Er betont, nicht nur gegen Vornehme soll man gerecht sein, sondern besonders gerade gegen Arme und Unterdrückte (...) An Sellhofs Beispiel wird gezeigt, wie der Kulturmensch meist von Leidenschaften regiert wird." (Rummelt, S. 57) War Ludwigs Phantasie "der heiligste Tempel der Unschuld", so war Sellhofs schon "frühe entweiht": "Sein Blut kochte; sein Herz schlug; seine Augen brannten; seine Hände zitterten, wenn er die reizende Marie an seine Brust gelehnt, mit seinen Armen, in der Dämmerung, allein, umschlossen hielt: ein verrätherisches Schweigen hielt seine Lippen verschlossen; seine Fantasie arbeitete allein, und an dem Verderben der Unschuld, die sich ihm ergeben hatte." (Bd. 1, S. 231) Am Ende wird - wie bei Lafontaine nicht anders zu erwarten - das "Fest der Eintracht" gefeiert.


- Der Sonderling von August Lafontaine. Erster Theil (v. 3 ?). Neue verbesserte Auflage. Halle 1799. T. m. gest. Vign. (Heideloff ?) / 268 S. Marm. Hldrbd. d.Zt. m. dezenter Rcknverg. u. hs. Rcknaufkl. (dort irrtüml. >Sonderling II<). Wen. ber. u. knittrig, ordentlich 50.00

Diese Ausgabe nicht bei Sangmeister, der unter Nr. 6.1 zwar ebenfalls eine 1799 bei Ruff in Halle erschienene >Neue verbesserte Auflage< nachweist, jedoch mit Reihentitel und abweichender Paginierung. Zur mutmaßlichen Tauglichkeit des Romans „als passagenweise autobiographisches Zeugnis jener Jahre“ (um 1775) vgl. Sangmeister, Vergänglichkeit, S. 39


- Der Sonderling. Ein Gemählde des menschlichen Herzens von August Lafontaine. Erster (bis) Dritter Theil (in 3 Bdn.) Wien und Prag: Haas 1799. Gest. Frontisp. (Stöber) / gest. T. m. Vign. (Stöber n. Kininger) / 287 S.// gest.T. m. Vign. (Weinrauch n. Kininger) / 236 S.// gest. T. m. Vign. (dito; Gesellschaft vor Kamin) / 232 S. Gesprenkelte Ppbde. d.Zt. m. goldgepr. Rckns. u. hs. Nr. a. Rckn.; Kap. wen. ber.; Ecken ger. best.; elegante Ausgabe - Sangmeister 66.1 - 220.00

- Dass. Dritter Theil (v. 3). Etwas späterer marm., goldgeprägter HLnbd.; etw. ber.; Ecken best.; m. Lesebändchen – insgesamt ordentliches Teilbändchen 45.00


- Der Sonderling. Gemälde des menschlichen Herzens. Von August Lafontaine. Erster / Zweiter Theil (in 2 von 2). Berlin (d.i. Wien: Haas) 1800. Mit 2 gest.T.m.Vignette u.gest.Frontisp.von J(anos) B(laschke). 376 (v. 378) S.// 376 S. Buntpapierbroschur d.Zt.; etw. knittrig u. fleckig; berieb.u.best.; Pap. tls. stock- u. fingerfl.; Randläsuren einz.Blätter tls.hinterlegt; S.1-2 (1 Bl.) v. Bd. 1 fehlt! 100.00

Wiener Nachdruck. Sangmeister 66.4. Paginierung v. Band 1 bei Sangmeister mit 376 S. angegeben




1794


LAFONTAINE


Klara du Plessis und Klairant. Eine Familiengeschichte Französischer Emigrirten. Von dem Verfasser des Rudolphs von Werdenberg. Berlin: Voss 1795. Gest. Frontisp. (Chodowiecki) / gest. T. m. Vign. (dito) / 2 Bl./ 620 S. Dek. Hldrbd. im Stile d.Zt. m. rotem Rckns.; Rotschnitt; Pap. stellenw. Gebräunt; S. 3 f m. kl. Eckabriß oben (ohne Textverlust); tadellos 350.00

Erste Ausgabe, die wir hier im Jahr 1794 verorten, obwohl Sangmeister (10) klarstellt: „Eine in Bibliographien und der Forschungsliteratur häufig angeführte Ausgabe von 1794 hat es nie gegeben.“ Nach Harro Zimmermann (Auswanderung ist Heimkehr. Die Emigranten der Französischen Revolution in der Erzählliteratur und Publizistik um 1800. In: Ders.: Aufklärung und Erfahrungwandel. Studien zur deutschen Literaturgeschichte des späten 18. Jahrhunderts. Göttingen 1999, S. 243-305) „steht dieses Erzählwerk genau in der Mitte zwischen einer diskursiv-politischen Zeitanalyse und der Neigung, die Emigrationsereignisse zu einem empfindsam verklärten Schicksalsgemälde zu stilisieren. Mit Lafontaines Buch, 1794 erstmals erschienen, zieht das Thema >Emigration< jedenfalls weiteste Kreise in der zeitgenössischen Öffentlichkeit.“ (S 271)


- Dass. (Nachdruck m.e. Vorwort v. H.-F. Foltin, Hildesheim u.a. 1976 / Quellen zur Triviallit.) 9 Bll. (Vorwort)/ 2 Bll./ 620 S. Gepr. Olnbd. m.Rckns u.SchU 50.00

Faksimiledruck der zweiten Auflage (zuerst 1794) „Als sein Regiment im Sommer 1792 ins Rheinland und nach Frankreich ausrückte, behielt er noch genügend Zeit für die Schriftstellerei und konnte sogar, als die Truppe Ende 1793 bei Oppenheim Quartier bezog, seine Frau nachkommen lassen, mit der er im Frühjahr 1794 viele Ausflüge und kleine Reisen im Rheingebiet unternahm, auf denen die zahlreichen Landschaftsschilderungen in Klara du Plessis basieren.“ (unpaginiertes Vorwort). Foltin diagnostiziert bei Lafontaine ganz im Sinne der Generalprognose für das deutsche Bürgertum ein Abrücken von den Idealen der Französischen Revolution im Zuge der zunehmenden Gewalt bis hin zur offenen Übernahme der Positionen der Emigranten, besonders später in Saint Julien (siehe unten).


- Klara du Plessis und Klairant. Eine Geschichte zweier Liebenden. Erster / Zweiter Theil. Neue verbesserte Auflage. Berlin (d.i. Mannheim: Löffler) 1801. 271 // 239 S m. je 1 gest. T.-Vignette (d´Argent). Zwei Holzdeckelbde. d.Zt. m. 1 Rckns. u. 1 handschriftl. Rcknaufkl.; Überzugspap. be- u. tls. abgerieben; Bd.1 leicht wellig; Schnitt ungleich; erste Texts. jew. gest. 150.00

Sangmeister 68.1 gibt noch Macklot und Uebel als wahrscheinliche Verleger an, die aber beide nicht in Mannheim ansässig sind; jedenfalls nicht aufgeführt bei Veitenheimer, Druckort Mannheim.


- August Heinrich Julius Lafontaine: Clara du Plessis und Clairant. Eine Familiengeschichte französischer Emigrierten. Hrsgg., erläutert u. mit einem Nachwort versehen v. Evi Rietzschel. Leipzig: Dieterich 1986. 285 S. m. 1 Frontisp./ 1 Bl. Geprägter Olnbd.; T. verso gest.; Bibl.-Ex. Text nach der Aufl. v. 1796; auch ungestempelte Exemplare m. SchU lieferbar (15.00) 10.00


Moralische Erzählungen von August Lafontaine. 6 Bde. Berlin, in der Vossischen Buchhandlung 1794-1802. Je 1 T.-Kpfr. u. T.-Vign.v. J(ohann) G(eorg) Penzel (Bd. 1-3) bzw. Wilhelm Jury (Bd. 4-6). Bd.1 (1794) / 386 S./ Bd.2 (1794) / 382 S./ Bd.3 (1796) / 372 S./ Bd.4 (1798) / 419 S./ Bd.5 (1800) / 445 S./ Bd.6 (1802) / 470 S./ 1 Bl. Lederbde. d.Zt. in einheitl. Ausst. m. schw. Rcknsn. u. Rcknverg., Vorderdeckel v. Bd. 2 u. Rckn. v. Bd. 3 etw. stärk. berieb.; Grünschnitt verkauft

Erste Ausgabe der ursprünglich nur vierbändig geplanten Ausgabe; die nachgeschobenen Bände 5-6 enthalten Erzählungen, die in den >Kleinen Romanen und moralischen Erzählungen< zusätzlich zu dieser Ausgabe enthalten sind. – Sangmeister 9 (dort die enthaltenen Einzeltitel); Kaldewey, H.&T 2.102: „In dieser Vollständigkeit selten.“; Lanck-O. 3, 61: „Jede Vignette ist ein Juwel. Es gibt kaum ein Blatt, das nicht seinen besonderen Reiz und seine besondere Note hat.“ – dekorative einheitl. Reihe. „In Das Nadelöhr im dritten Band der Moralischen Erzählungen (1796) verheiratet Lafontaine einen Landadeligen mit einer ehemaligen Hure – eine so unerhörte Eheschließung, daß sich Lafontaine nach massiver Kritik gezwungen sah, diesen Text in der erweiterten Neuauflage (Kleine Romane und moralische Erzählungen) nicht wieder abzudrucken. (Sangmeister, Nachwort z. Flaming, 2008, S. 657 f)


- Dass. Hellbraune Hldrbde. m. je 4 goldgepr. Rckns., dez. Rcknverg., Lederecken, div. Buntpap.-Vorsätze, Lesebändchen, Wappenaufkl. a. Vorderdeckel, gest. Exlibr. ab Bd. 3 (>Franz Graf v. Schönborn<); Rckns. l. abweichend - aus der Bibl. Schönborn-Buchheim - 480.00


- Dass. Fünfter (und) Sechster Band. Berlin: Voss 1800 (und) 1802. Gest. Frontisp. (Jury) / gest. T. m. Vign./ IV / 445 S. // Gest. Frontisp. (Jury) / gest. T. m. Vign./ 1 Bl.(Inhalt) / 470 S. Dekorative marm. Hldrbde. d.Zt. m. Rcknverg., 2 Rckns. (u.a. Zählung >5< u. >6<) u. 1 kl. Rcknaufkl. a. unt. Kap.; Lederecken, Lesebändchen etc. verkauft

Umfasst d. nachgeschobenen Bände zu der o.g. 1794-1798 in vier Bänden erschienenen Reihe, um deren Leser nicht gegenüber der verbesserten, ab 1799 (s. dort) herausgegebenen Serie in Kl-8° zu benachteiligen. Interessanter Fall von >Leserpflege< oder schlichtes Kommerzdenken? - Die Stärke d. Gewissens (Ausz. a. Bd. 6: vgl. >Anthologien<)


- Neue moralische Erzählungen von August Lafontaine. Erstes (bis) Zwölftes Bändchen (von 13 in 6). Berlin (d.i. Mannheim: Löffler) 1799-1802. T./ 140 S./ T./ 105 S./ 1 Bl. (Anz.) // T./ 126 S./ T./ 162 S.// T./ 110 S./ T./ 174 S.// T./ 126 S./ T./ 131 S.// T./ 236 S./ T./ 164 S.// T./ 103 S./ T./ 220 S. Vergold. Ldrbde. m. Rckns., Lesebändchen, Grünschnitt; Rckns. farbl. leicht abweichend; die beiden letzten Bände mit kl. Überzugsschäden u. ber.; sehr dekorative Reihe verkauft

Sangmeister 83 (abweichend: hier ab Bd. 9 Neueste moralische Erzählungen angegeben); nicht bei Veitenheimer

- Neue moralische Erzählungen von August Lafontaine. Achtes Bändchen (von 13). Berlin (d.i. Mannheim: Löffler) 1800. T./ 132 S./ 1 Bl.(>An das Publikum<: Der Herausgeber sieht sich nicht als Nachdrucker, sondern als Sammler, der „den vielfältig geäußerten Wünschen der zahlreichen Verehrer“ Rechnung trägt) Hldrbd. d.Zt., an den Kapitalen etw. porös, Pap. tls. verschmutzt, Vors. durch entfernte Aufkleber läd. 40.00

Enthält: I. Die Eroberung Pellenens S. 1-32. II. Graf Rollenhagen oder die Stärke des Vorurtheils S. 33-131. Sangmeister 83 (Nachdruck von Sangmeister 18)


- Neueste moralische Erzählungen von August Lafontaine. Zweites / Drittes Bändchen (in 1) u. Viertes / Fünftes Bändchen (in 1). Berlin (d.i. Mannheim: Löffler) 1801 / 1802. T./ 164 S./ T./ 103 S.// T./ 220 S./ T./ 68 S. (letzte Erz. >Suschen< fehlt) Marm. Ppbde. d.Zt. m. fragm. Rckns., stärker berieb. u. best., tw. stock- u. fingerfl., etw.schiefgelesen 70.00

Sangmeister 83 (Nachdruck von Sangmeister 18)


- Liebe und Dankbarkeit. Von August Lafontaine. Berlin u. Leipzig (d.i. Mannheim: Löffler) 1799. Titel m. gest. Vign./ 93 S. Angebunden: Die Tochter der Natur, eine Familienszene in drei Aufzügen von A. Lafontaine. Berlin (d.i. Stuttgart: Macklot) 1799. T. m. gest. Vign./ 120 S. Marm. Ppbd. d.Zt. m. (neuem) Rcknaufkl. 120.00

I. Sangmeister 76.1 (T.-Vign. nicht erwähnt); zweiter Separatdruck aus d. Moralischen Erzählungen. II. Sangmeister 67.3. Bei beiden Bänden in der Paginierung: A. Lafontaine sämmtliche Schriften. Dreyzehnter (und) Vierzehnter Band. Berlin 1799. An diesem Beispiel wird deutlich, daß die von Sangmeister vorgenommenen Verlagszuweisungen fraglich sind (so finden sich fast alle angeblichen Löffler-Drucke nicht bei Veitenheimer!)



CRAMER


Der braune Robert. Ein Spiegel für viele. Vom Verfasser des deutschen Alcibiades. Weißenfels u. Leipzig 1802. T. m. gest. Vign./ S. (3)-216 Späterer (?) Ppbd.; Papier tls. gebr. u. fl. verkauft

Zuerst 1794 erschienen. Wieder Cramers bevorzugtes Sujet vom makellosen Untertan eines guten Königs innerhalb einer intriganten Hofclique. Wortreich und ereignisarm quält sich der Roman dahin, lediglich am Schluß eine kurze Turbulenz in Form der Verhaftung des königlichen Jägers Robert, die sich jedoch noch innerhalb des vorliegenden Bändchens aufklärt und zum Guten wendet. Ein Stoff, der später z.B. im Jakob Luley nur gering variiert wieder aufgekocht wird. Schließlich entpuppt sich der Untertan als Fürstenkind: „In diesem Sinne wird in >Robert< und >Nandchen< auch das alte Motiv der unbekannten Herkunft gesellschaftskritisch verwendet: > ...Sie sollten Bürger seyn, um über Bürger herrschen zu lernen... <“ (Chlond, S. 196) - Olderdißen 19.06: Auch hier ist nur der erste von zwei in früheren Auflagen erschienen Teilen aufgeführt. Auf dem Titel findet sich keine Bandzählung, am Schluß jedoch „Ende des ersten Theils“.


- Der braune Robert, und das blonde Nandchen. Ein Fürstengemählde in vier Aufzügen, nach einer Geschichte gleichen Titels für die Schaubühne bearbeitet von Carl Friedrich Hensler. Wien 1796. Auf Kosten ind im Verlag bey Joh. Bapt. Wallishausser, Buchhändler. 118 S. Mit farb. Ornamentik (im Stile d. Bauernmalerei) vers. Broschur d. Zt.; kl. Randschäden; Innendeckel m. Exlibr. (Franz Pollack, Parnau) – ordentliches, dekoratives Exemplar verkauft

Goed. V, 328, 34; H. & T. 4, 217. Erste Ausgabe. Zum Verfasser vgl. oben (1792). Der außergewöhnlich gestaltete zeitgenössische Umschlag diente dem Einband dieses Kataloges zur Vorlage.


Leben und seltsamliche Abentheuer Gotthold Tamerlans. Von C. G. Cramer. Erster / Zweyter Theil. (in 1 Bd.). Offenbach 1801. Gest. Frontisp. (J. Gerstner n. L. Maillard) / T./ 174 S.// gest. Frontisp. (J. Blaschke) / T./ 192 S. Ppbd. d.Zt. m. rotem Rckns.; stärker berieb.; Überzugs-Pap. a. Rckn. def.; vord. Gel. m. Wurmschäden; unschöne Herausschnitte der Besitzvermerke a. Vors., T. u. Frontisp. (jeweils ohne Druckverluste); Rotschnitt verkauft

Olderdißen 16.02. Auf dem Titel der Erstausgabe von 1794 war Tamerlan noch als >reisender Herrenhuther< bezeichnet worden. Und in der Tat geisselt Cramer hier zum einen bestimmte Auswucherungen des Pietismus („Fast schärfer noch als die rechtgläubige Kirche und ihre eifernden Priester tadelt Cramer im >Tamerlan< das unklar schwärmende Gefühlschristentum herrenhutischer Prägung.“ / Chlond, S. 144), darüberhinaus „seien die rohen Verführungsszenen und Vergewaltigungen in >Gotthold Tamerlan< genannt, dessen faunisch ungehemmte Sinnlichkeit Cramer mit besonderer Freude darzustellen scheint.“ (Chlond, S. 122) Der Prolog (1793) ist unterzeichnet mit >Johannes Transsilvanus oder Hans Uebermwalde.<


Geniestreiche von Carl Gottlob Cramer. Erster / Zweiter Theil (in 2 Bdn.) Leipzig, bey Friedrich August Leo 1794-95. Gest. Frontisp. (Berger n. Schubert) / gest. T. m. Vign./ 12 Bl./ 285 S./ gest. Frontisp. (Krüger n. Schubert) / gest. T. m. Vign./ XI (recte XII) / 260 S. Gesprenkelte Hldrbde. d.Zt. m. 2 Rckns. Wen. ber. u. best.; Exlibr. a. Innendeckeln (>Franz Pollack Parnau<); Titel (>Coll. Gerson Wien<) sowie Frontisp. verso gest. (>J.B.<) verkauft

Erste Ausgabe ; Olderdißen 61; Vorrede unterzeichnet: „Geschrieben, zu Naumburg an der Saale, am 27.Februar, 1794.“ Widmungen: >Don Quixote< (u.) >Sancho Pansa< (Bd. 1) sowie >Dem grauen Ungeheuer< (Bd. 2).


- Dass. 12 Bll. (Widmung u. Vorrede) / 285 // XI (recte XII / Widmung u. Vorrede) / 260 S. Marm. Hldrbde. d.Zt. m. je zwei roten u. grünen Rckns.; goldgepr. Besitzverm. a. Kapitalunterkante (>A. Meusel<); Bd.2 kleine Wurmfraßstelle a. d. Deckel; Aufkl. a. Vors.(>Ex Bibliotheca C.A. Meusel.<); Rotschnitt; Grüne Lesebändchen (in Bd. 1 lose) 160.00

Erste Ausgabe. Olderdißen 61 (Separate Rubrizierung von Olderdißen unter >Sammlungen<); ohne das dort angegebene Blatt mit dem Druckvermerk (der auch in der vorherigen Nr. fehlt!) und hier nur mit den Drucktiteln.


- Geniestreiche von Carl Cottlob Cramer. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.). Leipzig (d.i. Wien, Haas?) 1802. Gest. Frontisp./ XVI / 237 S. / 1 Bl.// gest. Frontisp./ VIII / 214 S./ 1 Bl. Etw. späterer Lnbd. m. goldgepr. Rcknt.; Pap. ger. fl.; Exlibr. a. Vorsatz („Viktor Achter“) verkauft

Olderdißen 61.03; Samml. Achter 143, 5. Die Titel jeweils m. gest. Vignette: Im Anhang ihrer Dissertation zu Cramer räumt Adelheid Chlond übrigens angesichts der zeitgenössischen Welle von Magnetismus-Literatur mit der Annahme auf, die in den Geniestreichen enthaltene Erzählung Die Kraft des Magnetismus habe auf E. T. A. Hoffmanns Novelle Magnetiseur eingewirkt (Chlond, S. 277 ff).


Leben(,) Thaten und Sittensprüche des lahmen Wachtel Peters(.) Vom Verfasser des Erasmus Schleicher. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.) Wien und Prag bey Franz Haas 1796. Gest. Frontisp. (Weinrauch) / gest. T. m. Vign./ S. (III)-X / 183 S./ gest. Frontisp.(dito) / gest. T. m. Vign. (unt. Rand etw. läd.) / 2 Bl./ 176 S. Hellbrauner Hldrbd. d.Zt. m. 2 Rckns. u. reicher Rcknverg.; kleinere Überzugsdefekte u. Abrieb; Gebrauchtsspuren; Rotschnitt verkauft

Seltenerer Titel Cramers, zuerst 1794 bis 1796 bei Fleischer in Leipzig erschienen; Olderdißen 17.02; H & T 8, 178 (>Schlüpriges Erfolgsbuch<); die Vorrede, wieder „Geschrieben, zu Naumburg, an der Saale! Den 24. Jan. 1794“, schildert in launigen Worten das Auffinden des Manuskriptes „auf einem Blättchen Makulatur..., das ein Bauer, der vor mir her gieng und einen Hering speißte, mit einem sprudelnden >Pfuy Teufel!< weg warf“ ( S. VII). „Ein Vielschreiber wie Joh. Gottl. Cramer lässt naiv genug seinen Fürsten von lumpigen Wachtelfängern und reduzierten Hofnarren die heilbringende Aufklärung zu Teil werden. Aber bezeichnender Weise ist am Ende der Regent immer nur der verführte, schlecht informierte, im Grund aber herzensgute, Rat annehmende Mensch, kurz alles, was sich der Deutsche unter einem idealen Landesvater dachte.“ (F. J. Schneider: Freimaurerei, 1909, S. 13)


- Dass. Erster Theil (von 2). Wien und Prag bey Franz Haas 1796. X / 183 S. Neuer grüner Lnbd. m. hässlichen Klebespuren; Titel stärker fleckig u. geklebt; Pap. tls. gebräunt 90.00

Teilband d. ersten Nachdruck-Ausgabe; Titel gest. u. m. Vignette (Weinrauch n. Schubert), jedoch ohne d. Titelkpfr.


- Der dicke Hanns. Ein Seitenstück zum lahmen Wachtelpeter von C. G. Cramer. Wien, Hochenleitter 1801. Mit gest. Frontisp. (Blaschke). 190 S./ 1 Bl. (Anzeigen) Hldrbd. d.Zt. Einband ber. u. angestaubt. verkauft

Olderdißen A 08; Hayn/Got. I, 687 u. III, 78: “Nicht von Cramer.“ Hier ein sogenanntes >Seitenstück<, meist seltener und gesuchter als ihre berühmteren Vorbilder; Verfasser nicht ermittelbar. Macht sich laut Adickes 2504 über die Phrasen der Kantianer lustig.


- Dass. Einfacher Ppbd. d.Zt.; Titelei m. Wurmgängen am Innensteg (ohne Verluste) verkauft


1795


LAFONTAINE


Quinctius Heymeran von Flaming. Erster bis vierter Theil (in 4 Bdn.) Neue, verbesserte (= zweite) Auflage. Berlin, in der Vossischen Buchhandlung 1798. Gest. Frontisp. / T.m.gest.Vign./ 410 S.// T.m.gest.Vign./ 406 S.// T.m.gest.Vign./ 420 S.// T.m.gest.Vign./ 348 S. Neue grüne Ppbde. mit roten goldgepr.Rckns.; Titel unten rechts gestempelt (>.v. Wendt<); Lesebändchen; Rotschnitt. 300.00

Aus dem Füllhorne litterarischer Genüsse und Zeitvertreibe, welches die letzte Leipziger Buchhändlermesse so seegenreich über unsre Häupter und Lesepulte ausgeschüttet hat, fiel unter vielen andern Schönen (...) auch ein gar unterhaltendes Büchlein, genannt: Leben und Thaten des Freyherrn Quinctius Heymeran von Flaming (Berlin, Voß.1795. 2 Bände.) Die feine Mischung aus Lächerlichen und Empfindsamen, die tiefe Blicke ins menschliche Herz, die reine, ungeschminkte und doch blühende Sprache und die große Kunst mit geringem Aufwand von Kräften eine sehr anziehende und planmäßige Verwicklung hervorzubringen, deren Ende man mit immer wachsender Neugierde entgegen sieht, verrathen einen Meister in der Darstellungskunst und einen unser beliebtesten Romandichter, der auch unter dem angenommenen Namen Gustav Freier durch seine liebliche Manier leicht erkenntlich ist.“ (Carl August Böttiger, VI. Moden-Neuigkeiten. (...), in: Journal des Luxus und der Moden v. Juni 1796, S. 318-322, hier S. 318.; zitiert nach: Sangmeister, Vergänglichkeit, S.256).

Sangmeister 11.1 „Nach Auguste Duvaus Vorschlägen von Lafontaine überarbeitete und gestraffte Fassung.“ Dieses Exemplar diente als Vorlage für die von Dirk Sangmeister herausgegebene Neuausgabe in den Haidnischen Alterthümern im August 2008 (siehe unten).


- Leben und Thaten des Freyherrn Quinctius Heymeran v(on) Flaming. Von Gustav Freier (d.i. A. Lafontaine). Zweiter, Dritter u. Vierter Theil (ap.). Kreuznach: Ludwig Christian Kehr 1798-99. 520 S.// 467 S.// 404 S. Hldrbde. d.Zt. m. Rckns. u. Rcknverg.; ber.; Pap. gebräunt 120.00

Sangmeister 73. Mit dem Zusatztitel >Auerlesene Bibliothek der vorzüglichsten Schriftsteller Teutschlands<. In einer Bd.2 angebundenen Eigenanzeige listet Kehr auch noch einen nicht ermittelten Nachdruck von Lafontaines „Die Tochter der Natur“ sowie eine von ihm selbst verfasste „Vertheidigung des Büchernachdrucks“ auf.


- Quinctius Heymeran von Flaming. Von August Lafontaine. Neue verbesserte Auflage. 4 Bde. Berlin (d.i. Stuttgart: Uebel) 1801. 414 S.// 384 S.// 396 S.// 335 S. Marm. Ppbde. d.Zt. m. hs. Rcknaufkl.; kleiner ovaler Stempel (etwas verwischt) auf hinterem Innendeckel (>Gräfl. Adelmannsche Fideik. Bibliothek Hohenstadt<) Nachdruck. Sangmeister 73.3 verkauft (?)


- Quinctius Heymeran von Flaming. Von August Lafontaine. Erster bis Vierter Theil (in 3 Bdn.) Neue verbesserte Auflage. Berlin (d.i. Wien: Haas) 1800. Je ein T.-Kpfr. (v. Gerstner, Bd. 1-2 bzw. Blaschke, Bd.3-4) u. gest. T. m. Vign. 380 S.// 392 S.// 348 S.// 309 S. Etw. spätere marm. Ppbde.; grüne hs. Rcknaufkl. Gutes Exemplar d. Wiener Nachdruckes, vgl. Sangm. 73.1 verkauft (?)


- Quinctius Heymeran von Flaming. Von August Lafontaine. (Erster) / Dritter / Vierter Theil(ap.) Berlin (d.i. Wien: Haas) 1800. Gest. Frontisp. (Blaschke) 1 Bl. / 363 S.// gest. Frontisp./ gest. T. m. Vign. 366 S.// gest. Frontisp./ gest. T. m. Vign./ 304 S. Marm. Hldrbde. d.Zt. m. hs. Rckns. Bd. 1 ohne T. u. am Schluß verbunden; Bd. 3 m. späterem Pap.-Überz.; Einbd. wellig; Titelei lose u. m. Feuchtrand; Bd. 4 Deckel m. Wurmspuren – defekt u. unvollständig; Sangm. 73.2 70.00


- Dass. In vier Bdn. (2. Bd.) : Gest. Frontisp./ gest. T. m. Vign./ 352 S. (Pag. sonst wie oben). Etw. spätere marm. Ppbde. m. rotem Rckns. ; ordentliche Reihe m. kleineren Defekten verkauft (?)

Im Unterschied zu Sangmeister 73.2 hier jeweils ein gest. Frontisp. u. ein gest. T. m. Vign.

- Le Baron de Fleming, ou la Manie des Titres. Traduction libre de l´allemand, d´Auguste Lafontaine, par madame de Cerenville, Traducteur de de Walther de Montbarey (et) Fleming fils, ou la Manie des Systèmes. Traduction … par la même… (Extrait par) C. L. Sevelinges. In: Nouvelle Bibliothèque des Romans… Par une Société de Gens de Lettres. Sixième Année. Tome cinquième. Paris: Demonville et Dentu, An XII. – 1804. 201 S., S. 77-201. Lederband d.Zt. m. Rcknverg.; ber. u. fleckig, etwas bestoßen; (russischer) St. u. Nrn. a. hint. Innendeckel 80.00

Dekoratives (wenn auch gebrauchtes) zeitgenössisches Bändchen mit einer Art Zusammenfassung des >Flaming< in französischer Sprache. Aus derselben Reihe u. demselben Jahr können wir in derselben Ausstattung noch Band 13 anbieten, der zwei Erzählungen von Christian Heinrich Spieß (Charles et Caterine, Le lieutenant K...) enthält (90.00)


- Quinctius Heymeran von Flaming. Mit einem Nachwort von Dirk Sangmeister. 2 Bände. Frankfurt/Main 2008 (Haidnische Alterthümer, hrsgg. v. Hans-Michael Bock). 627 S. m. 3 Abb./ 2 Bl.// 819 S. m. 7 Abb./ 1 Bl. Rot-marmorierte OHLnbde. m. silb. Rcknprägung u. Kopfschn., Lesebändchen; in Okartonage 65.00

Soeben erschienene, auf 3300 limitierte u. in Bd. 1 numerierte (Jubiläums-) Ausgabe, von der zweiten, verbesserten Auflage, die 1798 bei Voß in Berlin erschienen ist, abgenommen und mit einem ca. 200 seitigen Anhang (Biographie, Werkgeschichte, literarhistor. Einordnung, Bibliographie etc.) versehen.


- Karl August Böttiger. Briefwechsel mit Auguste Duvau. Mit einem Anhang der Briefe Auguste Duvaus an Karl Ludwig von Knebel. Hrsgg. u. kommentiert v. Klaus Gerlach u. René Sternke. Berlin 2004 (Ausgewählte Briefwechsel aus dem Nachlaß von Karl August Böttiger). XXXV / 414 S. m. 4 Abb. Gr.-8° Geprägter Olnbd. m. Lesebändchen *49.80

Duvau ist der Mann, der auf Bitten Böttigers hin Lafontaines Flaming in die von seinem Verleger Sander gewünschte und oben von Sangmeister für seinen Neudruck favorisierte gedrängtere Form der zweiten Auflage gebracht hat (vgl. dazu etwa die hier auf S. 264 – 267 abgedruckten Briefe Duvaus an Lafontaine vom 20 August 1798 und von Lafontaine an Böttiger vom 2. August desselben Jahres, welchen letzteren – mit abweichenden Lesarten - auch Sangmeister in o.g. Nachwort auf S. 628 zitiert).


- Die Negersklaven. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Von Carl Freyherr von Reitzenstein. (O.O. u. Vlg.) 1794. 176 S. In: Deutsche Schaubühne. Sechsten Jahrgangs Erster Band. Nach der Ordnung 61ster Band. Augsburg 1794. Schlechter Hldrbd. d.Zt. m. neuem goldgeprägten Rckns. Überzug stärker ber. u. def.; Ecken (bes. vorne oben) u. Kanten stärker best. sowie weitere kleinere Schäden; T. gest. (u.a. >Leihbibliothek v. J. M. Grabmayer); Rotschnitt 90.00

Sangmeister zur Verbindung zwischen Flaming und der farbigen Iglou : „Eine Ehe zwischen einem Weißen und einer Schwarzen, das war damals... ein schlicht unvorstellbarer Vorgang. (...) Andere Schriftsteller, die sich an ein derart heikles Thema wagten, führten bei einer solchen Konstellation auf der Stelle eine alles annullierende Katastrophe herbei, wie dies Karl Freiherr von Reitzenstein in seinem kurz vor dem Flaming veröffentlichten Schauspiel Die Negersclaven (1793) tat, dessen Handlung, um sichere Distanz zu schaffen zum unerhörten Geschehen, vorsichtshalber gleich in weite Ferne verlegt wird, nämlich in eine der westindischen Kolonien Großbritanniens: Hier endet die heimlich geschlossene Ehe zwischen dem >weißen Neger< Tado und der schönen Engländerin Julie damit, dass der vor Wut rasende Vater der Braut beide Liebenden tötet – ein anderer Ausweg wäre undenkbar gewesen.“ (Sangmeister, Nachwort 2008, s.o., S. 660 f)

Weiterhin in dem Sammelband enthalten: Julchen, oder: Liebe Mädchen, spiegelt euch! Ein Original-Lustspiel in fünf Aufzügen. Von Franz Xaver Huber, Verfasser des Schlendrians. 1794 (174 S.); Marie von Montalban, oder Lanassa´s zweyter Theil. Ein Trauerspiel mit Chören in fünf Aufzügen, von J.(ohann) N(epomuk) Komareck. 1794 (86 S.; zuerst Pilsen 1792); Gideon von Tromberg. Eine Posse in drey Aufzügen nach Shakespear. Von W(ilhelm) H(einrich) Brömel. 1794 (80 S.)


- (NEUENHAGEN, Wilhelmine Henriette Dorothea): Der Graurock oder der moderne treue Eckart. Eine etwas ungewöhnliche Geschichte. Erster Theil. Eisleben: (Otto Gerhard Verdion 1801) Gest.Frontisp. (v. Thoenert; mit einem Zitat aus der Selbstmordszene: „bey Gott! lassen sie mich, oder - - “ S.150 / szenische Darst.: zwei Männer in einem Zimmer kämpfen um eine Pistole, bei der sich ein Schuss löst) 352 S. (S.255 / 256 fehlt); Zweyter Theil. Ebd. (1801). 366 S. Marm. Ppbde. d.Zt. T. zweifach u. T.-Kpfr. einfach alt gestempelt (ov. Stempel: >Hoffmann´s Buchhandlung und Leihbibliothek<), in Tl. 2 tlw. entf. u. neu überkl. (m. Aufkl. >Bodenheim´s Papierhandlung und Leihbibliothek<), in beiden Bdn. ist die Verlagsangabe mit einem dritten Aufkl. überkl. u. z.Tl. wieder entf. (>...liothek zu Allendorf.<) – Beide Bände abgegr., durchweg fingerfleckig u. tls. verschmutzt, Bd.1 schiefgelesen, S.18/19 mit Papierstreifen geklebt, letzte Lage lose; Marmorierung lädiert (Einrisse an Kapitalen) verkauft

Dieses seltene zeitgenössische Lafontaine-Rezeptionsbeispiel sei hier mit all´ seinen >Wanderungen< aufgeführt, anbieten können wir es leider nicht mehr: Aus dem reichhaltigen Katalog 46 (>Literatur aus Leihbibliotheken der Goethezeit und des ausgehenden Biedemeier<, Nr. 180) des Antiquariates Melchior wurde es noch zu DM-Zeiten von unserem Antiquariat angekauft und ist inzwischen in die Bibliothek des Protagonisten der Lafontaine-Forschung eingegangen. Da solch seltene Titel zum Leidwesen des >dokumentarisch angelegten< Antiquars heutzutage allzuschnell (und meist kommentarlos) im Orkus der Internet-Angebote verschwinden, soll das Buch hier zumindest dokumentiert werden. Erste Ausgabe. – Holzmann-Boh. II, 7919 (>Weissenfels 1802<); Gallas/Runge 138 (2.: ...Neue unveränderte Ausgabe. Leipzig: J.G. Graffe in Commission 1804). – Lt. Gallas/Runge ist der erste Band in keiner dt. Bibliothek nachgewiesen, was sich bei Nachprüfung im KVK bestätigt.

Zur Autorin: *1776 Oschersleben - 1803 Eisleben, geb. Wenzel; verh. Neuenhagen. Vater preuß. Kommissionsrat; Ehemann Kollaborator am Gymnasium in Eisleben. Gallas/Runge schreiben der Verfasserin zwei weitere Titel zu (Klaudine oder die treue Gattin. Eine wahre Geschichte. Leipzig: Weygand 1802 / Laura´s Briefwechsel mit ihren Zöglingen, als Beitrag einer anständigen Unterhaltung für gebildete Frauenzimmer. Leipzig: Schiegg 1799.)

Eingeleitet wird die „etwas ungewöhnliche Geschichte“ mit der Geburtsszene des Helden Karl Berner, der während eines tosenden Gewitters auf die Welt kommt. Karls „Wißbegierde führte ihn zuweilen in den Laden eines Antiquars, und hier wurde er mit der Romanenwelt bekannt“ (I, 45). Alle „Welt- und Menschenkenntniß“ leitet Karl aus der ihn begeisternden Lektüre ab. Zu einem „gewaltig leuchtende(n) Comet“ wurden ihm die „lafontainischen Schriften“, und „besonders gieng das Meisterstück dieses Schriftstellers, der Quinctius Heimeran von Flaming, aus einer Hand in die andere“ (I, 87). Karl entwickelt ein „Jakobinensystem“, an dem alle infrage kommenden Mädchen gemessen werden. Die erlesene Welt des Flaming verändert Karls Sicht auf die Realität und zwingt ihn in ein idealisches System, dem kein Mädchen genügen kann. Der Graurock greift als helfend-rettender Geist in der schier ausweglosen Situation ein. Am Ende sieht Karl, „daß die Sehnsucht nach Idealen eine Ausstattung des menschlichen Herzens ist, ...daß aber diese Sehnsucht und ihre Befriedigung Glieder einer Kette sind, wonach zwey Welten zusammengehalten werden. Er nahm sich fest vor, diesen Glauben seinem Herzen nie entreißen zu lassen, aber auch in dieser Welt nie wieder Ideale zu suchen.“ (II, 366) Das sentimentale Aufgehen des Helden in seinen erlesenen Romanfiguren wird somit letztlich überwunden. Näheres in Sangmeisters Studien, zuletzt 2008 (s.o.)


- Arno Schmidt: Eine Schuld wird beglichen: Quinctius Heymeran von Flaming. In: Ders.: ...denn >wallflower< heißt >Goldlack<. Drei Dialoge. Bargfeld u. Zürich 1984. 107 S./ 1 Bl., hier S. (7)-(35). 4° Bedruckte Obroschur 18.00



CRAMER


Der kluge Mann. Vom Verfaßer (Drucktitel: Verfasser) des Erasmus Schleicher. Erster (bis) Dritter Theil (in 2 Bdn.) Leipzig, bei Voß und Compagnie 1795 - 1797. Gest. Frontisp. (Kohl n. Kininger) / gest. T. m. Vign./ S. (III)-XVI / 264 S./ gest. Frontisp. (Geyser n. Schubert) / gest. T. m. Vign./ VII S./ S. (8)-240 / gest. Frontisp. (Pen(t)zel) / gest. T. m. Vign. (dito) / IX S./ S. (11)-400. Marm. Hldrbde. d.Zt. m. goldgepr. Rcknt.; etw. schiefgelesen; ber. (bes. Kap.) 350.00

Olderdißen 18.01; jedenfalls erste Ausgabe, da 18 (Ausg. v. 1794 n. Hayn/Got.) nie erschienen.


- Der kluge Mann. Vom Verfasser des Erasmus Schleicher. Erster (bis) Dritter Theil. Leipzig: (Voss u.Comp.) 1798 (3) – 1801 (1/2). XII S./ S. (13)-208 // VI S./ S. (7)-184 // VIII S./ 1 Bl./ 176 (recte 276) S. 3 T.-Vign. (v.A.L.dÁrgent?) Hldrbde.d.Zt.m. (abgerieb.) Rcknpräg.; Kanten best.- ordentliches Mischexemplar, am Beginn von Bd.2 verbunden 240.00

Völlig wirrer Roman aus dem Genua (wohl) des 17. Jhs., voller Geister-, Räuber-, Mord- und Grabesszenen; im 3. Tl. ein >Schnelldurchzug< durch nördliche Gefilde über >Schwed.-Pommern<, Belgien, Rhein etc.; Tiefpunkt des literarischen Schaffens Cramers. – Vgl. Olderdißen 18.04 u. 18.05; die dort (unter 18) aufgeführte, angeblich bereits 1794 in Naumburg erschienene Erstausgabe ist nicht nachweisbar, somit wohl zuerst zwischen 1795 und 1797 erschienen. In der unten zitierten Rezension der NADB mit Schiller, Grosse u. Spieß verglichen. „Seinen ganzen dreibändigen Roman >Der kluge Mann< hindurch lässt Cramer uns und den Helden Amaldi über die Person des geheimnisvollen Unbekannten im unklaren. Alles Forschen Amaldis, den Mann, der ihm zur Dogenwürde verholfen, zu entdecken, ist vergebens. Endlich findet ihn ein deutscher Künstler am Abhang des Libanon, einen >eisgrauen alten Mann<, der den Gipfel nicht mehr zu erklimmen vermag.“ (F. J. Schneider, Freimaurerei, 1909, S. 202)


- Der kluge Mann. Vom Verfasser des Erasmus Schleicher. Erster, Zweiter u. Dritter Theil (in 1 Bd.) Leipzig, (o.V.) 1801. T.m.gest.Vign./ XII (Widm.u.Vorrede, unterz.: „Geschr. in Naumburg a.d. Saale, den 1.Dec.1794.“)/ 208 S.// T.m.gest.Vign./ VI/ 184 S.// T.m.gest. Vign./ VIII/ 276 S. (die ersten 5 Bll. des 2.Teiles verbunden) Marm. Hldrbd. d.Zt.; Rckn.stärker berieben u. Kanten best.; Pap. gebräunt u. etw. stockfl. 220.00

Der erste Teil erfährt bei seinem Erscheinen eine fünfseitige (!) Rezension in der Neuen allgemeinen deutschen Bibliothek, die zu einer Generalabrechnung des Rezensenten gerät: "(I)ch kann nicht umhin, hier das offene Geständniß abzulegen, daß ich seinen Romanen keinen Geschmack abgewinnen, durchaus nichts Schönes und kunstmäßiges darinn finden kann; ich finde vielmehr in allen nur Beweise einer bis zum Verbrennen erhitzten Phantasie, ein salto Mortale nach dem andern, bunte, grelle Farben und Bilder, wie in einer Zauberlaterne, bis zu Charikaturen verzerrte Charaktere - Kurz, seine Menschen sind nicht Menschen unserer sublunarischen Welt, sondern Geschöpfe seiner Phantasie; man ist bey ihm und in seinen Romanen nie zu Hause, nie unter seines Gleichen; sondern immer entweder bey Schurken und Teufeln, oder bey Engeln und Tugendhelden, wie sie schwerlich die Welt aufstellen kann; der Zufall oder sonst ein Deus ex machina knüpft und löset den Knoten. Dieß ist mein Urtheil, das ich mir von allen seinen bisherigen mir bekannt gewordenen Romanen abstrahirt habe." Das zu erwartende Urteil lautet unweigerlich: "(...) denn es ist fast alles Copie von längst verbrauchten Geistergeschichten. Sein kluger Mann ist ein Geschöpf, das Schillers Geisterseher nachhinkt; aber kaum den Genius oder den Alten überall und nirgends erreicht; der viel Spielerey mit Blutstropfen, schneidenden Winden und plötzlichen Erscheinungen und Verschwinden treibt; vor dem sich der Eichen Wipfel beugen - ein inneres Beben das Thal rüttelt, und was der spielenden Hyperbeln mehr seyn mögen (...) Das Ganze ist eine mit Banditen, Erscheinungen, Geistern, wenn nicht wundervollen, doch räthselhaften Dingen reich durchflochtene, dramatisirte Geschichte im gewöhnlichen Tone Erasmus Schleichers - das heißt: in einem höchst fehlerhaften und ungrammatischen, bald hoch in den Wolken fliegenden, bald platt an der Erde hinkriechenden Style erzählt ..." (NadB, 1797, Bd. 28; 1. St., S. 122-126) Und so soll Cramer als einer "der Götzen des Publikums im Romanfache" wohl vom Sockel gestoßen werden. Trotz allem aber hält der Erfolg weiter an. Olderdißen 18.05


- Der kluge Mann. Vom Verfasser des Erasmus Schleicher. Tl. 3 (von 3). Leipzig: Voß und Comp., 1797. 400 S./ 2 Bll. (Bücherverz. d. Leihbibl. Christoph Erdmann). Ppbd. d.Zt. Einbd. stärker beschabt, Buchblock gebrochen; stellenw. stärker braun- bzw. fingerfleckig. - Einband der >Neuen Lesebibliothek bei Christoph Erdmann in Holzminden< (dort Bd. 53) 80.00

Olderdißen 18.01.; Goed. VI § 279, 10, 20; Hayn/Gotendorf 1, 693; Holzm./Boh. 3601. Das „Verzeichniß der Bücher die in der neuen Lesebibliothek bei Christoph Erdmann in Holzmünden zu haben sind“ umfasst 74 Titel in 96 Bänden. Vermutlich war dieser Bestand als >Startkapital< gedacht, da vergleichbare Leih- und Lesebibliotheken über erheblich umfangreichere Bestände verfügten.


- Die schöne Abellina oder der kluge Mann. 3 Tle. in 1 Bd. Lpz. (d.i. Wien u. Prag) 1804. 1 Bl./ 190 S./ 1 Bl./ 200 S./ 1 Bl./ 200 S. Pbd. d. Zt. mit Rverg.; tls. berieb. u. best. (= Romant. Füllhorn, 28-30). Hier ohne Reihentitel; tls. stock- u. wasserfl.; S. 147-176 mit tls. unterl. Randläsuren (kl. Textverlust). Tit. u. Vors. mit unterl. Randläsuren verkauft

Diese Ausgabe nicht bei Olderdißen; dort derselbe Titel (18.09) mit abweichender Paginierung (195/ 173/ 277 S.) Adelheid Chlond fasst das dreibändige Geschehen so zusammen: "Bei den Wirren um die Dogen- und Prokuratorenwahl in Genua, die sich über Jahre erstrecken, greift eine geheime Gesellschaft von Geweihten unter Leitung des "Alten" oder "Klugen Mannes" ein. Sie vernichtet Gibello, der den alten Dogen ermordet hat und seine Nichte Abbelina für sich gewinnen will, und fördert die Sache Amaldis, der als Abkömmling eines edlen Geschlechts von dem Geheimbund, ohne es zu wissen, zur Beherrschung seiner selbst und seiner ehrgeizigen Pläne erzogen wird, bis man ihn, der lange irrte, für reif befindet, die Dogenwürde und Abellina zu erringen. Als er auch von seinem letzten Fehler, der Neugierde, geheilt ist, wird er über die geheimnisvolle Lenkung seines Schicksals und die ihn umgebenden Wunder aufgeklärt, die nicht durch Zauberei, sondern durch Anwendung der verborgenen Kräfte der Natur - die damals viel zitierte >natürliche Magie< - und den schwärmerischen Enthusiasmus der Geweihten zustande kamen, deren Haupt, der >Kluge Mann<, sich schließlich als der totgeglaubte Oheim Abellinas entpuppt." (Chlond, S. 93) Im Titel natürlich verkaufsspekulative Anlehnung an Zschokkes Abällino (1794).


- (Heinrich August Kerndörffer): Lorenzo der kluge Mann im Walde, oder das Banditenmädchen Ein Seitenstück zu Rinaldo Rinaldini. Vierter (= letzter) Theil. Leipzig im Comtoir für Litteratur 1803. Gest. Frontisp. (spiegelverkehrt; Hüllmann n. Kerdörffer) / gest. T./ 400 S. Ppbd. d.Zt.; stärker verschmutzt u. fl.; Buchblock etw. schief; Hinterdeckel m. vertikalem Knick; Kupfer alt hinterlegt u. m. Tinte v. alter Hand beschriftet; Bindung gelockert verkauft

Wie bei Cramer lehnt sich auch im vorligenden Fall der >Kluge Mann< in kommerzieller Absicht an den typischen Räuberroman der Zeit an , hier natürlich in erster Linie an Vulpius; nicht b. Olderdißen; Hayn-Got. IV, 260


Das Turnier zu Nordhausen im Jahre 1263. Von C. G. Cramer. Leipzig (o. Vlg.) 1810. Gest. Frontisp. (Weinrauch n. Perger) / T./ 223 S. Hpgmtbd. m. goldgepr. Rckns. Innendeckel m. Bibl.-Aufkl. (>Schloßbibliothek Petronell<); Grünschnitt – gutes Exemplar verkauft

Zuerst 1795 erschienenes Theaterstück, in dem auch Hasper a Spada eine Rolle spielt; Olderdißen 20.03

Eigenhändiger Brief von Carl Gottlob Cramer an seinen Verleger, die Buchhandlung Voss et Comp. in Leipzig, verfaßt in „Naumburg, am 10. Octbr: 1795“ und unterzeichnet mit „Ihr Freund Cramer.“ Auf gebräuntem gefalteten 4°-Blatt (davon d. Hälfte einseitig beschr.) m. Faltspuren; rückseitig die Postvermerke (Abs., Postweg, Adressat) mit zwei Siegellack-Resten 450.00

Schneidet das nie endende Thema zwischen Berufsschriftsteller und Verleger an: „Vielleicht ist diese Messe viel Geld bei Ihnen ein-/ gegangen, und ich bitte Sie also nochmals sehr drin-/ gend: ist es möglich, mir die an Ostern verspro-/chenen 50 Thaler zu schicken, indem ich alleweile über / dem 2ten Theile Kluger Mann bin, und in 4 Wochen/ Ihnen so viel zu schicken können hoffe, daß Herr Haaß / anfangen kann zu drucken.“ Weitere Textstelle bei Olderdißen, S. 11; auch der Konkurrent Fleischer ist als Geldgeber Cramers erwähnt.


1796


LAFONTAINE


Aristomenes und Gorgus, oder Rache und Menschlichkeit. Von August Lafontaine. Berlin, in der Vossischen Buchhandlung 1796. (Reihentitel: Sagen aus dem Alterthume 1; m. gest. Karte v. Jäck n. Sotzmann) / Gest. Frontisp. (Pen(t)zel) / gest. T. m. Vign. (dito) / 1 Bl. (>Vorbericht<) / 466 S. Späterer dek. Hldrbd. a. 4 unechten Bünden m. Rckns.; Titelei l. braunfl. – Sangm. 12 / EA - 100.00


- Sagen aus dem Alterthume. Frankfurt und Leipzig 1798-99. 2 Bll./ 362 S.// T./ 344 S. Zwei Ppbde.d.Zt.m.Rcknt.; etw.best.u.berieb.; Rckn.m.kleineren Fehlstellen im Bezug. (= Samml. d.merkwürdigsten altdeutschen Geschichten Bd.42-43) 90.00

Zwar in Kollation, jedoch nicht im (fingierten) Verlagsort identisch m. Sangmeister 74 und 75, der auch den Reihentitel nicht aufführt. Enthält: Aristomenes u. Gorgus, oder Rache u. Menschlichkeit / Romulus.


- Sagen aus dem Alterthume. Von August Lafontaine. Erster Band. Aristomenes und Gorgus (Haupttitel:) oder Rache und Menschlichkeit. Zweiter Band. Romulus. Neue verbesserte Auflage (nur Bd. 1). Berlin: Voss 1799 (Bd.2) / 1800 (Bd.1). (Vor-) T. m. gest. Vign. (Kartenausschnitt von Jäck n. Sotzmann)/ gest. Frontisp. (Penzel 1796) / T. m. gest. Vign. (dito) / 1 Bl. (Vorbericht) / 424 S./ 1 Bl. (Nachr. f. d. Buchbinder) // (Vor-) T. m. gest. Vign. (Kartenausschnitt von Franz n. Sotzmann) / gest. Frontisp. (Jury) / T. m. gest. Vign./ 430 S. Marm. HLdrbd. d.Zt. m. 2 goldgepr. Rckns., kl. Rcknaufkl., Lederecken, Lesebändchen etc.; dek. Bände mit nur ger. Abrieben 180.00

Zweite rechtmäßige Auflage im Originalverlag; vgl. Sangmeister 12.1 u. 13.1, hier jedoch jeweils m. Abweichungen: Bei 12.1 (wie bei der ersten Ausgabe aus dem Jahre 1796) Reihentitel mit der Zählung >1<, 13.1 dagegen mit >2<!


- Aristomenes u. Gorgus von August Lafontaine. Berlin (d. i. Wien: Haas) 1802. Gest. Frontisp. (Berka n. Bergler) / T. m. gest. Vign./ 374 S. Neuer marm. Ppbd.; St.(>Bibliotheca Canoniae Neoreischenae<) u. Namensschild (>Martin Ritschel.<) a. T. - Sangmeister 74.3 65.00


- Sagen aus dem Alterthume. Von August Lafontaine. Zweiter Band. Romulus. Berlin 1799. 344 S. T. m. gest. Vign. Marm. HLdrbd. a. 3 Bünden m. (blindem) Rckns. Titelei u. erste Blätter stärker gebräunt u. m. Einrissen a. Innensteg; N.-Einträge a. Vors. u. T. (Johann Wallentin u. Gottlieb Giesse); Einbd. ber. u. Ecken best. 50.00

Sangmeister 75 (hält Macklot oder Uebel in Stuttgart für mögliche Verlage)


- (Carl Heinrich Georg Venturini): Pythagoras und seine Zeitgenossen. Ein dramatisches Gemälde der grauen Vorwelt. Erster / Zweyter Theil (in 1 Bd.) Chemnitz, bey G. F. Taschee, 1801. XVI / 510 S./ 1 Bl.// 448 S. Gesprenkelter Hldrbd. d.Zt. m. Rcknverg. u. rotem, goldgepr. Rckns.; etw. ber.; beim ersten Titel Ausschnitt (m. Verlust d. Untertitels) alt hinterlegt; Not. v. alter Hand a. Vors.; Lesebändchen; Gelbschnitt – dekoratives Exemplar verkauft

Erschien in zweiter Auflage bei gleicher (arabischer) Paginierung mit dem abweichenden Titel Reisen im Alterthume. Gegenstück zu Lafontaines Sagen aus dem Alterthume. Zweyte Ausgabe. (2 Bde., 1804); Sangmeister VII, 265 („Erste Ausgabe nicht ermittelt.“) Der Braunschweiger Theologe Venturini (1771-1849) wird von Plaul (s.u., S. 201 f) unter dem Etikett „historische Trivialliteratur universalhistorischer Richtung“ geführt.



CRAMER


Das Jäger-Mädchen von Carl Gottlob Cramer Verfasser des Erasmus Schleicher. Erster / Zweiter Theil (in 2 Bd.). Frankfurt und Leipzig (d.i. Wien?), (o.Vlg.) 1798. Gest. Frontisp. („gest. bey Koch“)/ gest. T. m. Vign. (Berka) / X (IX/X am Schluß angeb.) / 278 S.// gest. Frontisp. (Berka) / gest. T. m. Vign./ 224 S./ VI (Vorrede hinten angeb.). Ppbde. d.Zt. m. Rckns. ber. u. etw. verzogen; Innensteg v. Bd. 1 m. Wurmspuren; z.Tl. gebräunt, knittrig u. gering stockfl. 180.00

Olderdißen 21.07; Hayn-Gotendorf I, 688 kennt eine in Leipzig 1796 erschienene Ausgabe, ansonsten wird Rudolstadt 1796 für die erste Ausgabe angegeben.

Cramer hat bezeichnenderweise nicht einen Familienroman in der Art Lafontaines oder, auf dramatischem Gebiet, Ifflands oder Schroeders geschrieben.“ Am ehesten „könnte man die Erzählung >Das Jägermädchen<, das Manso in der NADB unter dem Pseudonym Hwz als „artiges Familiengemälde“ empfiehlt (Bd. 39, 1798, S. 363), diesem Genre zuzählen, wenn es auch, ähnlich wie der >Polterabend<, kein ausgesprochenes Beispiel für die Gattung ist. Menzel (Gesch. d. dt. Dichtung, Neue Ausg. 1875, Bd. 3, S. 203) sieht das >Jägermädchen< als bestes Werk Cramers an und preist den >hohen Zauber des Natürlichen, um welchen mancher viel höher gestellte Dichter den verachteten Cramer hätte beneiden dürfen<. Der Roman schildert die Schicksale eines von einem Förster aufgezogenen Findelkindes, seine Liebe zu dem als Jäger verkleideten jungen Grafen des benachbarten Schlosses, und endet mit der Hochzeit – freilich hat sich Henriette zuvor als außereheliches Kind einer Nichte der alten Gräfin mit einem armen adligen Offizier entpuppt.“ (Chlond, S. 136) Dazu werden wieder interessante Nebencharaktere präsentiert, hier etwa der angeschlagene Poet Durst, wohnhaft in einem Taubenschlag, oder sein Kollege Stoppelfeld sowie ein weiterer junger Dichterling, allesamt Protagonisten des Geniewesens.


- Christian Friederich (eig. Christian August) Peschek: Das Jägermädchen. Für Empfindsame und Spötter. Zweyte verbesserte Auflage. Wien, bey Joseph Gerold, kais. Reichs- Hofbuchdrucker und Buchhändler. 1789. 262 S./ 1 Bl. (Vlgs.-Anzeigen). Mit gest. Frontisp., gest. Titel- (Rosmaesler) sowie einer gest.Text-Vignette a. S. (5). Marm. Ppbd. d.Zt. m. (abger.) Rcknaufkl.; Titelei oben m. Innengel.-Schaden, sonst ordentlich verkauft

Ein ungelenk ohne Punkt und Komma produziertes Machwerk, gleichwohl voller sozialgeschichtlicher Details: Leipzig (besonders Gohlis) mit seinen >leichten Mädchen< (später schildert Peschek etwa auch in dem 1798 ersch. Werk Philipp Zeidelbär und Binchen Magensaft die Bordellszene in Breslau), dann Berlin und die obligatorische Kavalierstour durch Frankreich und Italien, zudem Schlittenfahrten, Entführungen, diverse Festivitäten, alles ohne merkliche Struktur sinnlos zusammengestoppelt. Auch der Rezensent der ADB rügt den >scheppernden Styl< und das >gebrochene Deutsch< und ersucht den Autor, doch bitte keine Romane mehr zu verfassen (55, 114)

An Cramers gleichnamiges späteres Werk erinnert allenfalls das hier ebenfalls von einem Förster aufgezogene Findelkind und die wundersame Familienzusammenführung am Schluß. Olderdißen (A 21) vermerkt, daß aufgrund des vorligenden Werkes Peschek auch Cramers Harfen-Mädchen von 1799 zugeschrieben wird.

Das Werk erschien zuerst 1782 (auch auf Microfiche), lässt sich aber in der hier vorliegenden Auflage - soweit ich sehe - in keiner deutschen Bibliothek nachweisen. Pesche(c)k stammt aus einer Zittauer Gelehrtenfamilie und war „Dokt. der Med. und ausübender Arzt, auch (1802) Stadtphysikus in Zittau ... , geb. zu Eybau 1760 am 29. Dez., studirte in seiner Vaterstadt und dann in Leipzig und in Berlin bis 1784, da er promovirte. Er lebte darauf als praktischer Arzt bis zum Ausgange des Jahres 1794, wo er den ungesuchten Ruf zum Feldmedikus des Kurf. Reichskontigents annahm und in dieser Qualität zweyer Feldzügen am Rhein beywohnte.“ (Otto, Oberlausitz. Schriftst., Bd. 2, S. 777, hier >Pescheck<). Peschek starb 1833. Goed. IV/1, 608; Holzm.-Boh. VII, 5038; Hayn-Got. III, 374 (m. Verweis auf Behrisch, Wiener Autoren, 1784); Hadley 94.


- Das Jägermädchen. Gemälde aus der wirklichen Welt, in fünf Akten von C(arl) M(artin) Plümicke (Nach C. G. Cramer.) Augsburg 1804. Bey Christoph Friedrich Bürglen, Buch- und Kunsthändler. 191 S. In: Neueste deutsche Schaubühne. Sechster Band. (hier durchgestrichen / a. zweitem Titel: Zweiter Jahrgang. Zweiter Band) Augsburg: Bürglen 1804. Violetter Ppbd. d.Zt. m. 2 Rcknaufkl. Rckn. verblasst; Ziffer a. T. – gutes Exemplar 80.00

Olderdißen 21.13; danach zuerst 1803 erschienen; die hier vorliegende Fassung bei Oderdißen nach Goed. u. BLC aufgenommen, wonach es zwei Druckvarianten geben müsste. Weiterhin hier enthalten: August Wilhelm Schlegel: Jon. Ein Schauspiel. (T./ 109 S.) und August von Kotzebue: Der Vater von ungefähr. Ein Lustspiel in einem Akt. Nach dem Französischen der Herren Pain und Viellard. (40 S.)


Leiden und Freuden des ehrlichen Jacob Luley, eines Märtyrers der Wahrheit. Vom Verfasser des Erasmus Schleicher. Erster / Zweyter Band (in 2). Leipzig, bey Fleischer 1796-97. Gest.Frontisp./ T. m. gest. Vign./ XII / 308 S.// Gest. Frontisp./ T. m. gest. Vign./ XII / 372 S. Schlichte Ppbde. d.Zt.; stärker ber. u. best.; Ecken u. Gel. etw. läd.; gebräunt, tls. stockfl.; N. a. Innend. 250.00

Goed. V, 510, 10/22; Hayn-Got. I, 692; Olderdißen 22.01. – Kupfer von C. Schule nach J. D. Schubert. Wohl erste Ausgabe, obwohl Hayn eine Meininger Ausgabe v. 1796 kennen will. Olderdißen schließt deren Existenz aus.


- Dass. Erster Theil (v. 2). Leipzig: Fleischer 1796 // (Bd. 2 unter dem Titel): Jakob Luleys Wanderungen durch´s menschliche Leben. Vom Verf. des Eras. (so!) Schleicher. Zweiter Theil. Wien u. Prag: Haas 1798. Gest. Frontisp. (Schule n. Schubert) / T. m. gest. Vign. (dito) / XII S./ 308 S. // Gest. Frontisp. (Maillard n. Schubert) / gest. T. m. Vign./ VIII / 238 S. Bd. 1: Ldrbd. d.Zt. m. (tls. abgeriebener) Rcknverg.; Rotschnitt, Buntpapiervors. Wurm- u. Klebespuren am Innensteg d.Titels; Pap.fingerfl. Bd. 2: Einf. Broschur d.Zt. m. Bibl.aufkl.a. Vorderdeckel; T. oval gestempelt („Biblioteka Zagrebu Kraej. Sveucilistna“); Einband beschm., wasserfl., Rckn. ausgebessert u. am ob. Kap. läd. Pap. gering stock-u. fingerfl., Titelei m. Feucht-Rand 160.00

Mischauflage; Bd. 1: Olderdißen 22.01; noch recht ordentl. Ex.des ersten Bandes der EA, da Nr. 22 wohl nicht erschienen ist; Bd. 2: Olderdißen 22.06 (falsche Pag., vgl. nächste Aufnahme)

Die Figur des ehrlichen, naiv-idealistischen - oder eher einfältigen? – „jungen Mannes“ (ab S. 43: „Mein Name, unter welchem ich mich durch die Welt hinschleppe, ist Jakob Luley“; ab Bd. 2, S. 141 ein „neuer Freiherr von Sturm – ehemals Luley genannt“) dient Cramer dazu, seine von jeher starken Vorbehalte gegen die Hof-Kamarilla zu veranschaulichen. Hinter dem Rücken des guten Königs – ebenfalls eine gewohnte Typisierung des (zumindest nach 1789) monarchistisch orientierten Cramer – wird Luley, ein >Neffe des Ysop< und des >reisenden Mechanikus<, ohne nachvollziehbaren Anlaß von Höflingen der Reiche >Melanien<, >Saffran< und >Amarintha< verfolgt, der Zugehörigkeit zu einem >Club< (S. 75) oder >großen Verbindung< (S. 130) bezichtigt und zeitweise gar festgesetzt. Stets aber siegt hier – anders als bei den rabenschwarzen Schicksalen im Gefolge des >Candide< - das Gute: Entweder man zieht sich erfolgreich in die private Idylle zurück, oder man triumphiert bei Hofe über die Intriganten.


- Jacob Luleys Wanderungen (wie oben) Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.). Wien und Prag bey Franz Haas 1798. Gest. Frontisp.(Maillard n. Schubert)/ Gest. T. m.Vign./ VIII (Vorrede, unterz.: „Meiningen, den 3.Jan.1796. Carl Gottlob Cramer, Herzogl.Forstrath.“) / 189 S.// Gest. Frontisp. (dito) / gest.T.m.Vign./ VIII / 238 S. Ppbd. d.Zt. m. rotem Rckns.; ber. u. best.; Rckn. tls. läd. u. m. Klebespuren; innen kaum fl. - Mit fehlerhafter Paginierung, vgl. Olderdißen 22.06 150.00



1797


LAFONTAINE


Die Familie von Halden. Von August Lafontaine. Erster / Zweiter Band (in 2). Berlin: Voß 1797 (Familiengeschichten 1-2) Gest. Frontisp.(Jury) / Gest. T. m. Vign. (dito) / 509 S.// gest. Frontisp. (dito)/ gest. T. m. Vign. (dito) / 495 S. Hldrbde. d.Zt.; Rckn. m. stärkeren Einrissen u. Fehlstellen; ber. u. best.; Pap. tls. fingerfl., gebräunt u. stockfl.; Besitzeintr. a. Vors.; Reihent. fehlt verkauft

Sangmeister 14. Erste Ausgabe. Franz Rummelt: "Man könnte diesen Roman ein scharfes Gericht über die schlimmen Charaktereigenschaften der Habsucht, des Neides und des Ehrgeizes nennen, wenn man die Grundstimmung der einen handelnden Partei ins Auge fasst." (S. 105) Rummelt sieht "in der geradezu erdrückenden Menge von Verführungsversuchen des Präsidenten Seelenberg, den Lafontaine nicht düster und wollüstig genug malen kann", Defizite in "rein technischer Beziehung". (Rummelt, S. 107) Verschleppungen, Entführungen und Intriguen sollen die Liebe zwischen Seibold und Emilie verhindern, doch der Hafen des stillen Glückes wird auch hier von Lafontaine zielsicher angesteuert. Zu den kompositorischen Merkwürdigkeiten zählt die anfangs eingeführte Tochter Hannchen des Majors von Halden, die wohl irgendwie vergessen wurde.


- Dass. Zweiter Band (von 2) Berlin: Voß 1797. Reihentitel / gest. Frontisp. (Jury) / gest. T. m. Vign. (dito) / 495 S. (Familiengeschichten 2) Marm. Ppbd. d.Zt. m. hs. Aufkl. a. Rckn., leicht schiefgelesen, best. u. Kapitale einger., Titel etw. verschmutzt (Besitzersign. durchgestr.) u. fingerfl.; 8-zeilige Notiz v. alter Hand (J.G. Perge) a. Schmutztitel 35.00

Einzelband aus der ersten Ausgabe – Sangmeister 14; Goed. V, 497, 7; zur Reihe vgl. unter 1799


- Dass. Zweiter Band. Berlin (d.i. Wien: Haas) 1800. Gest. Frontisp./ gest. T. m. Vign./ 388 S. Marm. Hldrbd. d.Zt. m. (angeränd.) hs. Rcknaufkl.; Titelei m. kl. Feuchtrand – Sangm. 69.2 35.00


- Dass. Erster / Zweiter Theil. Neue verbesserte Auflage (Nachdruckausgabe). Berlin (d.i. Stuttgart: vermutl. Macklot od. Uebel) 1801. Je 1 T. m. gest. Vign./ 423 / 392 S. Gut erhaltene braune Ppbde d.Zt. m. goldgepr. Rckns. Fein gearb. Titelvignetten (Hering?) - Sangmeister 69.4 120.00



CRAMER


Schattenspiele. No. III. IV. V. Berlin: Maurer 1798. Gest. Frontisp. (Bolt; drastische Szene mit Sultan, >Sultaninnen<, Wirt und Herzog) / gest. T. (dito; galante Strumpfband-Szene am Kamin hinter halb geöffnetem Vorhang) / 323 S./ 5 Bl. (Vlgs.-Anz.) Hldrbd. d. Zt. A. fünf Bünden m. Rckns.; ob Kap. abgegriffen; beschabt; Deckel fl. u. m. Knickspuren; Pap. tls. braunfl. 220.00

Der zweite Teil der ersten Ausgabe, die ab 1797 erschien. Drei Beiträge (einer davon als Fortsetzung), am Schluß im Paris der Revolution spielend; Olderd. 64


- Schattenspiele. Von Carl Gottlob Cramer, Verfasser des Erasmus Schleicher, und andern. Leipzig 1801. Gest. Frontisp. (Blaschke n. >Juri< !) / T./ 157 S. Schmuckppbd. d.Zt. m. 2 Rckns. (eines mit >1<); Ecken, Kanten u. Kap. abgestoßen; Bes.-Aufkl. a. Vors. (>Joh. v. Dierzer<); Monogramm-St. a. T. (>F I Z<); Pap. tls etw. gebräunt u. wen. fleckig – ordentliches Ex. 140.00

Als solcher nicht ausgewiesener erster Band (von 2) dieses Nachdruckes mit drei Beiträgen (davon einer unabgeschlossen); Olderdißen 64.01 – mit der vorgenannten Nr. Fragmente aus den beiden einzigen Ausgaben



1798


LAFONTAINE


Saint Julien. Von August Lafontaine. Berlin (d.i. Wien: Haas) 1800. Gest. Frontisp./ gest. T m. Vign./ 384 S. Mod. marm. Ppbd. m. rotem Ld.-Rckns. Titelei unten unbeschnitten; Pap. tls. fleckig; neueres Exlibris a. Innendeckel (>Manuel Frey<) – gutes Exemplar 150.00

Sangmeister 72.3; zuerst 1798 erschienen; „Wiederum ist es ein kultivierter Standesherr, der in einer Art Tagebuch auf Leben und Leiden seiner Familie zurückblickt, den erbarmungswürdigen Weg ausmißt von der Zerstörung seines Familienglücks bis zum endlichen Wiedergewinn stoischer Seelenruhe.“ ( Harro Zimmermann, a.a.O., S. 287)


- Dass. Neue verbesserte Auflage. Berlin (d.i. Stuttgart): o.V., 1801. T. m. gest. Vign./ 408 S. (Verlag vermutl. Macklot oder Uebel). Marmorierter Ppbd. m. hs. grünem Rcknaufkl.; etw. ber. u. best.; Pap. gering gebräunt u. wen. stockfl.; kleiner ovaler St. (etw. verwischt) auf hint. Innendeckel (>Gräfl. Adelmannsche Fideik. Bibliothek Hohenstadt<) 150.00

Nachdruck. Sangmeister 72.4. Die Grenzen aufklärerischen Wirkens sieht Lafontaine / Saint Julien: "Ich habe schon oft die Bemerkung gemacht, daß Menschen Handlungen, die sie lesen, mit vollem Herzen bewundern können, und sie doch, wenn sie selbst einmal ähnlich thun sollten, gerade hin für Narrheit, für Raserei erklären würden; daß sie einen Menschen in einem Buche mit Abscheu anbliken, und ihn doch im Leben ohne Bedenken zu ihrem Freunde machen könnten. Ach, wäre die Tugend im Leben so liebenswerth, so reizend, wie in einem Romane, es würde kein Mensch lasterhaft sein." (S. 134) Gustav Parthey schreibt in seinen "Jugenderinnerungen" über die Mitleid erregende Lektüre
der von dem Blutgerüst verfolgten Familie: "Diese erfundene tragische Geschichte wurde von vielen Lesern für wahr gehalten, und Lafontaine als Herausgeber erhielt von mehreren Seiten, von ungenannten und genannten Personen nicht unbeträchtliche Geldsendungen zur Unterstützung der armen Familie St. Julien." (zitiert nach Dirk Sangmeister, Vergänglichkeit, S. 120)


(August Wilhelm Schlegel): Beyträge zur Kritik der neuesten Litteratur. In: Athenaeum. Eine Zeitschrift von August Wilhelm Schlegel und Friedrich Schlegel. Erster (bis) Dritter Band. Berlin: Friedrich Vieweg (später: Frölich) 1798-1800 (Nachdruck, hrsgg. v. Bernhard Sorg, 2 Bde., Dortmund 1989). 3 Bl./ T./ 4 S./ 1 Bl.(Druckfehler) / 177 S. (hier, 1. Bd./ 1. St., S. 141-177, o.g. Beitrag, davon bis S. 167 zu Lafontaine) / 178 S./ T./ 2 Bl./ 180 S./ 2 Bl./ S. (181)-340 / T./ 2 Bl./ 164 S./ 2 Bl./ S. (165)-352 / S. (1089)-(1132) – (Nachwort) / 1 gef. Bl. (Inhalt). 2 Bände in Originalbroschur im Schuber (gering fleckig, sonst tadelloses Faksimile) 48.00

Bereits 1798 wurde Lafontaines Erfolg für die sich formierende Romantik unerträglich und A. W. Schlegel liefert hier schon einmal eine Art Generalabrechnung mit dem beliebten Autor. Dabei kommen solch weit hergeholte Vorwürfe wie unzulässige Sinnlichkeit im unschuldigen Kindesalter (S. 156 ff) oder die Plagiierung von Zeitgenossen zur Sprache: „St. Julien gründet sich auf den Landpriester von Wakefield, im Flaming ist etwas von Siegfried von Lindenberg, zu Anfang von Natur und Buhlerey schimmert viel guter Wille den Werther zu machen hindurch, und / was das pikanteste ist: er Jean = Paul = Richterisirt seit kurzem mit dem besten Anstande.“ S. 159 f). All dies stellt Schlegel nicht unbedingt das Zeugnis tieferer Kenntnis zeitgenössischer Unterhaltungsliteratur oder zureichender Lektürekompetenz aus, offenkundig berücksichtigt er nur Spitzen, nicht aber das Unterholz.

Die kommentierte DDR-Athenäum-Auswahl (etwa 2. Aufl., Leipzig 1983, 539 S., 10.00) ist ebenfalls vorrätig.



CRAMER


Die Familie Klingsporn. Ein Gemälde des Jahrhunderts. Vom Verfasser des Erasmus Schleichers. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.). Riga (Wilhelm Christian Müller) 1799. Gest. Frontisp. (Berka) / T. m. gest. Vign. (dito) / VIII (>Vorrede<) / 219 S.// gest. Frontisp. (dito) /T. m. gest. Vign. (dito) / 211 S. Marm. Ppbd. d. Zt. m. Rckns.; Gelenke zw. Frontisp. u. T. gelockert; Pap. gebräunt, etw. fingerfl.; Vors. rot gestempelt (>Emil Brunner... Buchhandlung u. Antiquariat Wien 1, Schülerstr. 1<); verbl. Rotschnitt 150.00

Olderdißen 23.01. Zweite Ausgabe. "Die Familie Klingsporn hat ohnstreitig schöne Stellen. Rec. rechnet dahin die Schilderung der sämmtlichen Personalen der Familie gleich am Anfange des ersten Theils, und jene herzlichen Scenen gegen das Ende des zweyten Theils; aber allenthalben blickt die Eigenheit des Verf.durch, den Figuren seines Gemäldes etwas Kolossalisches zu geben, seine Karaktere fallen fast alle ins Groteske. Auch hier ist wieder die Hofwelt der Schauplatz, und die Scene liegt in den höhern Ständen; nur hier und da läßt er einzelne Gruppen aus den niedern Klassen damit contrastiren; aber man kann billig zweifeln, daß es solche Müller im Heiligen römischen Reiche irgendwo gebe, als sein Hans Horeb ist. Das Ganze enthält die Schilderung eines Feldmarschalls Klingsporn, der sich und seine Familie bis auf einen Sohn und eine Tochter durch allerlei Despotenkniffe und Pfiffe zum größten Nachtheil des Landes, das ihn ernährte, in alle Stellen eindrängt und seinen Nepotismus aufs äußerste treibt, bis endlich der zu scharf gespannte Bogen reißt, und die Familie bis auf jenen zurückgesetzten Sohn und jene verstoßne Tochter gestürzt, und an den Bettelstab gebracht wird, wo sie denn gerade bey diesen beyden Trost und Unterhalt im Unglück findet. An mehreren psychologischen unnatürlichen Sprüngen fehlt es im Laufe dieser Familiengeschichte nicht; an dergleichen sind aber die Leser von des Verf. Schriften längst gewöhnt." (NADB, 1800, Bd. 50, S. 374 f)


- Dass. (ohne Zusatz: Ein Gemälde...) Riga (d.i. Wien), (o.Vlg./ Haas?) 1799. Erster / Zweyter Theil (in 1 Bd.). Gest. Frontisp. (Stöber) / T. m. gest. Vign.(dito) / XII (unterz.: „Geschrieben, zu Meiningen, den 30.Septembr. 1797.“)/ 252 S.// gest. Frontisp. (Blaschke) / T. m. gest. Vign./ 236 S. Neuerer Ppbd. m. hs. Rcknaufkl.; Titelkupfer u. Titel gebräunt u. etw. wasserfl.; Pap. l. gebräunt; marm. Schnitt - Olderdißen 23.02 140.00


- Die Familie Klingsporn. Ein Gemälde des Jahrhunderts. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.). Vom Verfasser des Erasmus Schleicher. Riga (d.i. Wien: o.Vlg.) 1799. T. m. gest. Vign./ XII S./ (13)-230 S.// T. m. gest. Vign./ 216 S. Hldrbd. d.Zt. m. Rckns.; ber. u. best., Buchblock etw. schief gel.; ob. Kap. def.; Vorderdeckel gelockert; Rotschnitt; Pap.durchgehend gebräunt u. tls. fleckig; hs. Namenszug (alt) auf zweitem Titel 140.00

Goedeke V, 510, 10/24 (dort anders pag. Ausgabe >Riga 1798<); Olderdißen 23.03


Peter Schmoll und seine Nachbarn. Vom Verfasser des Erasmus Schleicher. Erster / Zweyter Theil (in 1 Bd.). Rudolstadt (o. Vlg.) 1800. T./ 187 S.// 183 S. Ppbd. d.Zt. m. rotem hs. Rckns.; etw. ber.; kl. Loch i. Vors.; innen frisch; leicht schiefgel.; Rotschnitt 180.00

Olderdißen 24.06 (hier Variante ohne T.-Vignetten); zuerst 1798 ebenfalls in Rudolstadt (wie fast alle Ausgaben – auch ohne Impressum wohl meist oder gänzlich bei Langbein und Klüger) erschienen; Kaldewey, H. & T. 7, 2, wagt eine Inhaltsangabe: “Vielfach sozialkritischer Roman. Geistreiche u. spöttelnde Geschichte eines vermögenden, doch weltfremden Kaufmanns aus Amsterdam. Seine Erlebnisse auf der Flucht vor der Revolution lassen vielfach an Don Quichote denken. Einige lockere Scenen (!) durch die Tochter, die ihre Unschuld verliert. Vorlage zu Webers Oper >Peter Schmoll<.“


- Peter Schmoll und seine Nachbarn. Von Carl Gottlob Cramer. Erster / Zweyter Theil (in 1 Bd.). Rudolstadt, (o. Vlg.) 1803. Gest. Frontisp. (v. Weinrauch) / T./ 174 S.// gest. Frontisp. (dito) / T./ 173 (recte 175) S. Marm. Hpgmtbd. m. goldgepr. Rckns.; etw. berieben; Aufkl. a. Vorsatz (>Schloßbibl. Petronell<); Pap.etw.gebräunt; gutes Exemplar - Olderdißen 24.07 200.00


- Carl Maria von Weber: Peter Schmoll. Komische Oper in zwei Akten nach einer Idee von Rolf Lauckner von Willy Werner Göttig. Musikalische Einr. n. d. Urtext v. Meinhard v. Zallinger. Textbuch. Frankf. u.a. o.J. (1963). 2 Bl./ 49 S. 4° Bedr. Obroschur verkauft

Hans Stürzebecher und sein Sohn. Ein Beitrag zur Geschichte meiner Zeit. Von Carl Gottlob Cramer. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.). Leipzig (o.Vlg.) 1799. 1 Bl. (Reihentitel: C.G.Cramers sämtliche Schriften. Fünfzehenter/ Sechzehenter Band. 1799-1800)/ VIII(9-)232 S./ T. m. gest. Vign./ 1 Bl./ 192 S. Marm. Ppbd. d.Zt. m. hs. Rcknaufkl.; berieb. u. Kanten tls. def.; hs. Besitzeintr. m. Tinte v. alter Hand a. Innendeckel; Pap. tls. fingerfl. u. gebräunt verkauft

Zuerst 1798 erschienen. Bd. 1 hier nur mit Reihentitel. Revolutionsparabel u. frühe Form des politisch-konservativen Tendenzromans. „Mit Hilfe eines vermeintlichen Emissärs der Französischen Revolution ahmt die Bauernrevolution in dem sich für unabhängig erklärenden Dorf Heidenau ihr großes Vorbild im Verlauf wie in den politischen Organisationsformen nach, bis hin zur Gefangensetzung der örtlichen Standesherrin, zur poltischen Emigration (die als „Emigrantenmacherey“ der Selbstbereicherung des revoltutionären Dorfschulzen dient) und zur Parteienbildung – in >Aristokraten< (der Schulze Stürzebecher und sein Sohn als >General< der dörflichen Nationalgarde), jakobinische >Demokraten< und >Monarchisten< (die darauf warten, bei der erwarteten Restauration die Ämter ihrer revolutionären Vorgänger zu übernehmen)." (Göttsche: Zeit im Roman, S.213-214) Die Niederschlagung der Revolution durch den Ritter Haueisen verschränkt in der Wiederherstellung der feudalen Ordnung konservative Zeitkritik mit antirevolutionären Motiven in zum Teil satirischer Überhöhung. Olderdißen 25.02


- Dass. Erster / Zweiter Theil. Mit 2 gest. Titelvignetten. Bd. 1: Pp. d.Zt. m. marm. Überzugspap./ Bd. 2: Einf. Ppbd. d. Zt. m. Rcknaufkl.; etw. schiefgel. u. m. Gebrauchsspuren; Pap. gebr. verkauft

Paginierung wie oben, jedoch ohne die Reihentitel; abweichende Bindung, Format identisch; Olderdißen 25.02


- Dass. Erster Theil (von 2). Ebd. 1799. T. m. gest. Vign./ VIII/ (9)-232 S. Marm. Ppbd. d.Zt. m. rotem Rckns.; ber. u. best.; Pap.durchgehend gebräunt - Ohne Reihentitel 70.00



1799


LAFONTAINE


Kleine Romane und moralische Erzählungen. Von August Lafontaine. Erster (bis) Neunter Theil. Verbesserte und vermehrte Ausgabe. Berlin: Sander 1799 (bis) 1801. Gest.Frontisp.(Jury)/ T. m. gest.Vign./ 1 Bl./ II / 290 S./ 1 Bl. (gedr. b. August Wilhelm Petsch) // Gest.Frontisp.(dito) / T. m. gest.Vign./ 2 Bl./ 281 S./ 1 Bl.// Gest.Frontisp.(dito) / T. m. gest.Vign./ 2 Bl./ 284 S.// Gest.Frontisp.(dito) / T. m. gest.Vign./ 2 Bl./ 279 S.// Gest.Frontisp.(dito) / T. m. gest. Vign./ 2 Bl./ 266 S./ 1 Bl.// Gest.Frontisp.(dito) / T. m. gest. Vign./ 1 Bl./ 274 S.// Gest.Frontisp.(dito) / T. m. gest. Vign.(1801) / 2 Bl./ 278 (recte 276) S.// Gest.Frontisp.(dito) / T. m. gest. Vign./ IV / 299 S.// T./ VI / 233 (recte 277) S./ 1 Bl.(>Inhalt der ganzen Sammlung). Kl.-8° Marm. Hldrbde. d.Zt. m.Rcknverg., 2 Rckns. u. 1 kl. Rcknaufkl. a. unt. Kap.; Lederecken, Lesebändchen etc.; Ex. auf besserem, tls. bläulichen Papier; ausgesprochen dekorative Reihe verkauft

Vgl. Sangmeister 18, wo die Titel der einzelnen Erzählungen aufgeführt sind; die Reihe ist entgegen dem Auflagenvermerk im Grunde eine Erstausgabe und in diesen neun Bändchen mit 23 Beiträgen vollständig (wie das Gesamtverzeichnis am Ende v. Bd. 9 nachweist), auch wenn ab 1810 noch 3 Nachtragsbände mit neuer Zählung der Beiträge erscheinen (zur komplitzierten Editionsgeschichte vgl. Sangmeister a.a.O.); daß der sonst zuverlässige Sangmeister für den letzten Bd. 1802 als Erscheinungsjahr angibt, mag mit Jurys ausstehenden Kupfern des neunten Bandes zusammenhängen, die hier 1801 noch fehlen und in unserem Exemplar auf dem (Interims-) Titel als Nachlieferung in Aussicht gestellt werden. Zur vier- bzw. sechsbändigen Vorläuferausgabe vgl. oben 1794


- Dass. Bd. 1 – 6 (in 3 Bdn.) Berlin: Sander 1799. 6 gest. Frontisp. u. Titel m. 6 gest. Vignetten/ 290 S./ 281 S.// 284 S./ 279 S.// 266 S./ 274 S. Marm. Hldrbde. d.Zt. m. goldgepr. Rckns. u. Bd. -Zählung; ger. ber. u. best. – Titelkupfer u. Vignetten von Jury 220.00

Enthält: Bd. 1: I. Liebe und Tugend. II. Das Räthselspiel. Bd. 2: III: Die Harfenistin, oder die Liebe auf dem Riesengebirge. Bd. 3: IV: Idda von Tokenburg, oder die Stärke der Eifersucht. V. Der edelste Mann. VI. Die Entdeckung der Insel Madera. VII. Verbrechen aus Leichtsinn. Bd. 4: VIII. Die gefährliche Probe. IX. Liebe und Dankbarkeit. X. Die Stärke des Vorurtheils. Bd. 5: XI. Die Strafe im Alter, oder die Folgen des Leichtsinns. XII. Die Versöhnung. Eine wahre Familienscene. Bd. 6: XIII. Die väterliche Gewalt. XIV. Die Rache.

Sangmeister 18. Demnach erschienen Bd. 7-8: 1801, Bd. 9: 1802, Bd. 10-12: 1810


- Dass. Zweiter Theil (von 8). Neueste vermehrte Ausgabe. Berlin (d.i. Wien: Haas) 1801. Gest. Frontisp./ gest. T. m. Vign./ 292 S. Marm. Hldrbd. d.Zt. m. Rcknaufkl. Gel. u. Kap. tls. läd. (jedoch fest); etw. gebräunt 35.00

Sangmeister 100.1; Teil eines auf 8 Bände angelegten Wiener Nachdruckes; enthält Die Harfenistin, oder die Liebe auf dem Riesengebirge


- Kleine Erzählungen und Geschichten. Von August Lafontaine. Erstes Bändchen (bis) Sechster Theil (in 3 Bdn.) (Ab Tl. 2): Neue verbessert(e) und vermehrte Auflage. Göttingen (Tl. 1) und Berlin (d.i. Stuttgart: Uebel) 1799-1802. 192 S. // T./ 221 S./ 1 Bl. (Vlgs.-Anz.) // T./ 237 S./ 1 Bl. (dito) // T./ 190 S./ 1 Bl. (dito) // T./ 192 S.// T./ 152 S. Ppbde. d.Zt. m. grünem goldgepr. Rckns. Ecken u. Kap. etw. bestoßen; alle T. m. gest. Vign. (Hering) - tadelloses Ex. verkauft

Sangmeister 82 (kennt nur 5 Teile; ohne Stecherangabe); Auswahl aus Kleine Romane und moralische Erzählungen; in dieser Vollständigkeit jedenfalls äußerst selten

Familiengeschichten. Von August Lafontaine. Berlin, in der Vossischen Buchhandlung/ bei Johann Daniel Sander 1799-1803. 6 (von 12) Bdn. Marm. braune Hldrbde. d.Zt. m. Rckns. u. dezenter Rückenvergoldung; Vorderdeckel v. Bd. 2 u. 4 m. Papierabrieben; Ecken bestoßen; sonst ordentliches, dekoratives Exemplar. 280.00

Bd.1/2 enth.: Die Familie von Halden. Dritte verbesserte Auflage. Berlin: Voss 1803. Je 1 Reihentitel / gest. Frontisp./ T. m. gest. Vign. (Jury) / 494 S./ 482 S. – Sangmeister 14.2

Bd.3 enth.: Saint Julien. Neue, verbesserte Auflage. (2. rechtmäßige Ausg.) Ebd. 1799. Reihent./ gest. Frontisp./ T. m. gest. Vign.(Jury) / 478 S. – Sangmeister 16.1

Bd.4/5 enth.: Hermann Lange. Neue verbesserte Ausgabe. (2. rechtmäßige Ausg.) Berlin: Sander 1800. Je 1 Reihent./ gest. Frontips./ T. m. gest. Vign. (Jury) / 1 Bl. (Widmung an Luise v. Preussen)/ 486 S./ 1 Bl. (Nachricht an das Publikum, die vor >verstümmelten< Nachdrucken warnt) / 462 S. – Sangmeister 17.1

Bd.6 enth.: Karl Engelmanns Tagebuch. Herausgegeben von A.L. Neue, verbesserte Ausgabe. (2. rechtmäßige Ausg) Ebd. 1801. Reihent./ gest. Frontip./ T. m. gest. Vign. (Jury) / 371 S. – Sangmeister 19.1; Bd. 9/10 der Familiengeschichten (Henriette Bellmann) siehe 1802


- Hermann Lange. Von August Lafontaine. 2 Bde. Berlin: Sander, 1799 (Familiengeschichten 4/5). T. m. gest. Vign. (Jury) / Reihen-T./ 496 S.// T. m. gest. Vign. (Jury) / Reihen-T./ 473 S./ 1 n.n. S. (Druckfehler) Marm. Hlnbde. d.Zt. m. 2 Rcknaufkl.; T. (verso) gestempelt (>F.F. Bibliothek Donaueschingen<) bläuliches Pap., T. etw. gebräunt u. fingerfl. 110.00

Ohne das bei Sangmeister angeg. Dedikationsblatt und die T.-Kupfer. Sangmeister 17; erste Ausgabe. Lafontaine lässt seinen Helden programmatisch ausrufen: "Die Aufklärung ist kein Blitz in der Nacht, der auf einen Augenblick das stärkste Licht gibt, nebenher blendet und es dann nur desto dunkler werden läßt, sondern das Anbrechen des Tages, der allmählich ganz erhellt. Ehe man es sich versieht, wird die Sonne da sein. Laß mich auch das noch sagen: so wie die Sonne von unten heraufsteigt, so muß die Aufklärung aus dem Mittelstande kommen. Er kann, eben weil er in der Mitte ist, nach oben und nach unten wirken." (Teil 2, S. 112) Da der Autor den Hermann Lange für den besten seiner Familienromane hielt, widmet er ihn "Ihrer Majestät der Königin von Preußen Luise in tiefer Ehrfurcht und Dankbarkeit".


- Ders.: Hermann Lange. Neue verbesserte Ausgabe. (2. rechtmäßige Ausg.) ErsterBand (von 2) Berlin: Sander 1800. Gest. T.-Kpfr. (Jury) /T. m. gest. Vign./ 2 Bl. („Ihrer Majestät der Königin von Preußen Luise mit tiefer Ehrfurcht und Dankbarkeit gewidmet.“)/ 486 S./ 1 Bl.(>Nachricht an das Publikum< - betr. Warnung vor Raubdruckpraxis) Marm. Hldrbd. d.Zt. m. Rckns., Gelenke aufgebr., jedoch fest; Leihbibliotheksstempel überklebt (>Eigentum der Leihbücherei Lohr<) – Sangmeister 17.1 40.00


- Hermann Lange. Erster / Zweiter Band (in 1) Frankfurt u. Leipzig (d.i. Stuttgart), o.Vlg. 1802. T. m. gest. Vign./ 420 S.// T. m. gest. Vign./ 392 S. Etwas späterer Hldrbd. m. goldgepr. Rcknt.; ber. u. best.; Gelenke tlw. gelockert u. Bindung offen; Buchblock schief; handschriftl. Vermerk m. Bleistift a. Vorsatz: "gelesen October 1926"; Papier stärker gebräunt 90.00

Sangmeister 80.3. Hilde Ishorst bemerkt zum Hermann Lange: "Auch die Schilderung des Milieus ist Lafontaine vortrefflich gelungen; es ist typisch kleinstädtisch, ein jeder kennt den andern und kundschaftet voll Neugierde aus, wie er lebt und was er treibt, sei es, daß er Anteil daran nimmt, oder aber, - und das ist öfter der Fall - daß er ihn beneidet. Nicht vergessen ist der Nachtwächter, der um alle Ereignisse in der Stadt weiß und sie jedem eifrigst mitteilt. Die Verhältnisse und Mißstände am Hofe des kleinen Fürsten sind dem Hofleben der damaligen Zeit getreulich nachgezeichnet. Auch hier sind die Gunst des Fürsten und der Adelstitel für die Besetzung von Ämtern entscheidend. Dem Humor weist Lafontaine nur eine bescheidene Rolle zu (...) An rührenden Szenen und empfindsamen Stimmungen läßt uns der Schriftsteller sehr oft teilnehmen. In der Beschreibung eines friedlichen Familienlebens, in der Darstellung einer Liebe, in der Schilderung einer treuen Freundschaft, die zwei edle Männer oder Frauen miteinander verbindet, findet er reichlich Gelegenheit, seine sentimentale Einstellung zum Leben zu offenbaren." (Ishorst, S. 54-55)


Glück aus Unglück. Von August Lafontaine. In: Romanen-Kalender für das Jahr 1799. Von B****, August Lafontaine, Mademoiselle Levesque, Sophie Mereau, Karl Reinhard, und G. W. K. Starke. Göttingen, bei Johann Christian Dieterich (o.J.) (Zwischentitel / S. (I)): Kleine Romanen-Bibliothek. Von B**** ... (wie oben). Jahrgang 1799. Göttingen, bei Johann Christian Dieterich 1799. Gest. Portr. (Joh. Gottwerth Müller) / 17 Bl. (u.a. Kalendarium) / VIII / 326 S. m. 6 Kupfern v. Riepenhausen n. Schubert. 12° Orangefarb. Oppbd. m. 2 gest. Kostümdarstellungen a.d. Deckeln, Goldschn., Schmuckvors. etc.leicht ber., Schnitt etw. ungleich 280.00

Auf S. 1-51 Lafontaines Aufsatz, dazu ein Kupfer nach S. 46; zweiter Jahrgang des bis 1803 erschienenen Almanachs; die Vorrede (S. III-VI) stammt vom Herausgeber Karl Reinhard, ferner Beiträge v. Bouterwek sowie den auf dem Titel Genannten ; vgl. Sangmeister 197.1; Lanck./Rümann S. 82; Köhring S. 98



CRAMER


Das Harfenmädchen. Von Carl Gottlob Cramer. Rudolstadt, (o.Vlg.; Langbein und Klüger) 1803. Gest.Frontisp. /T. /224 S. Broschur d.Zt., mit Ornamentpap. überzogen; unbeschnitten; fingerfleckig und gebräunt; ganz leicht schiefgelesen; insges. ordentliches Exemplar verkauft

Erschien zuerst 1799 bei Langbein und Klüger in Rudolstadt unter dem Titel >Das Harfenmädchen. Vom Verfasser des Jäger=Mädchens.< Hayn-Gotendorf I, 687; Olderdißen 26.05; Zwischentitel hier: >Das Harfner-Mädchen<


- Das Räubermädchen. Ein Seitenstück zum Harfenmädchen von C. G. Cramer. Leipzig, Im Verlage von Anton Doll 1801. Gest. Frontisp. (Antropp n. Matthaei) / T./ 181 S./ 1 Bl. (Vlgs.-Anz.) Gesprenkelter Ppbd. d.Zt.; nur unbed. ber. u. best.; Rotschnitt verkauft

Olderdißen A 22.01; fragliche bzw. unbegründete Zuschreibung an Cramer


Die gefährlichen Stunden. Erster/Zweiter Theil (in 2 Bdn.) Von Carl Gottlob Cramer. Weißenfels und Leipzig, bey Friedrich Severin und Comp. 1799-1800. T./ 320 S.// gest. Frontisp.(Lips n. Böttger)/ T./ 319 S./ 1 Bl. Verlagsanzeigen. Marm. Hldrbde. d.Zt. m. je zwei roten u. grünen Rückens.; auf untere Kapitale Besitzvermerk eingepr. „A. Meusel“; Vorsatz bestempelt (>Ex Bibliotheca C.A.Meusel<); T. gest. (>CAM<); Pap.fleckig; Rotschn.; dekoratives Ex. -verkauft

Olderdißen 27.01. "In den gefährlichen Stunden läßt der Verf(asser) eine Lilli, die einzige Tochter eines Ministers - denn der Verf(asser) lebt und webt am liebsten in den höhern Ständen - nach dem Tode ihrer Mutter auf einmal in die große Welt eintreten. Der Minister fühlt die Gefahren, die von nun an seiner mit diesen Gefahren unbekannten Tochter drohen, und zittert bey dem Gedanken, sein Kleinod da verderben zu sehen. Wirklich schildert der Verf(asser) die Unschuld des Mädchens und die Fallstricke, die ihr bevorstehen, mit einer Energie, daß man Ursach hat, um sie besorgt zu werden. Aber der Minister hat den Kopf von Staatssachen voll, denn >wenn er den Kopf schüttelte wackelte der Kopf und das ganze Land< (S. 64) Das laß ich einen Minister seyn!" (NADB, 1800, 50. Bd., S. 373-374) Es folgt eine ganze Armada von Angriffen auf die jungfräuliche Unschuld Lilli von Arensteins, die aber alle schicksalhaft abgewehrt werden. Ein Oberst Hold tritt in das Geschehen - "ihre Seelen finden sich" - aber Kabalen am Hofe trennen die Liebenden. Und so schließt der erste Band. Frontisp. zu Bd. 1 fehlt!


- Lilli von Arenstein oder die gefährlichen Stunden. Von Carl Gottlob Cramer. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.). Weißenfels (d.i. Wien, o.Vlg.) 1803. Gest. Frontisp. (Berka) /T./ XII (Vorrede, unterz.: >Meiningen, im Christmonath 1798<)/ 179 S. // gest.Frontisp. (Schindelmayer)/ T./ 192 S. Etw. späterer Hlnbd. m. marm. Bez. u. hs. Rcknaufkl.; ber. u. best.; Exlibris a. Vors. (>Viktor Achter<) u. Aufkl. (>Aus der Leihbibliothek von Joh.Wastl in Baden, Alleegasse Nr. 114<); Pap. gebr. u. leicht stockfl. - Olderdißen 27.10; Samml. Achter 145, 17 verkauft


- Angelo di Pola. Anhang zu den gefährlichen Stunden von C. G. Cramer. Leipzig, in der Joachimschen Buchhandlung 1801. Gest. Frontisp. (Antropp n. Matthaei) / T./ 160 S. Marm. Hldrbd. d.Zt. m. rotem u. grünem Rckns.; gepr. Besitzverm. a. Kapitalunterkante (abgerieben); l. ber.; Innend. gest. (>Ex Bibliotheca C.A. Meusel<); T. gest.(>CAM<): T. u. Pap. fleckig verkauft

Olderdißen A 04 (zugeschriebenes Werk, Cramers Verfasserschaft fraglich); bei Hamb./Meusel XIII, 247 zunächst als Cramer-Titel angeführt, dann verworfen; ebenso nach dieser Quelle bei Holzm./Boh. als nicht von Cramer stammend aufgeführt. Das hingeworfene und ohne jede Struktur verfasste Gelegenheitswerk kann nach Sujet und Schreibart jedoch durchaus von Cramer herrühren: Der kleine Angelo entwickelt sich zu einem respektablen Manne, bereist dabei verschlüsselte deutsche und europäische Gegenden (wobei die geographische Verwirrung groß ist: >Arpis< / Paris etwa liegt auf den britischen Inseln) und schließlich sogar Madagaskar (wo er auf den Abenteurer Benjowski trifft), um am Schluß seinen vorher bereits im Feld gefallenen Vater wiederzutreffen. Dabei wird Paul Ysop (S. 93) u. der aus den Gefährilichen Stunden bekannte Hold (S. 139) erwähnt, was nicht gegen Cramer spricht.


Schwänke und Erzählungen für müssige Stunden. Besonders gut im Winter beim warmen Ofen zu lesen von C. Gottlieb (!) Cramer. Prag, Wien u. Leipzig: Jos. Polt 1799. 160 S. Neuer marm. Ppbd.; Text stärker finger- und schmutzfleckig; gebräunt. Olderdißen 65; erste Ausg. - s.auch unten bei >Anthologien< verkauft



1800


LAFONTAINE


Theodor. Von August Lafontaine. Erster / Zweiter Theil (in 2 Bdn.). Berlin: Sander 1800. Gest. Frontisp. (Jury) / gest. T. m. Vign./ 452 S./ gest. Frontisp./ gest. T. m. Vign./ 427 S. Hellbraune Hldrbd. d. Zt. m. 2 Rckns. u. Rcknverg.; etw ber.u. best. ; gest. Exlibr. a. Innendeckel (>Dr. Jäger, Othmarschen<); Pap. tls. gebräunt; trotz kleinerer Defekte gutes Exemplar verkauft


- Dass. Gest. Frontisp. (Jury) / T. m. gest. Vign./ 452 S.// (gest. T. u. T.-Kpfr. für Bd. 2 fehlen trotz angekündigter Nachlieferung) T. / 1 Bl./ 427 S. Ldbde. d.Zt. m. rotem u. schwarzem Rckns. u. Rcknverg. mit nur ger. Gebrauchsspuren; Rotschnitt; Kap. best. u. ber. 180.00

Erste Ausgabe dieses Romans. – Sangmeister 20


- Theodor. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.) Berlin (d.i. Stuttgart: Macklot) 1800. T. m. gest.Vign./ Reihentitel/ 344 S./ 328 S. Ppbd. d.Zt. m. Rcknt.; berieb. u. best.; Rckn. m. Fehlstellen im Bezug u. Einrissen, ohne Haupttitel z. Bd. 2; Pap. ger. fleckig (Sämmtl. Schriften Bd. 39-40) 90.00

Die >(n)eue, verbesserte Ausgabe<, die 1802 bei Sander in Berlin erschien, erweitert d. Haupttitel zu "Theodor, oder Cultur und Humanität". Sangmeister 92.4

Karl Engelmanns Tagebuch. Eine Familiengechichte. Berlin (d.i.Wien: Haas) 1800. Gest. Frontisp. (Blaschke) / gest. T. m. Vign./ 292 S. Recht schöner heller Ppbd. d.Zt. m. Rckns.; kl. Kap.-, Ecken-, u.Gelenk-Defekte; etw. fl.; runder St. a. T. (>Bibliothek zu Eybesfeld<), Pap. durchgehend gebräunt u. anfänglich etw. fingerfleckig 90.00

Sangmeister 91.1; zur 2. rechtmäß. Ausg. vgl. oben unter 1799: >Familiengeschichten<, Bd. 6; "In Charakterisierung der Personen versucht Lafontaine hier zum ersten Male, einen Menschen mit häßlichem Äußern in dem Herrn von Waldenbruch zur Darstellung zu bringen, der im Grunde seines Wesens ein tugendhafter Mensch, nur durch die lieblose Behandlung, die ihm von Jugend auf zuteil wird, und durch die Abscheu, die die Leute vor seinem Äußern empfinden, zu den Taten kommt, die ihm den Namen "Taugenichts" verschaffen. Die übrigen Personen zeigen die gleiche Tugendhaftigkeit wie in den andern Familienromanen, selbst Suschen, die in ihrer grenzenlosen Liebe zu Waldenbruch gefallen ist, wird nicht liederlich, trotzdem sie vom Vater verstoßen wird." (Rummelt, S. 103) Auch der hässliche >Rothkopf< Waldenbruch wird verstoßen, aber wie Suschen am Schluß rehabilitiert, deren gemeinsame Tochter Sophie sogar in zartem Jugenalter vom >Tagebuchschreiber< Engelmann, ihrem Großcousin, geehelicht (was durchaus zu Schlegels Vorwurf der >Kinderliebe< in Lafontaines Werken beigetragen haben mag).


- Karl Engelmanns Tagebuch. Herausgegeben von August Lafontaine. Frankfurt und Leipzig (d.i. Mannheim: Löffler) o.J. Gest. Titelkupfer (Neubauer) / T. m. Vign. 309 S. Etw. späterer marm. Ppbd. m. hs. Rcknaufkl.; innen tls. fleckig u.m. kl. Wurmspuren; Rotschnitt 90.00

Sangmeister 91.4; nicht bei Veitenheimer


- Dass. Frankfurt u. Leipzig (d.i.Mannheim: Löffler?) o.J. T. m. gest. Vign./ 314 S. Gesprenkelter Ppbd. d.Zt. m. grünem, goldgepr. Rckns. Titel u. Pap. tls. braunfleckig – Sangmeister 91.5 90.00


Leben eines armen Landpredigers. Herausgegeben von August Lafontaine. Neue Ausgabe. Zwei Bände. Berlin: Sander 1802. Gest. Frontisp. (Jury) / T. m. gest. Vign. (dito) / 457 S.// gest. Frontisp.(dito) / T. m. gest. Vign. (dito) / 448 S. Ppbde. d.Zt. m. eingelassenem marm. Überzugpapier; Ecken bestoßen, Bd. 1 Gel. ber., insgesamt gut erhalten 200.00

Sangmeister 21.1; zuerst 1800-1801 als Familiengeschichten 7 / 8 erschienen, hier zweite rechtmäßige Ausgabe.

"Ein weiteres typisches Beispiel für Lafontaines sklavische Abhängigkeit von seinen Vorbildern bietet sein Landprediger, dem Oliver Goldsmiths Vicar of Wakefield zur Vorlage diente, der seinerseits wieder auf Fieldings Joseph Andrews und in dem glücklichen Ausgang des Romans auf den Tom Jones zurückgeht, wie Neuendorff (Entstehungsgeschichte von Goldsmiths Vicar of Wakefield, Berlin 1903) nachweist. Bei Goldsmith wie Lafontaine ist der Inhalt des Romans kurz der, daß ein frommer Geistlicher mit seiner Familie von vielen Unglücksfällen betroffen, aber nicht durch sie niedergeworfen wird, sondern doch endlich zum Siege mit seiner Tugend kommt, eine Geschichte, die der Hiobs ähnelt." (Rummelt, S. 99) Der Sieg der Tugend über das Laster wird auch hier wieder mit der Hochzeit zwischen Julie und Karl bekrönt.


- Dass. Erster Band (von 2). Gest. Frontisp. (Jury) / T. m. gest. Vign. (dito) / 457 S. etw. spät. Hldrbd. m. Rcknt. u. reicher Rcknvergold.; etw. ber.; Grünschn. – insges. schönes Bdchn. verkauft

Sangmeister 21.1 (führt zusätzlich den Reihentitel >Familiengeschichten 7<, der hier jedoch nicht vorhanden ist)


- Leben eines armen Landpredigers von August Lafontaine. Erster / Zweyter Band. Berlin (d.i. Wien: Haas) 1810. Gest. Frontisp. (Stöber) / gest. T. m. Vign./ 311 S./ 1 Bl./ gest. Frontisp. (Blaschke) / gest. T. m. Vign./ 300 S./ 1 Bl. Marm. Hldrbde. d.Zt. m. je 2 Rckns. (Titel / Tl.) u. Rcknverg. mit nur geringen Gebrauchsspuren; Rotschnitt; Pap. gebräunt; Frontisp. u. T. mit min. Einrissen; kl. Fehlst. d. Marmorierung a. hint. Deckel - Sangmeister 93.5 (ohne Reihentitel) 180.00


- Dass. Erster Band (v. 2). Berlin (d.i. Wien: Haas) 1810. T.-Kpfr. (Stöber) / gest. T. m. Vign./1 Bl./ 311 S. Blauer Ppbd. d.Zt. m. Rcknaufkl.- Sangm. 93.5; Zwischentitel: Sämmtl. Schriften 28 45.00


- (Goldsmith, Oliver): Der Dorfprediger von Wakefield. Eine Geschichte, die er selbst geschrieben haben soll. Von neuem verdeutscht. Zweyte verbesserte Auflage. Hamburg und Altona, 1781. Gest. Frontisp./ T. m. gest. Vign./ XIV / 336 S. Hldr. d.Zt. m. goldgepr. Rckns.; ber. u. best.; vord. Vors. m. kleinem Ausschnitt; Rotschnitt verkauft

Vgl. Katalog Weltliteratur, S. 203 f. Das von Herder und Goethe geliebte Hauptwerk der englischen Empfindsamkeit in der berühmten Übersetzung Johann Joachim Bodes. Sie war 1776 erstmals mit dem (hier nachgestochenen) Kupfer

von Geyser nach Chodowiecki erschienen. Die vorliegende Nachdruckausgabe (eine von dreien der Zeit) legt die Überarbeitung von 1777 zugrunde und dürfte auch Lafontaine als Quelle gedient haben.





CRAMER


Der arme Görge vom Verfasser des Erasmus Schleicher. Leipzig, bei Johann Bejamin Georg Fleischer 1800. Gest. Frontisp.(Berger n. Schubert)/ VIII / 296 S. Einf. Ppbd. d.Zt. m. hs. Rcknaufkl.; Exlibr. a. Vors. (>Viktor Achter<); Siegellackreste a. Vors.; Pap. gebräunt verkauft

Olderdißen 29: Erste Ausgabe, jedoch mit abw. Kpfr. (dort: Grünler); Bibl. Achter 144 (dort: >Bibliotheks-Ppbd.<) >Den Marschallstab im Tornister< könnte man den vorliegenden Roman trefflich zusammenfassen: Der Sohn eines armen, zu Beginn seitens der Obrigkeit auch noch seiner Hütte beraubten Flickschusters zieht mittellos in die Welt, fällt unter die Räuber, wechselt aber bereits bei seinem ersten Delikt die Seiten und wird deshalb von einem vermögenden Adeligen solange aufgenommen und protegiert, bis er sich in dessen Tochter verliebt, begibt sich sodann zu den Soldaten, wo er durch außergewöhnliche Tapferkeit bis zum Major in einem Jägercorps aufsteigt, sich an dem Widersacher seines Vaters rächt und schließlich seine geliebte Adelstochter heimführt. Trotz der Popularität des Sujets, eines atemberaubenden (und somit kaum nachvollziehbaren) sozialen Aufstieges ist das vorliegende Buch möglicherweise das einzige Exemplar des gesamten Kataloges, das vordem noch nie gelesen wurde!


- Dass. Marm. Etw. spät. marm.Hlnbd. m. rotem Rckns. u. (tls. abgelöstem) Rcknaufkl.; unbeschnitten; dez. Buntstiftstriche a. T.; Pap. tls. gebräunt; ber. – insges. ordentlich 120.00

Hier mit dem von Sangmeister angeg. Kupfer (Grünler) m. abweichendem Motiv. Der Druck offensichtlich ansonsten identisch (Druckvermerk am Schluß: „Gedruckt mit Saalbachschen Schriften“)


Grillenthal. Ein Naturgemälde menschlicher Stärken und Schwächen. Von C. G. Cramer. Rudolstadt (o. Vlg.) 1801. Gest. Frontisp. (Weinrauch n. Mathaei) / T./ X (unterz.:>Meiningen, d. 1ten Junii 1800.<)/ S. 12–141 S. Rote Broschur d.Zt. m. schadh. Rckn. u. Rckndeckel; roter St. a. T. (>Platzers Leihbibliothek<) u. Kpfr. verso m. Bibl.-Aufkl. 80.00

Olderdißen 30.01; Erscheinen der dort nach Hayn/Got. I, 687 angeg. ersten Ausg. von 1800 fraglich; vgl. d. folg. Nr.


- Taschenbuch für Kunst und Laune auf das Jahr 1801 von C. G. Cramer. Köln bei Haas und Sohn o.J. (1800). Gest. Frontisp. (v. Malleste)/ gest. T./ XII S./ 65 S. m. 6 gest. Tfln./ XII (recte X: IV m. VI verwechselt) S./ S. (13)-160 (>Grillenthal<) / 32 S./ 7 Bl. (Vlgs.-Anz.) Gest. OPpbd.; Rckn. m. Überzugsschäden; ber.; Titelei u. Pap. braunfleckig; in neuerem Ornament-Schuber verkauft

Olderdißen 30.06 und 58; Köhring 130 (>Kramer<); Lanck/R. 191: „Jedem Band ist ein längeres Unterhaltungsstück mitgegeben, dem ersten die romanhafte Erzählung >Grillenthal< vom Herausgeber selbst (...) Hervorzuheben sind die klassizistisch-frühromantisch bebilderten farbigen Original-Kartonagen, deren Motive pompejanischen Vorbildern zu folgen scheinen.“ Es erschienen drei Jahrgänge.


Die Reise zur Hochzeit. Ein Schnack. Von Carl Gottlob Cramer. Neue durchgesehene Auflage. Erster / Zweyter Theil (in 1 Bd.) Rudolstadt, (o.Vlg.) 1801. Gest. Frontisp.(Blaschke; umgestürzte Kutsche)/ T./ VIII / 200 S.// Gest.Frontisp. (dito) / T./ 182 S. Einfacher etw. späterer Lnbd. m. Rckns.; etw. ber.; T. m. St.-Rest; T.-Kpfr. a. unt. Ecke m. Feuchtrand; Pap.l. gebräunt verkauft

Olderdißen 32.03 (Auflagenvermerk fehlt); erschien zuerst bei Fleischer in Leipzig 1800


- Die Reise zur Hochzeit. Ein Schnack. Von C. G. Cramer. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.) Leipzig (o.Vlg.) 1801. (Pag. wie oben; es fehlen d. S. VII / VIII, die als Kop. beiliegen). Etw. späterer marm. Hlnbd. m. goldgepr. Rcknt.; 1. Titelei fleckig; Aufkl. a. Innendeckel 80.00

Fräulein Runkunkel und Baron Sturmdrang. Eine possirliche Geschichte unsrer Zeit. Vom Verfasser des Erasmus Schleicher. Leipzig, bei Johann Benjamin Georg Fleischer 1800. Gest. Frontisp. (Weinrauch n. Schubert) / VIII (Prolog, >Meiningen, den 1sten August, 1799<) / 278 S. Hldrbd. d.Zt. m. hs. Rcknaufkl.; etw. ber. u. best.; Vors. u. Kupfer an Gelenken m. altem Pap. verstärkt; Pap. tls. verschmutzt, fingerfl. u. gewellt; stark gebrauchtes Exemplar 160.00

Goedeke V, 510, 30 (ob die dort für 1799 aufgeführte Ausgabe erschienen ist, sei dahingestellt); Olderdißen 33.01


- Fräulein Runkunkel und Baron Sturmdrang. Eine possirliche Geschichte unsrer Zeit. Vom Verfasser des Erasmus Schleichers. Leipzig (ohne Vlg.), 1801. VIII/ 231 S. Brosch.d.Zt.; mit Bibl.märkchen u.Stemp.a.Tit.(>Bibl.Univers.Lips.< u. >Aus der Schulzeschen Buchhandlung in Oldenburg<), fingerfl. u. gebräunt 120.00

Olderdißen 33.03; vgl. Kosch 300. – Der Prolog beginnt im besten Candide-Ton: „Ein Mensch ist des andern Narr!“


Zoar der Auserwählte von Carl Gottlob Cramer. Erster / Zweiter Theil (in 2 Bdn.) Berlin 1800. Im Verlag der Königl. Acad. Kunst u. Buchhandlung. Gest. Frontisp. (Bolt n. Kimpfel) / gest. T. m. Vign./ XV / 406 S.// gest. Frontisp. (dito) / gest. T. m. Vign./ 1 Bl./ 436 S. Ganzlederbände m. goldgepr. dunkelroter Rcknauflage u. Rckns.; Farbpap.-Vorsätze; Goldschnitt; Ecken u. Kanten best.; Gel. (bes. an d. Kap.) l. angebrochen; Pap. tls. etw. wellig; St. a. T. (>Biblioth. Universitatis Lipsiensis 1894<) – außergewöhnl.aufwänd. Bindung, leider etw. gebraucht 420.00

Erste Ausgabe; Olderdißen 34 (dort auch die Pag.-Sprünge aufgezeigt)

- Zoar, der Auserwählte. Erster / Zweiter Theil (in 2 Bdn.). Berlin (d.i. Wien) 1800. XVI (Vorrede) / 292 S.// 303 S. T. jew. m. gest. Vign. Hldrbde. d.Zt. m. Rcknaufkl. (hs. nummeriert: 6230 / 6231); ber.u.best; Deckel v. Bd. 1 m. ger. Wurmfraßschäden; T. verso gestempelt („AD BIBL. UNIV. MONAC.“) u. („UBM abgegeben“); Pap. gebräunt u.fingerfl. verkauft

Olderdißen 34.01; Goed. V, 510, 33; Hayn-Got. I, 698; Sammlung Maassen 754; Kaldewey´s Lesekabinett 12 (1979), 88. ABC-Ant. Pinkus, Kat. 125 (1987), 36 u. Kat. 170, 33. Die erste Ausgabe erschien in Berlin im Verlag der Kgl. Academ. Kunst- u. Buchhandlung 1800. Hier wohl Leihbibl.-Exemplar.

"Rec(ensent) vorliegenden Erzeugnisses, der von Cramerschen Hirngespinsten noch gar nichts kannte, (...) begann diese Leserey in der geduldigsten Stimmung, und hoffte in dem, wie man sieht, dickleibigen Buche doch irgend etwas Empfehlenswerthes aufzuspüren. Alles vergeblich! Sind die übrigen Produkte dieses Geschwind- und Vielschreibers noch abgeschmackter: so gehören solche unter die heilloseste Waare, die sich denken läßt; und hat er vergleichsweise in diesem letztern sich gebessert: so ist noch in hundert Jahren nichts Erträgliches aus seinem Pulte zu erwarten." (NADB 65, S.350 f.)

Zoar ist der hoffnungsvolle Sohn eines Gutsverwalters bei der reichen und schönen Gräfin Herda. Man erfährt, dass die junge Gräfin gegen ihren Willen verheiratet und in ihrer Ehe von ihrem Mann grausam gequält wurde. Zoar sucht ihre Not, ohne dass er ihr ansichtig wird, zu lindern; die Gräfin verliebt sich. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes will die Gräfin Zoar trotz des Standesunterschiedes heiraten. Nur muß er sich gründlich bewähren. So wird er auf ihre Kosten zu einem juristischen Studium geschickt und auf anschließende Bildungsreisen, die dazu dienen, ihn mehrfach verschiedenen Versuchungen auszusetzen. Herda gibt sich als Kammermädchen Rosa aus, in die sich Zoar verliebt. Hier setzt die eigentliche Romanhandlung ein. Zoar reist über Wien nach Italien, und dann weiter nach Neapel, Madrid und Paris. Überall muss er Versuchungen widerstehen, beispielsweise soll Zoar eine junge Nonne heiraten oder den leidenschaftlichen Attacken der attraktiven und reichen Spanierin Jolande erliegen. Über die Schweiz kehrt er endlich nach Deutschland zurück. In einer kleinen Residenz gelingt es ihm, einen drohenden Krieg zu verhindern. Zum Lohn wird er zum Regierungsrat ernannt und glaubt nun, die geliebte Rosa heiraten zu können. Nun tritt die Gräfin Herda in persona auf und bietet ihm ihre Hand. Diese letzte und schwerste Probe besteht Zoar, der nicht nachgibt und nur Rosa will. Herda gibt ihr Doppelspiel als Rosa / Herda auf und die Hochzeit kann stattfinden. (Inhaltsangabe nach Eberhardt stark gerafft) Otto Eberhardt hat in seiner Studie zu den Quellen und dem Bedeutungshintergrund des Taugenichts von Eichendorff nachgewiesen, dass der Zoar tatsächlich als eine primäre Quelle angesehen werden muß. Eichendorff kannte den Roman aus der Lektüre der Bücher der >Juhrschen Bücherverleyhung zu Ratibor<. (Otto Eberhardt: Eichendorffs Taugenichts, Würzburg 2000, S. 44-64 u. S. 697-699)


- Zoar der Auserwählte von Carl Gottlob Cramer. Erster Theil (von 2). Dritte unveränderte Auflage. Berlin, bei Heinrich Burchhardt, Schlossplatz No.11, 1823. Gest.Frontisp. (v. Bolz n. Kimpfel, 1800) / gest. T. m. Vign./ 3 Bll./ 406 S. Hldr. d.Zt. m. Aufkl. (fragm.); stärker ber. u. best.; Dedik.-Bl. lose („Allen Liebenden gewidmet.“); T. u. letztes Blatt gestemp. („Penzlin’sche Leih-Bibliothek“); Titel ger.wasser-u.fingerfl. 90.00

Olderdißen 34.10. Dort nur Nachweis durch Hayn-Gotendorf und Kayser. Diese Auflage sehr selten!


- Guilielmo der Unsichtbare. Ein Gegenstück zu Zoar dem Auserwählten von C. G. Cramer. In zwei Theilen (in 1). Wien, in der Hochenleitterischen Kunst- und Buchhandlung 1801. Gest. Frontisp. (Blaschke)/ T./ 142 S./ 126 S. Marm. Ppbd. m. grünem Rckn. u. goldgepr. Rcknt.; berieb. u. an den Kanten best.; Pap. gebräunt u. tlw. stock- u. wasserfl. verkauft

Olderdißen A 13. Eines der seltenen Seitenstücke; anonym erschienen und die Lust der Zeitgenossen an geheimen Verbindungen bedienend. Verfasserschaft nicht auflösbar. Der Eintrag bei Heinsius (Romane, Sp. 94) lautet: Guilielmo, d. Unsichtbare, od. d. Schloß Dunkam; e. Familiengesch. 2 Bd. m. K. 8. Wien, Joachim in Lpz. 1801; im deutschen Bibliotheksverbund ist nur ein Ex. in d. StaBi Mchn. 1801 bei Doll in Wien nachweisbar (dort Cramer zugewiesen).


- Dass. Einfacher Schmuckppbd. d.Zt. m. Deckel- u. (tls. abgelöstem) Rcknaufkl. N. a. Innen-Deckel (>Comtesse Lambage<) und Titel (Nanette Pongnarz< ?) – gutes Exemplar verkauft (?)


1801


LAFONTAINE


Mährchen, Erzählungen und kleine Romane von August Lafontaine. Erster / Zweiter Theil (in 2 Bdn.) Berlin (d.i. Wien: Haas) 1802. Gest. Frontisp./ gest. T. m.Vign./ S.(3)-262 // gest. Frontisp./ gest. T. m. Vign./ 247 S. Ppbde. d. Zt. m. abgesetztem Rckn. (im Stile v. Hldrbdn.) u. 2 Rckns.; ber. u. best.; Titelei u. Pap. (tls. stärker) fleckig; letztes Bl. v. Bd. 2 m. Randabriß (ger. Buchst.-Verlust); (verblaßter) Rotschnitt; insges. noch ordentl., stärker gelesenes Exemplar 150.00

Die Erste Ausgabe ist 1801 in Berlin bei Sander erschienen; Sangmeister 103 oder 103.1 (unterschiedliche Kupfer)


- Dass. Zweiter Theil (ap.) Marm. Hldrbd. m. (tls. abgelöstem) Rcknaufkl.; Hint. Gel. u. Rckn.-Bezug schadhaft; gest. Titelei m. Feuchtfl. am Innensteg; Pap. tls. fleckig; gebraucht 40.00

- Mährchen und Erzählungen. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.) Berlin (d.i. Stuttgart: o.Vlg.) 1802. T./ 261 S./ T./ 247 S. Ppbd. d.Zt. m. Rcknt.; ber. u. best.; Bezug an Gelenken u. Kapitalen tls.abgeplatzt; Pap. leicht gebräunt u fleckig 90.00

Sangmeister 103.3; hier nur mit den Reihentiteln (>Sämmtliche Schriften Bd. 42/43) ohne den Zusatz kleine Romane


Rudolph und Julie, ein Gemälde des menschlichen Herzens. Von August Lafontaine. Erster (und) zweiter Theil. Berlin (d.i. Wien: Haas) 1801 (und) 1802. Gest. Frontisp./ gest. T. m. Vign./ 198 S./ Gest. Frontisp. (Szene m. Galerieinterieur) / gest. T. m. Vign./ 214 S. Marm. Hldrbde. d.Zt. m. Rckns. (a. Rckn. lfd. Nr. 61/62), Titelei v.Bd. 2 leicht wasserrandig; Ecken best.; kl. Gel.-Läsur am ob. Kap., ein hint. Deckel fleckig 160.00

Sangmeister 101.1 (hier ohne Reihentitel); in den Jahren der ersten Ausgabe erschienen; gutes Exemplar


Spiegel menschlicher Leidenschaften von Becker, Huber, Lafontaine, Lindemann u.a.m. Leipzig bei Peter Franz Michaelis 1801. 340 S. m. gest. T. m. Vign. (Berka). Hldrbd. d.Zt. m. geprägtem Rücken; stärker ber. u. best.; kl. Fehlst. im Rcknüberzug; ob. Kap. abgegriffen; vord. Vors. (T.-Kpfr. ?) fehlt; durchgestrichener St. a. T. (>Lesebibliotheck von J.G. Taubert<) u. Eckabschnitt am ob. T.-Rand; Pap. gebr. u. tls. fleckig (T. stärker); hs. Inhaltsverz. a. Innendeckel

Sangmeister 154 ohne Paginierung, da er der keinen Standort ermitteln konnte; er führt >Meßkatalog< als Nachweis an und bemerkt: „ Nicht autorisiert. 1801 soll eine >zweite vermehrte Auflage< erschienen sein. Ab S. 157 ist die wohl nicht v. Lafontaine verfaßte Erzählung Henriette Düfort enthalten (vgl. d. folgende Aufnahme). Auch die drei anderen Erzählungen sind nicht gezeichnet.

Zur Sachlage: Heinsius, Romane, Sp. 201, erwähnt nur eine Ausgabe von 1801 (>Prag Neureutter (Joachim in Leipz.)< Die NABD, Jg. 1803, 79. Bd., S. 90 f bespricht die hier vorliegende Ausgabe (>mit Kupferchen<). Lediglich Hadley 326 gibt, bei alleiniger Nennung Lafontaines eine Leipziger Ausgabe an. Tatsächlich findet sich in der ALZ, Jg. 1801, Bd. 1, Sp. 360, eine kurze Besprechung des Titels Spiegel menschlicher Leidenschaften, der nur mit Lafontaines Namen erscheint, geringeren Umfanges ist (154 S.) und 1800 in Leipzig (d.i. Prag) erschienen ist. Kurioserweise werden alle drei enthaltenen Erzählungen, die sich (neben Henriette Düfort) auch in unserem Band befinden, hier Lafontaine zugewiesen, was im Umkehrschluß darauf hindeuten würde, daß alle anderen oben genannten Verfassernamen >getürkt< sind (es sei denn, einer von ihnen hätte die Henriette Düfort verfaßt). Der Rezensent läßt sich hier über den verlegerischen Taschenspielertrick aus, die eigentlich in Österreich erschienenen, dort aber zeitweise untersagten Romane mit Druckorten wie Leipzig od. Dresden erscheinen zu lassen. Im KVK findet sich keine der Ausgaben, allerdings gibt Sangmeister 95 für die frühe Variante ein Ex. der StaBi Berlin an. verkauft


Henriette Düfort. Anekdote aus der französischen Revoluzion während des Schreckenssystem. Von August Lafontaine. Berlin (d.i. Prag): Michaelis 1801. T. m. gest. Vign. / 184 S. Blauer Ppbd. d.Zt.; Pap. ger. gebräunt; Einbd. ber. (Rckn. etw. stärker); Kanten l. best. verkauft

Sangmeister VI, 250 (Fehlzuschreibungen: „Zu diesem Titel erklärte Johann Daniel Sander 1801 auf einer angebundenen Seite im 1. Band der >Mährchen<: „Ein Ungenannter in Leipzig hat einen kleinen Roman unter dem Titel: Henriette Dufor, von A. Lafontaine. drucken lassen. Der Unterzeichnete darf öffentlich erklären, daß sein Freund Lafontaine dieses Buch nicht geschrieben hat.“) Bei Wilpert/G. Lafontaine zugeschrieben; nicht im KVK



CRAMER


Stellas Frühling des Lebens von C. G. Cramer. Ein Seitenstück zu Bellomos Abend. Leipzig: Wilhelm Rein 1801. Gest. Frontisp. (Frosch n. Schubert) / gest. T./ 408 S. Hldrbd. d.Zt. a. vier Bünden; Kanten best.; wen. ber. T. u. folg. Bll. m. Monogramm-St. (>R.D.L.G.< ?); Vors. gest.; Titelei stärker braunfleckig; Pap. gebräunt – insges. ordentl. - Olderdißen 36; erste Ausgabe - 150.00


- Stella´s Frühling des Lebens. Von C. G. Cramer. Ein Seitenstück zu Bellomo´s Abend. Neue durchgesehene Auflage. Leipzig (o. Vlg.) 1802. Gest. Frontisp. (Blaschke nach Schubert) / T./ XII (Vorrede, unterz.: >Meiningen, den 10.Nov.1800.<) / 13-284 S. Etw.späterer Bibl.-Hlnbd. m. grün marm. Bez. u. hs. Rcknaufkl.; Exlibris a. Vors. (>Viktor Achter<) u. Aufkl. (>Aus der Leihbibliothek von J.Dirnböck in Wien<); Pap. leicht gebräunt 120.00

Olderdißen 36.01; Samml. Achter 144, 11 – Seite „IV“ falsch mit „VI“ bezeichnet


- Dass. Blauer Ppbd. d.Zt. m. hs. Rckaufkl.; ber.u.best.; größere Rißstelle im Titel geklebt; letzte Seite geklebt; tls.fingerfl.u.gebräunt 90.00


Hans und Görge. Ein Familiengemälde. Von Carl Gottlob Cramer. Berlin (o. Vlg., d.i. Wien) 1802. Gest. Frontisp. (Blaschke)/ T./ X S. (Vorrede)/ S. (11)–159 S. Roter flexibler Ppbd. d.Zt.; zweiter Titel gest. (>Platzers´ Leihbibliothek<); eingekl. Bibliotheksordnung; Ecken fingerfl.; im hinteren Tl. Wurmfraßspuren a. Innensteg; wen. Anstr. – gutes Exemplar verkauft

Olderdißen 37.06; es handelt sich hier um die Geschichte von Zwillingen, wobei „Hans das Phlegma, dem Görge das Feuer allein gegeben“ war (S. 39). Allerdings werden die beiden ungerecht behandet, von „Aeltern, die sich´s nicht angelegen seyn lassen, ...leichtes Feuer von Bosheit des Herzens, und Schwäche des Geistes von heuchlerischer Stille und natürlichem Phlegma unterscheiden zu lernen.“ (S. 41) Aus dieser Benachteiligung des unruhigen Görge bezieht die Erzählung einen Teil ihrer Spannung.


Rasereyen der Liebe. Von C. G. Cramer. Zwey Theile (in 1). Rudolstadt (Langbein und Klüger?) 1802. Gest.Frontisp. (von F. Weber) / T./ VIII / (9)-171 S./ 2 Bll.// 140 S./ 2 Bll. Marm. Hldrbd. d.Zt. a. 5 Bünden m. goldgepr. Rcknt. u. Rcknvergold; ger. ber. u. best.; Pap. tls. stockfl. 150.00

Goedeke V, 510, 10/43 (dort 1801 u.gibt eine zweite Auflage u.d.T.: >Paroxismen der Liebe. Leipzig 1808.< an); NadB 71,91 u. 75,389; Olderdißen 38.02.

Drastisches Titelkupfer: Ein wollüstiger Jäger überrascht eine Dame im Wald und versucht der Erschrockenen, der ein Buch herabgefallen ist, an die Brust zu greifen. „Sie (meine lieben Leser und Leserinnen) sollen darüber lachen...; denn es findet sich wirklich viel Lächerliches in solchen Convulsionen der Liebe, für einen Unbefangenen... Meiningen, den 4.Octobr.1800.“ – Bd.1 enthält: Prolog / Mutz / Der Pantoffel / Der Nasenstieber / Der Maykäfer / Buonaparte / Müßiggang führt auch zu Brote / Die Postkutsche / Das große Loos / Die Leichenpredigt / Der Schwan. Bd.2: Der Sachwalter / Der Theaterdichter / Der Feuerstoff / Das Milchmädchen / Christinchen / List über List / Das Rosenfest / Der Mops / Die Rose unter Dornen; erster Theil. Die Dorne unter Rosen; zweiter Theil / Leonidas am Paß Thermopylae.


- Rasereien der Liebe. Von Carl Gottlob Cramer, verfasser des Jägermädchens. Arnstadt und Rudolstadt (Langbein u. Klüger ?) 1802. X / 150 / VI / 137 S. Titel m. gest. Vignetten (d´Argent). Neuer gesprenkelter Ppbd. m. Rckns. Pap. stärker wellig u. braunfl. - Olderdißen 38.01 - 120.00


Leben und Thaten des edlen Herrn Kix von Kaxburg. Aus unverfälschten Urkunden, und nach den glaubhaftesten Zeugnissen ehrbarer Zeitgenossen aufrichtiglich beschrieben von Carl Gottlob Cramer. Erster / Zweyter Theil (in 1). Leipzig 1802. Gest. Frontisp. (F.Weber) / T./ VIII S./ S. (9)-247 S.// gest. Frontisp. (dito) / T./ VI S./ S. (7)-247 S. Marm. Hlnbd. d. 19. Jhs. m. goldgepr. Rcknt.; berieb. u. a. d. Kanten best.; marm. Schnitt; Bindung vorn etw.gelockert; Pap. stärker gebräunt u. tls. stockfl.; T. v. Tl. 2 stärker berieb. u. wasserfl. verkauft

Goedeke V, 509, 10/42; Olderdißen 39.01. Das Original erschien 1801-1802 bei Fr.Fleischer in Leipzig. Vermutlich liegt hier ein Wiener (?) Nachdruck vor. „Die Geschichte eines gutmüthigen Krautjunkers, der in den Krieg zieht, mancherley Abentheuer besteht, und sich endlich mit einem zärtlichen Täubchen zur Ruhe setzt. Alles in Herrn Cramers beliebten Manier, d.h. auf die gemeinste, pöbelhafteste, und platteste Art erzählt. Beispiele anzuführen findet der Rec.nicht nöthig, da das ganze Werk ein einziges Beyspiel ist... Nun so kann man in allen Wachstuben und auf allen Bierbänken gelesen werden.“ (NadB 75, 81f.) Möglicherweise Parodie auf Zschokkes „Kuno von Kyburg“?


- Dasselbe. Erster Theil (v. 2). Gest. Frontisp./ T./ VIII S./ S. (9)-247. Marm. Hldrbd. d.Zt. m. 2 Rckns. u. Rckngoldprägung, Schmuckpap.-Vorsätzen u. Lesebändchen; ber. u. Ecken best.; Gelenke mit Läsuren u. spröde (jedoch fest); hs. Bes-Vermerk a. Zwischent.; unfrisches, jedoch insges.dekoratives Exemplar 90.00

Nichtige Abenteuer des Sohnes eines durch Beerbung seines weitgereisten Bruders zu einem Junker mutierten Schneiderleins, oftmals nach Cramers gängiger Manier ins Dialogische und damit meist Platte absinkend. Demzufolge ist die Annahme v. Hayn/Got., der Roman sei nicht von Cramer verfasst, hinfällig; vgl. Olderdißen 39; hier 39.01



1802


LAFONTAINE


Henriette Bellmann. Ein Gemählde schöner Herzen. Von August Lafontaine. Erster / Zweiter Theil. Berlin.: Sander 1802 (Familiengeschichten 9/10). (Reihen-) T./ gest. Frontisp. (Jury)/ T. m. gest. Vign./ 406 S.// 1 Bl. (betr. Nachlfg. d.Kpfrs.) / (Reihen-) T./ 398 S./ 1 Bl. (Vlgsanz.) Ppbde. d.Zt. m. Rckns. Außengel. u. Kap. etw. ber., Besitz-Aufkl. a. T. (>Gräfin W. v. Westerholt<); Exlibris (>Samml. Achter<) wie oft ohne die nachgelieferte gest. Titelei zu Bd. 2 verkauft

Erste Ausgabe, Sangmeister 24; Samml. Achter 406, 13: „Der Vortitel >Familiengeschichten< zum ersten Mal.“; zur Geschichte d. Sammlung Westerhold (Auktion Venator 1951 – WDR – UstB Köln) vgl. unten >Kataloge< (Rabeler)


- Dass. Schmuck-Ppbde.d.Zt.m.hs.Rckns.; Bd.2 nur m.Schmutztitel;etw.ber.120.00


- Henriette Bellmann. Ein Gemählde schöner Herzen. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.) Berlin (d.i. Wien: Haas) 1802. Gest. Frontisp. (Stöber n.Jury) / T. m. gest. Vign./ 259 S./ gest. Frontisp.(dito)/ T. m. gest. Vign. (Jüngling setzt sich Pistole an den Kopf) / 255 S. 2 Reihent. (= Sämmtl. Schriften 34/35) eingeb.; Neuer Ppbd. m. ornament. Überzugspap. u. Rckns. 2. Titelei hinterlegt; wen. Seiten stärker fl. – Nachdruck. Sangmeister 102.2; insges. gutes Exemplar 100.00


- Henriette Bellmann. Ein Gemählde schöner Herzen. Von August Lafontaine. Erster / Zweiter Band. Berlin (d.i. Stuttgart: Macklot) 1802. 317 S.// 320 S. Marm. Ppbde. d.Zt. m. hs. Rckns.; kleiner ovaler Stempel auf hinterem Innendeckel (>Gräfl. Adelmannsche Fideik. Bibliothek Hohenstadt<) - Nachdruck. Sangmeister 102.4 70.00


- Henriette Bellmann Ein Gemählde schöner Herzen von August Lafontaine. Erster Theil (von 2). Berlin (d.i. Wien: Haas) 1802. Gest. Frontisp. (Stöber) / gest. T. m. Vign./ 219 (recte 319) S. Hldrbd. d.Zt. m. Rcknaufkl. (tlw. abgelöst) u. dez. Rcknverg.; wen. ber. – Sangmeister 102.1 35.00


Fedor und Marie, oder Treue bis zum Tode. Von August Lafontaine. Berlin: Johann Daniel Sander, (Oktober) 1802. 2 Bll./ 394 S./ 1 Bl. Verlagsanz. HLdr. d. Zt. mit Rückenschild; oberes Kapital mit kl. Defekt; Deckel etwas berieben; T. gest. (>von Hake Hasperde<); Besitzeintr. a. Vors. v. alter Hand. Ohne den erst im Dez. d. Jahres ausgegebenen Kupfertitel 120.00

Aus der Bibliothek der Freiherren von Hake in Hasperde. Sangmeister 25; erste Ausgabe


- Dass. Neue, verbesserte Ausgabe. Berlin: Sander 1805. Gest. Frontisp. (Jury; russische Bauernstube) / gest. T. m. Vign. (Fedor auf dem Grab v. Marie mit Schiff im Hintergrund) / 388 S./ 1 Bl. (Vlgs.-Anz.) Ldrbd. d.Zt. m. 2 Rckns.; Kap. abgegr.; Außengel. Beschabt 160.00

Sangmeister 25.1; weitgehend gestrickt aus Briefen, geschrieben in St. Petersburg während d.ersten Jahrhunderthälfte


- Fedor und Marie, oder Liebe bis zum Tode. Wien u. Prag: Haas 1803. Gest. Frontisp. (Pöltzel)/ gest. T. m. Vign./ 374 S. Marm. Ppbd. d. 19. Jhs. m. Rckns., etw. best., Pap. tls. braunfl. 100.00

Sangmeister 105; in Rußland spielende Geschichte mit entsprechendem szenischen Kupfer.


- Fedor und Marie, oder Liebe bis zum Tode. Berlin und Leipzig (d.i. Stuttgart: vermutl. Macklot od. Uebel) 1803. T. m. gest. Vign. (Knabe m. Hund)/ 1 Bl./ 312 S. Ppbd. d.Zt. m. 2 Rckns.(= >1.Theil< – bezieht sich auf den hier nicht vorh. Reihent.), kl. Aufkl. a. hint. Vorsatz (>Ernst Frensdorff/ Antquariat, Berlin SW.11, Königgrätzer Strasse 44.<) - Sangmeister 105.3 100.00


Aphorismen und Maximen aus dem Gebiete der Liebe, Freundschaft und praktischer Lebensweisheit, von August Lafontaine. Gesammelt und herausgegeben von B.W.P. Ein Handbuch zur Erweckung der edelsten Gefühle, Deutlichkeit der Begriffe, Klarheit der Vorstellungen, und als ein Leitfaden zu einem hehren, reinen Lebensgenusse. Originalausgabe. Berlin (d.i. Prag) 1802. Im Verlag der Jos. Poltischen Buchhandlung. T./ gest. (allegor.) Frontisp. (v. C. A. Schindelang n. Adames) / (zweiter) T./ 1 Bl. (Widmung) / 202 S./ 1 Bl. (Anzeigen). Mit Schmuckpapier bezogener Ppbd. d.Zt. m. grünem hs. Rcknaufkl. u. Aufkl. a. Vorderdeckel (>Schlossbibliothek Jamnitz<); leicht ber. u. best.; Papier teils gebräunt; unbeschnitten verkauft

Von Sangmeister (104) unter der Rubrik >Nachdruckausgaben< geführt, ohne daß sich unter >Originalausgaben< eine Entsprechung finden läßt; also wohl erste Ausgabe.


- Dass. T./ 1 Bl. (Widmung) / 202 S. Einf. Ppbd. d.Zt.; fleckig; hint. Innendeckel mit Notaten von alter Hand – Exemplar ohne den ersten Titel, das gest. Frontisp. u. das Anzeigenblatt - 70.00


CRAMER


Julius der Verworfene. Von C. G. Cramer. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.) Frankfurt und Leipzig (o. Vlg.) 1803. VIII S./ S. (9)-127 / 168 S. T. v. Tl. 1 m. gest. Vign. Marm. Broschur d. Zt. m. einer Art zeitgenöss. Schutzumschlag aus dunkelrotem Ölpapier u. Rcknaufkl. (dieser läd.); hint. Gel. etw. schadhaft; Stempel (>Platzers´ Leihbibliothek<) u. Eintr. a. T. Einband l. angerändert Olderdißen 40.03; zuerst 1802 erschienen verkauft


1803


LAFONTAINE


Der Baron von Bergedorf, oder das Princip der Tugend. Von August Lafontaine. Berlin: Sander 1803 (So geht es in der Welt, 1) 3 Bll./ 458 S. Ppbd. d.Zt. m. 2 goldgepr. Rckns.; l. ber., an den Kanten best.; Buchblock etw. schief; Grünschnitt; Pap. ger. gebräunt verkauft (?)

Sangmeister 26. Hinter dem ersten Reihentitel ist fälschlicher Weise der Titel von >Eduard und Margarethe...Erster Band.< eingehängt.


- Der Baron von Bergedorf, oder das Prinzip der Tugend. Von August Lafontaine. Berlin (o. Vlg.) (d.i. Stuttgart: vermutl. Macklot od. Uebel) 1804 (So geht es in der Welt, 1). 352 S T. m. gest. Vign. (Schäferidyll). Hldbd. d.Zt. m. Rcknaufkl., ber. u. fingerfl., gebr. Ex. m. St. a. T. (>H. W. Ritter<), Vors. fehlen - Sangmeister 106.5; Druck. u. Reihen-T. m. Jahresangabe 1803 120.00


- Dass. Drucktitel fehlt; Reihentitel vorgebunden; T. m. gest. Vign. (s.o.) Neuer einfacher Lnbd. Papier am ob. Rand durchgängig gebräunt u. tls. schadhaft 65.00


Vermischte Aufsätze von August Lafontaine, Berlin (d.i. Wien: Haas) 1803. Gest. Frontisp. (Bergler) / T. m. Vign. (Schubert) / 270 S. Hldbd. d.Zt. m. reicher orn. Rcknverg. u. 2 Rckns. (>Lafontains Werke XXXX< u. >Aufsätze<) Marmorierung ber., kl. Stemp. a. T. (verso) verkauft

Titelauflage der Ersten Auflage des selben Jahres dieser Kompilation verschiedenster Erzählungen. Sangmeister 107.1. Enhält: Die Rückkehr ins Vaterland (eine tragisch-rührselige Emigrantengeschichte) / Treue und Dankbarkeit / Das Mädchen auf Freiersfüßen / Die Tochter der Natur, eine Familienszene / Suschen.


- Dass. Hldrbd. d.Zt. m. goldgepr. Rckns. 120.00


Eduard und Margarethe, oder Spiegel des menschlichen Lebens. Von August Lafontaine. Erster / Zweiter Theil (in 2). Berlin: Sander, 1803-04 (= So geht es in der Welt, 2-3). T./ 451 S.// T./ 436 S. Ppbde. d.Zt. m. goldgepr. Rckns.; Standschnitt unbeschn.; Einbände etw. ber. u. best. verkauft

Erste Ausgabe. Sangmeister 27. In dem Kapiel "Blasrohre und Kutschböcke: Männerphantasien als Leseanreiz" eruiert Sangmeister bestimmte Kunstgriffe u. -kniffe Lafontaines, wie moralisch unbedenklich "mehr oder weniger nackte Frauen" die Erzählbühne betreten können. "In etwa jedem dritten Roman öffnet ein (meist unverheirater) Mann unverhofft und ohne anzuklopfen eine Tür bzw. betritt zur Unzeit einen Raum und erblickt - stets zu seiner großen Freude - eine junge Mutter, die ein oder mehrere Kinder an ihrer Brust stillt, wobei die weibliche Brust meist mit dem Adjektiv "keusch" belegt, gleichzeitig immer als "schön", "voll" oder "jugendlich" gerühmt wird." (Sangmeister, Vergänglichkeit, S. 496) Als Beleg ein Zitat aus Eduard und Maragarethe: "Sie wendete sich von mir (d.i. Eduard) ab, ging wieder durch die geheime Thür, und ließ sie offen. Nach einigen Minuten rief sie mich mit leiser Stimme. - O Eduard, ich blieb, wie bezaubert, auf der Schwelle ihrer Thüre stehen. Könnte ich dir das schöne Bild beschreiben! Da saß sie, sanft weinend, mit einem nackten Kinde an der vollen, schönen Brust, und ihr schwarzes Haar hing in lieblichen Locken über den kleinen Engel. Sie blickte nicht auf, und weinte leise fort. Das Kind spielte mit ihren Locken, wendete dann das Köpfchen zu mir hin, und lächelte mich an. Nun drückte sie das Gesicht des Kindes an ihre Brust ..." (Bd. 1, S. 133)

- Dass. Haupttitel / Reihentitel / 1 Bl. (Nachricht d. Verlegers) / 451 S.// 3 Bl. (dito) / 436 S. Dek. marm. Hldrbde. m. Rckns. u. reicher Rcknverg.; Gelbschnitt; Lesebändchen; N. a. T. verkauft


CRAMER


Der Dom-Schütz und seine Gesellen. Erster und Zweiter Theil (in 2 Bdn.). Leipzig, Berger´s Buchhandlung (o.J.; um 1804 ?). T./ 406 S.// T./ 342 S./ 1 Bl. (Musikbeilage v. C. A. Goepfert). Etw. spätere Bibl.-Lnbde. (Teil 1 mit altem blauen Anzeigenblatt bezogen) m. gelben Rcknaufkl. (hs. nummeriert u. tls. abgelöst); ber. u. best.; auf Vorsatz Aufkl. (>Aus der Leihbibliothek von Georg Draudt in Wien, Wieden, Adlergasse Nr. 1025<) u. Exlibris (>Viktor Achter<); T. oval bestemp. (>Leihbibl. Draudt<); Pap. gebräunt u. etw. stockfl. 200.00

Olderdißen 41.01; Hier das von Olderdißen autopsierte Exemplar aus der Samml. Achter ohne die Kupfer und mit lediglich einer Musikbeil. (v. 2). Erschien zuerst bei Joachim in Leipzig 1803.


- Der Dom=Schütz und seine Gesellen von Carl Gott(lob) Cramer. Erster / Zweyter Theil (in 1). Hamburg und Leipzig (o. Vlg.) 1804. 320 S./ 254 S. Je Tl. mit gest. Titelvignette. Hldrbd. d.Zt. m. (verblasstem) Rcknt.; wen. ber. u. Buchblock etw. schief; Rotschnitt; Papier tls. stock- u. fingerfl.; insgesamt aber gut erhaltenes Exemplar verkauft

Olderdißen 41.02.; Hayn-Got.I, 685; Goedeke V, 510, 50. "In einem unwirtlichen Waldgebiet zwischen zwei feindlichen Fürtstentümern haust eine große Räberbande unter ihrem Anführer, dem >Domschütz<. Dieser Hauptmann war ehemals, wie der Leser im Verlaufe des Romans nachträglich erfährt, unter dem Namen Euros ein hoher adliger Würdenträger eines benachbarten Fürstentums. Ein fürstlicher Wüstling entführte ihm seine Geliebte (...), bei ihrer Rettung verfolgt, erschoß er sie und verschrieb sich den Räubern. Seine mächtige, reiche Bande straft die Großen und hilft dem unterdrückten Volk. Beispiele für solche Taten ausgleichender Gerechtigkeit füllen einen großen Teil der Seiten des zweibändigen, auf weiten Strecken in Dialogform geschriebenen Romans. Schurkische Beamte werden bestraft und die Siege über die Regierungstruppen in dem romantischen Räuberrevier unter gefühlvollem Gesang mit Hornbegleitung gefeiert. Als der Hauptmann mit einem Kreis Unzufriedener bekannt wird, die eine Verschwörung planen, verspricht er, mit seiner Bande am Sturz des tyrannischen Fürsten teilzunehmen. Doch im entscheidenden Augenblick rührt ihn der Anblick der schlafenden Fürstin mit ihrem Kinde. Er geht mit den Räubern auf die Seite des Fürsten über, der am sentimentalen Schluß gerührt inmitten der Bande steht." (Chlond, S. 89-90) Karl Moor und Rinaldo Rinaldini standen wohl unmittelbar am Taufbecken dieses Cramerschen Räuberkindes.


199.

Der schöne Flüchtling. Ein Paroxismus der Liebe. Arnstadt und Rudolstadt, bei Langbein und Klüger 1803. 312 S. Hldrbd.d.Zt.m.Rckns.; Deckelbez. tls. fehlend; stärker berieb. u. best.; m. kleineren Wurmgängen (ohne Textverlust); Pap. etw. fingerfl. u. gebräunt verkauft

Erste Ausg.; Hayn-Gotendorf I, 686; Olderdißen 42. „Meinem biedern Freunde, Herrn Ferdinand Ludwig Friedrich von und zu der Tann, vormals Kais. Kön. Oberleutnant, im sonst Wurmser= jetzt Fürst=Lichtensteinschen Wohllöbl. Husaren=Regimente, freundschaftlich gewidmet.“ Es folgt ein sechsseitiges Gedicht Cramers und eine 10seitige Vorrede über den Sinn und Unsinn von Vorreden. Unterzeichnet: „Meiningen, den 3ten März 1803.“


200.


- Der schöne Flüchtling. Ein Paroxismus der Liebe von Carl Gottlob Cramer. Frankfurt und Leipzig (o. Vlg.) 1804. 215 S. Gest. T.-Vign. (d´Argent). Ppbd. d. Zt. m. 2 Rckns. - Olderd. 42.02 – 140.00

201.

Scenen aus den Zeiten der Reformation. Dramatisirt von Carl Gottlob Cramer. 2 Teile in einem Band. Dresden (o. Vlg.) 1803. T./ VII (8-) 288 S. Mit gest. Frontispiz von J. Gerstner. Oppbd.; durchgehend stockfleckig, Einbd. stärker defekt, m. abgerieb. Fehlst., ansonsten sauber verkauft

Durchgehend paginiert. Der erste Teil endet mit der Seite 140. Es folgen Zwischentitel, (1) Bl. (Personen) u. der Text v. Tl. 2 ab S. 145; erste Ausgabe; Olderdißen 43


202.

- Dass. Schmuckppbd. d.Zt. m. Flachrücken u 2 Rckns. ber. u. Gel.-Läsuren a. d. Kapitalen; Mongrammst. a. T. (>F I Z<) u. Bes.-Aufkl. a. Vors. (>Joh. v. Dierzer<); ordentl. Ex. 140.00

1804


LAFONTAINE


203.

Barneck und Saldorf. Von August Lafontaine. Erster / Zweiter Theil. Berlin, bei J. D. Sander, 1804-1805. T.-Kpfr. (Jury) / T. m. gest. Vign./ 406 S.// T.-Kpfr. (Jury) / T. m. gest. Vign./ 416 S. Marm. Hldrbde. d.Zt. m. goldgepr. Rcknt.(stark berieb.); Kapitale abgest.; berieb. u. Rckn.kanten tls. läd; 1. Bd. etw. schiefgelesen; Titel wasser- bzw. fingerfl.; letzte Seite v. Bd. 1 gekl. 140.00

Sangmeister 28; erste Ausgabe (hier ohne Reihent.); Roman, der im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beginnt und als deutsches Personen-Verwirrspiel endet.


204.

- Barneck und Saldorf von August Lafontaine. Erster / Zweiter Theil. Berlin (d.i. Wien: Haas) 1805. T.-Kpfr./ gest. T. m. Vign./ 318 S.// T.-Kpfr./ gest. T. m. Vign./ 326 S./ 1 Bl. Anzeige >Bibliothek für die gebildete Lesewelt<. Marm. Broschur d.Zt.; unbeschnitten; Broschur a. Rckn. tlwse. eingerissen, fleckig u. mit kleineren Fehlstellen; Pap.gering gebräunt; insgesamt etwas angestaubt und gelesen - Sangmeister 109 90.00


205.

- Dass. (ohne d. Anzeige). 2 marm. Ppbde. d.Zt. m. Rckns. (eines abgelöst); Titelei v. Bd. 2 gelockert; stärker best.; insgesamt unfrisch u. tls. fleckig 90.00


206.

Sittenspiegel für das weibliche Geschlecht. Von August Lafontaine. Erster (bis) Sechster Band (in 4). Görlitz: Anton 1804-1807 (und) Halle: Renger 1811 (Bd. 6). Gest. Frontisp. (Frosch n. Catel) / 4 Bl./ 376 S.// gest. Frontisp. (Kaiser n. Catel) / 2 Bl./ 392 S.// gest. Frontisp./ 2 Bl./ 337 S.// gest. Frontisp. (Veith n. Catel) / 2 Bl./ 328 S.// T./ 342 S.// T./ 324 S. Dekorative marm. Hldrbde. d.Zt. m. je 2 Rckns. (Bd. 6 nur 1) u. reicher Rcknverg. (5 u. 6 etw. abweichend geb.; Rckn.-Zählung: 1 (Bd. 1 u. 2), 2 (Bd. 3 u. 4), 5, 6); tls. etw. ber. u. best.; 1 Bd. m. kl. Wurmgang; N. a. T. 480.00

Erste Ausgabe, Sangmeister 29; danach enthalten die ersten drei Bände der Sammlung Beiträge aus dem 1792/1793 erschienenen Museum für das weibliche Geschlecht (und, wie hier im Vorbericht auch ausgewiesen, aus dem von Carl Friedrich Bahrdt herausgegebenen und dann von Lafontaine übernommenen Vorläuferperiodikum Zeitschrift für Gattinnen, Mütter und Töchter), die drei Schlussbände Erzählungen und Romane. Die letzten beiden Teile wurden aus Erfolgsgründen angehängt und hatten z.Tl. auch separate Titel (hier etwa Bd. 6: Natur und Kunst, oder Täuschungen des Lebens ) Vollständig wie hier recht selten.

207.

- Dass. Erster Band (v. 6). Gest. Frontisp. (Frosch n. Catel) / 3 Bl. (Vorbericht u. Inhalt) / 376 S. Schmuck-Ppbd. d.Zt. m. goldgepr. Rckns.; wen. ber. u. best., dekoratives Exemplar 140.00

Hier abgeschlossene Kleinprosa und wenige Sachbeiträge.


208.

- Dasselbe. Vierter Band (von 6). Ebd. 1805. Gest. Frontisp. (Veith n. Catel) / 1 Bl. (Inhalt)/ 328 S. Einbd.u.Zustand wie vorstehende Nr., kl. Fleck a. Vorderd. 80.00

Enthält drei Erzählungen: vgl. Sangmeister 29


209.

Eigenhändiger Brief „Halle, den 8ten 9tbr 1804“ (8. Nov. 1804) an den Magdeburger Domprediger Johann Friedrich Wilhelm Koch (1759-1831), unterschrieben mit „und somit bin ich / Ihr ganz eigner Lafontaine“; halbe Seite a. 1 gef., etw. gebräunten Doppelblatt 400.00

Auch hier geht es um das liebe Auskommen: Lafontaine bittet Koch, seine Interessen an der Zuteilung eines Kanonikates an dem Magdeburger Stift St. Petri und Pauli zu vertreten. Der Brief beginnt: „Ein Canonicus des Stifts Peter u. Paul, worauf ich die prima preces habe ist Todt, mein lieber Koch;“ (Ein Teil des weiteren Textes ist abgedruckt bei Sangmeister, Vergänglichkeit, S. 164). Das Unterfangen mißlingt übrigens.


1805


LAFONTAINE


210.

Die Erbschaft. Von Lafontaine. In: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1805. Herausgegeben von Huber, Lafontaine, Pfeffel und andern. Tübingen: Cotta o.J. Gest. Frontisp./ VII S./ gest. Tfl./ 232 S. m. 8 Kpfr-Tfln./ 4 Bl. (Vlgs.-Anz.), S. 180-226. Grüner, ornamental bedruckter Originalüberzug auf zeitgenössische Broschur aufgebracht; mit Bereibungen u. kleinen Mängeln; Goldschnitt (ungleichmäßig); kl. Namenseintr. a. T. – insgesamt ordentliches Exemplar 120.00

Den Jahrgang 1805 eröffnet Schillers Jüngling am Bach, weiterhin steuerte der Dichter sein Berglied bei.“ (Lanck../Rümann 66; dort auch zu den Künstlern Catel, Meyer, Waechter, Lips u. Bolt); Marwinski 601; Köhring 112; Goldschmidt 311 (zu den Verlagsanzeigen am Schluß); Sangmeister 214


211.

Das Haus Bärburg, oder der Familienzwist. Von August Lafontaine. Berlin: Johann Daniel Sander 1805. 504 S./ 1 Bl. (Vlgs.-Anz.) Sehr schöner marm. Hldrbd. d.Zt. m. Rckns., reicher Rcknverg., Lesebändchen, Gelbschnitt etc.; wen. ber., Ecken etw. best.; N. a. T.; innen tadellos - Erste Ausgabe; Sangmeister 30 220.00


212.

- Dass. Berlin und Leipzig (Stuttgart: Macklot oder Uebel) 1806. 388 S. Marm. Ppbd. d.Zt. m. hs. Rckns.; kl. ovaler Stempel auf hinterem Innendeckel (>Gräfl.Adelmannsche Fideik. Bibliothek Hohenstadt<); Titel etwas angeschmutzt 120.00

Sangmeister 110.2. "(...) man überredet sich leicht beym Lesen seines Familienzwistes, daß es ihm nur an Zeit gefehlt habe, um selbst der Erste (in der Anerkennung des Rezensenten) zu seyn. Spuren der Eilfertigkeit sind im Ganzen, wie im Einzelnen sichtbar. Daher erinnert sich Hr. L. so oft selbst, und wiederholt sich in Charakteren, Situationen u.s.f.; daß man wohl hie und da einmal versucht wird, zu glauben, man müsse das schon irgendwo bey ihm gelesen haben, was man doch eigentlich noch nicht gelesen haben sollte. Dieß ist besonders auch der Fall in seinen Verwickelungen, die er nur sich selbst fast alltäglich gemacht hat. Die Leichtigkeit der Sprache, die auch nicht ganz ohne Grazie ist, hat alle Lafontainesche Schriften empfohlen, und empfiehlt auch diese." (JALZ, März 1807, S. 606)


213.

Dramatische Werke von August Lafontaine. Görlitz, bei C. G. Anton 1805. Gest. Frontisp. (Frosch n. Schubert) / gest. T. m. Vign. (Frosch) / 1 Bl./ 150 S./ 1 Bl./ 159 S. Dek. marm. Hldrbd. m. Rckns. u. reicher Rcknverg.; Gelbschn.; Lesebd. (abgel.); nur ger. ber./ best.; N. a. T. verkauft

Erste Ausgabe; Sangmeister 31; in Tl. 1 Die Tochter der Natur. Eine Familienscene; in Tl. 2 Die Prüfung der Treue, oder: die Irrungen. Ein Lustspiel.


CRAMER


214.

Nettchens Hochzeit von Carl Gottlob Cramer. Rudolstadt bei Langbein und Klüger 1805. T. / 248 S. Hldrbd. d.Zt. m. hs. Rcknaufkl.; ber. u. best.; Exlibr. a. Vors. (>Viktor Achter<); T. zweifach gest. (>A. Mejstrik, Buchhandlung und Antiquariat Wien< u. >Dr. Adolf Machatschek<); Pap. gebräunt; stellenweise finger- u. stockfl.

Olderdißen 45; Samml. Achter 144, 14; erste u. einzige Ausgabe – Kaufmanns-roman um einen Herrn >Saldo<, der seine Tochter verschachert verkauft

.

215.

- Dass. Ppbd. d.Zt. m. hs. Rcknaufkl. Ecken best.; Pap. etw. braunfleckig; o. Vorsätze 150.00


216.

Neue Gemälde des menschlichen Herzens von Cramer, Kozebue (!), Lafontaine, Spieß und andern mehr. Neue vermehrte und verbesserte Auflage. Zofingen (d.i. Leipzig: Joachim) 1806. T. m. gest. Vign./ 220 S./ 2 Bl. (Inhalt u. Vlgs.-Anz.) Schmuck-Ppbd. d.Zt. m. (blindem) Rcknaufkl./ T. m. größerem Monogramm-Stempel (>G.S.<); Rotschnitt – tadelloses Bändchen - verkauft

Zuerst 1805 ersch.; Olderdißen 66.77; außer den Genannten noch Beiträge v. Weiße, Hiemer, Rochlitz u. Streithorst; nach Sangmeister 156 bereits 1801 in Prag bei Polt erschienen





1806


LAFONTAINE


217.

Die Familienpapiere, oder die Gefahren des Umgangs. Von August Lafontaine. Erster / Zweiter Theil (in 2 Bdn.) Berlin: Sander 1806. T./ 486 S.// T./ 425 S. Ppbde. d.Zt. m. blauen goldgepr. Rckns.; berieb. u. best. - Erste Ausgabe; Sangmeister 32. (hier ohne die beiden Titelkupfer) verkauft

Der Rezensent >C.f.r.z.< der Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung lobt, wenngleich auch etwas ironisierend: "Die Ausführung (...) ist ganz in der bekannten Manier des Hn. Lafontaine: eine Scene des peinigenden Kampfes der Pflicht mit der Leidenschaft folgt auf die andere, die unglückliche, sich selbst verzehrende, unaufhörlich zwischen Entzücken und Verzweiflung schwebende Liebe wird mit übersättigender Ausführlichkeit und mit der entnervenden Empfindseligkeit geschildert, welche alle Producte dieses Schriftstellers charakterisirt. Die Tugend bleibt zwar trotz den ewigen Kämpfen und der nahen Gefahr des Unterliegens, meistens durch Zufall, am Ende Siegerin; aber ihres Sieges kann man nicht froh werden, da die von dem vielen Gram und Schmerz und Kummer zerweichte Empfindung kein Gefühl von Erhebung und Freude zuläßt. Es bietet sich überhaupt die Bemerkung dar, daß dieser Autor einen vorwiegenden Hang hat, den Menschen von Seiten seiner Schwäche und Gebrechlichkeit zu schildern, und man muß gestehen, daß er auch hierin weit glücklicher ist, als im Darstellen der edlen Menschennatur (...) Wir versichern nur noch die Liebhaber, daß es auch in diesem Werke einen Überfluß giebt von feuchten Augen, glänzenden Thränen, pochenden Herzen, und tiefen Seufzern." (JALZ, August 1811, S. 336)


218.

- Dass. Marm. Hldrbde. d. Zt. m. 2 Rckns. u. dez. Rcknverg. (abgerieben); Bd. 1 Gel. am ob. Kap. angebrochen u. Titelei wellig; T. m. gekröntem Monogrammstempel; N. a. Vors. verkauft (?)

219.

- Die Familienpapiere oder die Gefahren des Umgangs. Erster / Zweiter Theil (in 1). Berlin und Leipzig (d.i. Mannheim?: Löffler?) 1807. T. m. gest. Vign. (Knaben vor Wassermühle auf Brett über einem Stein wippend) / 1 Bl./ 367 S./ T. m. gest. Vign. (zwei raufende Knaben)/ 327 S. Ppbd. d.Zt. m. Rckns, leicht berieb. u.minimal schief gelesen; alter ovaler Stemp. (>Bibliothek d. städt. Museum Salzburg<) - Nachdruck. Sangmeister 112.3; nicht bei Veitenheimer 120.00




CRAMER


220.

Bekenntnisse des Ex-Minister Hirkus. Ein Schwanz zum goldnen Kalbe. Von einem alten Bekannten. Leipzig: Joachim, 1807. T./ 262 (von 263) S. Hldrbd d. Zeit m. Rückenvergoldung; Rückenbezug mit Fehlstelle am Kopf, Hinterdeckel beschabt, Vorderdeckel m. Nagespuren, erste Lagen mit Nässespur oben im Falz, Gelenke gelockert; es fehlt das letzte Blatt. verkauft

Dritte Auflage eines späten, zuerst 1806 erschienenen Werkes von Carl Gottlob Cramer. Erst in einer 1823 unter abweichendem Titel erschienenen Ausgabe wird der Band als Seitenstück zu Cramers "Paul Ysop" bezeichnet. Von Kaldewey (Lesekabinett 12, 1979, 79) als >Staatsroman< bezeichnet. Weiter heißt es dort verallgemeinernd: „In leichtfaßlichen Texten vermittelt er einen realistischen Einblick in die verkommenen politischen und sozialen Verhältnisse an den Fürstenhöfen seiner Zeit. Der Leser konnte sich mit den Leiden u. Auflehnungen der Cramerschen Helden gegen die Obrigkeiten identifizieren. Zu Recht weist die neuere Forschung (Beaujean u.a.) auf den gesellschaftskritischen Aspekt der Cramerschen Werke hin. Er ist der >politischste< der erfolgreichen Unterhaltungsschriftsteller seiner Zeit u. seine Wirkung auf die politische Meinungsbildung wäre lohnenswert zu untersuchen.“ So pauschal formuliert wäre zunächst einmal der Wahrheitsgehalt dieser Einschätzung zu untersuchen, sodann der Bezug zu vorliegendem Werk wie auch evt. zu Bentzel-Sternaus Goldenem Kalb. Olderdißen 46.02; Sammlung Maassen 746; vgl. Goed. V, 511, 59 u. Hayn/Got. I, 684


221.

Ritter Euros und seine Freunde(.) Frühjahre des Dom-Schützen. von C. G. Cramer. Leipzig, in Joachims Buchhandlung o.J. Gest. T./ 248 S. Marm. Hldrbd. d.Zt. m. Rckns.; stockfl. 90.00

Erste Ausgabe; Olderdißen 47 gibt (wohl nach Hamb./Meusel XVII, 358) 1805 als Erscheinungsjahr an, was sonst nicht nachweisbar ist. Dem vorliegenden Exemplar fehlt das Titelkupfer!


222.

- Ritter Euros und seine Freunde. Frühjahre des Dom-Schützen. Von C. G. Cramer. Berlin und Leipzig (d.i. Wien, o.Vlg.) 1806. T./ 212 S. Broschur d.Zt.; unaufgeschnittenes Expl. 90.00

Olderdißen 47.02. Durch den Erfolg des >Domschütz< geleitet, verfasste Cramer die Vorgeschichte, eine Art >Domschütz Rising<, die aber weitaus schwächer ausfiel. Trotzdem erschienen neben der einzigen Originalauflage immerhin drei Nachdrucke.


223

- Dasselbe. Leipzig (d.i. Wien, o. Vlg.) 1809. Gest. Frontisp.(Mansfeld n. Perger) / T./ 220 S./ 2 Bll. Vlgs.-Anz. Marm. Ppbd. d.Zt. m. Rckns.; ber. u. best; Titelei l. wasserfl. u. gebr. 90.00


224.

- Dasselbe. Einf. Broschur d.Zt.; unbeschnitten; Exlibr. a.Vors. (>Viktor Achter<); etw. gebräunt; Titelei m. kl. Feuchtrand; Umschlag ausgebessert - Olderdißen 47.03; Samml. Achter 145, 15 80.00

225.

Leben und Schicksale des ehrlichen Septimus Storax eines Kreuzbruders des Erasmus Schleicher. Von Carl Gottl. Cramer. Leipzig (d.i. Wien), (o.V.) 1809. Gest. Frontisp. (F. Weber)/ T./ XX S. (Vorrede)/ S. (21) – 230 S. Marm. Hlnbd. d.Zt. m. hs. Rcknaufkl. (dieser m. Randläsur); ber. u. best.; Exlibr. a. Vors. (>Viktor Achter<) u. Aufkl. (>Aus der Leihbibliothek von Joh.Wastl in Baden, Alleegasse Nr. 114<); Pap. gebräunt u. stockfleckig; Leihbibl.-St. a. T. verkauft

Olderdißen 48.03; Samml. Achter 145, 16; Kaldewey´s Lesekabinett 12, 84: „Entwicklungsroman eines Weberjungen.“ S. 24 / 25 falsch mit 214 / 215 paginiert; zuerst 1806 erschienen.

Am Anfang steht ein Fund aus dem Altpapier: „Ich hatte meine Stieglitze gefüttert; und da ich den Papiersack, worin das Futter war, so ganz mechanisch wieder zusammen bog, (...) fand ich doch – glücklicher als jene geist- und herzlosen Antiquare – wenigstens die Spur einer Geschichte, die schon lange mein Herz interessirt, und meinen Geist beschäftigt hatte.“ (S. IV f) Zum Vorschein kommt dabei eine Art >Ehestandsgeschichte<: „Nur selten wird in seinen Erzählungen die Ehe zum Problem, so in >Septimus Storax<. In diesem kurzen, 1806 erschienenen Roman scheitert der arme Theologiekandidat nicht nur durch seine eigene Beschränktheit am Leben, sondern auch durch die Unwürdigkeit seiner bildungsmäßig und charakterlich weit unter ihm stehenden Frau Susette. Man scheut sich zwar, einen Dichter wie Jean Paul zu unserem Vielschreiber in Beziehung zu setzen, doch gewisse Vergleiche mit dem >Siebenkäs< drängen sich bei der Lektüre dieser Erzählung förmlich auf.“ (Chlond, S. 135) Zum Teil finden sich wohl auch autobiographische Spiegelungen aus Cramers Studienzeit in dem Roman (Erman-Horn I, 16722).


226.

- Dasselbe. Marm. Hlnbd. d.Zt. m. goldgepr. Rcknt. >Edmunds´ Prüfungen<; ber. u. Ecken etw. best.; ovaler Stempel auf T. u. S. (23) (>A. F. KRAL.<); Pap.ger. fleckig, l. gebräunt verkauft



1807


LAFONTAINE


227.

Gemähldesammlung zur Veredlung des Familienlebens (Nebentitel: Die Brüder oder der Wildfang.) Von August Lafontaine. Erster / Zweiter Theil (in 2 Bdn.) Berlin: Sander 1807. T./ 435 S.// T./ 471 S. Dekorative, leicht voneinander abweichende (Deckel; Rcknstempelung) Hldrbde. d.Zt. m. 2 Rckns. u. reicher Rcknverg.; wen. ber.; tls. etw. gebräunt; N. a. T. verkauft

Erste Ausgabe; Sangmeister 34; „Da gibt es einen zweibändigen Roman mit dem Titel >Die Brüder oder der Wildfang< (Berlin 1807). Die Brüder, die dem Roman den Titel geben, sind Eduard und Adolph Schlauch. In den einen Schlauch werden alle Hochherzig- und Edelmütigkeiten hineingestopft, in den anderen alle Niedrig- und Schlechtigkeiten. Zwischen den beiden Brüdern steht Emilie, die Heldin des Romans. Sie ist freilich alles andere als ein Wildfang, wie es der Titel des Romans vermuten ließe, vielmehr nach dem Wunschbilde der Zeit ein seelenvolles Mädchen und außerdem – was ihren Wert in den Augen des Autors und des Publikums beträchtlich erhöht, - Erbin von fünfmalhunderttausend Mark. Insofern ist sie also doch ein sehr kostbares Wild, das zu fangen die Mühe lohnt. Es ist wohl überflüssig zu sagen, daß am Ende der edle Eduard über den argen Adolph triumphiert und die geliebte Emilie heimführt... Das ganze Motivreservoir wird aufgeboten: Reisen, Verwechselungen, Überfälle, Ent- und Verführungen; ein Labyrinth verwickelter Handlungen wird erfunden, die meist sehr unglaubwürdig sind und nur den Zweck haben, die Spannung zu steigern und die Lösung herauszuzögern.“ (Greiner, S. 86 f)

228.

- Der Wildfang oder Die Brüder von Aug(ust) Lafontaine. Erster/ Zweyter Theil (in 2 Bdn.) Wien und Prag bey Franz Haas 1809. Gest. Frontisp. (Neidl n. Schedi / d.i. Georg Vincenz Kininger) / gest. T./ 320 S.// gest. Frontisp. (dito) / Gest. T./ 344 S. Dunkelblaue Ppbde. d.Zt. m. Rckns.; stärker ber. u. best.; Pap.gebräunt verkauft

Wiener Nachdruck der zuerst bei Sander in Berlin erschienenen Ausgabe. Sangmeister 116.2

229.

Er verführt seine eigene Frau. Von Lafontaine. In: Taschenbuch für Damen auf deas Jahr 1807. Herausgegeben von Huber, Lafontaine, Pfeffel und andern. Tübingen: Cotta o.J. Gest. Frontisp./ T./ 2 Bl./ 16 S./ 2 gest. Tfln./ 218 S. m. 10 gest. Tfln/ 6 Bl. (Vlgs.-Anz.), S. 207-218. Grüne bedruckte OBroschur. Goldschnitt; kl. N. a. T.; etw. berieben. 180.00

...der aus Schillers Nachlaß das Widmungsgedicht zu seinem Wilhelm Tell an Karl Theodor von Dalberg enthält, sowie ein Hochzeitsgedicht...“ (Lanck./Rümann 66f; dort auch zu den Doppelszenen aus der bürgerlichen Sonntagsgestaltung von der Tochter Chodowieckis); Sangmeister 216; hier nur Beginn der Erzählung Lafontaines!

230.

Arkadien von August Lafontaine. Erster (und) Zweiter Band (von 3). Wien und Prag bey Franz Haas 1808. Je ein T.-Kpfr. (anonym) u. gest. T./ 245 S.// 235 S. Hldbde. d.Zt. m. Rckns. u. goldgepr. Initiale (A) u. Bandnr. (95/96). Frontisp. u. T. leicht gebräunt; dek. Exemplar. 120.00

Nachdruck der bei Ruff in Leipzig u. Halle 1807 erschienen Ausgabe (= Gemälde des menschlichen Herzens in Erzählungen, 7-9). Sangmeister 117; Bd. 3 fehlt. „Für Lafontaine exemplarische Ehen über Standesgrenzen hinweg stehen am Ende des schematisch konstruierten Romanes Arkadien (1807), der die Geschichte zweier benachbarter, durch ihre Klassenzugehörigkeit aber getrennter Familien enthält. Gleich eingangs werden die zeitgleich stattfindenden Hochzeiten des Freisassen Franz mit Auguste Solms und des Majors von Wolfenstein mit der adligen Emma kontrastiert. Die Familie des Freisassen Franz, der als Landbesitzer kein gemeiner Bauer, sondern vielmehr ein wohlhabender, gebildeter, gottesfürchtiger und humaner Mann ist, verfügt, wie Lafontaine zu zeigen bemüht ist, über einen Seelenadel, der höher zu bewerten ist als der Geburtsadel der von Wolfensteins, die mit Ausnahm des Majors als eine törichte, hartherzige und adelsstolze Familie gezeichnet werden. Im zweiten und dritten Band des Romanes verknüpft Lafontaine nun die Handlung dergestalt, dass diese beiden so gegensätzlichen Familien sich immer näher kommen... Adel und gehobener Bauernstand werden vermählt, der Klassengegensatz durch kreuzweise Verbindung der egalitär erzogenen Kinder aufgehoben.“ (Sangmeister, Vergänglichkeit, S. 440).


231.

Heinrich Oder Der Familienehrgeitz von Aug(ust) Lafontaine. Wien: Haas 1809. Gest. T./ 278 S. Etwas späterer HLnbd. einer Leihbibliothek m. hs. Rcknaufkl.; Kap. m. kleinerer Fehlstelle, angestaubt u. best., innen leicht gebräunt u. stellenweise etw. fleckig; Titelei stärker fingerfl. u. mit Feuchtigkeitsfleck; hs. Besitzeintrag von alter Hand auf Schmutztitel 70.00

Sangmeister 120. Nachdruck des 5. Bandes des Sittenspiegels für das weibliche Geschlecht (Görlitz: Anton 1807); dort gedruckt unter dem Titel "Der Familienehrgeitz oder die Freundschaft"; ohne d. Titelkupfer


232.

- Dass. Gest. Frontisp./ gest. T./ S. (3)-278. Marm. Ppbd. d.Zt. m. Rcknaufkl.; ger. Überzugsdef.; Pap. u. gest. Titelei fleckig, m. kl. St. (>Platzers Leihbibliothek<) u. Bibl.-Aufkl. 100.00





1808


LAFONTAINE


233.

Aline von Riesenstein. Von August Lafontaine. Erster (bis) Dritter Band. Halle und Leipzig: Ruff 1808. Gest. Frontisp. (Rosmaesler) // T./ 342 S./ T./ 358 S.// T./ 218 (recte 318) S. Marm. Ppbde. d.Zt. m. je 2 Rckns. (diese m. Randläs.); ber. u. best.; St. a. T. (>Victoire z. L.<); Besitz-Eintrag a. Vors.; Rotschnitt – Erste Ausgabe; Sangmeister 35 (danach hat jeder Band ein T.-Kupfer!) - verkauft


234.

Die beiden Bräute. Von August Lafontaine. Erster / Zweiter Theil (in 2 von 3). Berlin: Sander, 1808. T./ 372 S./ T./ 452 S. Marm. Hlnbde. d.Zt. m. Rckns., u. Rckn.-Aufkl.(etw. angerändert); T. (verso) gest. (Besitz: >F. F. Bibliothek Donaueschingen<), Pap. leicht gebräunt 120.00

Tadelloses, leider inkomplettes Exemplar d. selteneren Spätwerkes; Erste Ausgabe – Sangmeister 36; der Roman um die Familie Norden bettet das immer wieder gerne aufgenommene Thema sozialer und konfessioneller Beziehungshindernisse ein in ständige Reisebewegungen, beginnend etwa mit einer Rheinreise, dann häufige Schweiz- und Italien-Aufenthalte und schließlich am Ende von Band 1 auch ein Abstecher in das revolutionäre Paris, wo die Adelsfamilie von Warf offenkundig in gefährliche Kollaborationspläne mit französischen Emigranten verwickelt ist, worauf auch der immer mal wiederkehrende Schauplatz Koblenz hindeutet (nicht bei Harro Zimmermann erwähnt, der a.a.O. (s.o.), S. 287, immerhin fünf >Emigranten-Romane< Lafontaines aufzählt)


235.

. Dass. Drei Bände. (Dritter Theil): Berlin: Sander 1809. T./ 333 S. Schmuckppbde. d.Zt. im Stile v. Hldrbdn. (abgesetzter Rchn.) m. je 2 Rckns. u.Rcknaufkl; wen. best; Pap. tls. gebräunt verkauft

Hier die komplette erste Ausgabe mit dem ein Jahr später erschienenen 3. Band.


236.

- Die beyden Bräute von Aug(ust) Lafontaine. Erster / Zweyter / Dritter Band (in 3). Wien u. Prag: Haas 1810. Gest. Frontisp. (v. J(oseph) Neidl n. Schedi (d.i. Georg Vincenz Kininger) / gest. T./ 276 S.// Gest. Frontisp. (anonym) / gest.T./ 340 S.// Gest. Frontisp. (anonym) / gest.T./ 248 S. Ppbde. d.Zt. m. roten Rckns.; berieb. u. best.; Pap. ger. fl. Sangmeister 122 150.00



CRAMER


237.

Der Glücks = Pilz von Carl Gottlob Cramer. IIs. Bändchen. Leipzig, in Joachims Buchhandlung. o.J. (1809). Gest. T./ 184 S. (Druckvermerk am Schluß: >Halle, gedruckt bei Leopold Bäntsch<). Hldrbd. d.Zt.; leicht ber.u.gering best.; T. bestempelt („Aus der Schulzeschen Buchhandlung in Oldenburg“); Pap.gebräunt; Nr. a. Innendeckel – ordentlich verkauft

Schlussband der ersten Ausgabe. Olderdißen 49; Hayn/Got. I, 686 (>Pikanter Familienroman<); hier weder pikant (dafür ziehen Hayn/Got. eine Szene des ersten Teiles heran) noch Familie: Nach typisch Cramerschen Allerwelts-Auslassungen über Erziehung, Geschichte und Religion wird der Werdegang der elternlosen Hauptperson Fritz - offensichtlich am Schluß des ersten Bandes einer Räuberbande (>berüchtigte Domschützenbande<!) entkommen – hier nachgereicht; dann Übergang zu Üblichem: Einkerkerung, Liebe und schließlich Hochzeit mit seiner Lotte.


1809


LAFONTAINE


238.

Raphael oder das stille Leben. Von August Lafontaine. Halle und Leipzig: Ruff 1809. 384 S./ 1 Bl. (Vlgs.-Anz.) Dek. marm. Hldrbd. d.Zt. m. Rckns.; etw. ber.; Pap. etw. fl.; N. a. T. 140.00

Erste Ausgabe; Sangmeister 37 (ein dort angegebenes T.-Kupfer von Kininger fehlt hier)


239.

- Dass. Stuttgart: Macklot 1810. 305 S. Marm. Ppbd. d.Zt. m. hs. Rckns. kleiner ovaler St. im hint. Deckel (>Gräfl. Adelmannsche Fideik. Bibliothek Hohenstadt<) – Sangmeister 124.1 110.00


240.

- Raphael, oder das stille Leben. Von Carl (!) August Lafontaine. Wien und Prag bey Franz Haas 1810. Gest. Frontisp. (Gerstner n. Schedy / Kininger) / get. T./ 304 S. Def. Ppbd. d.Zt. (vom Vorbesitzer mit einf. Kartonage eingebunden); N. a. Vors.; Titelei stark verschmutzt; letztes Blatt lose u. m. Eckabriß (leichter Buchstabenverlust) – Sangmeister 124 80.00


241.

Emma. Von August Lafontaine. Erster u. zweiter Theil. Berlin: Sander 1809 / 1810. T./ 394 S./ 1 Bl. (Vlgs.-Anz.) / T./ 372 S./ 1 Bl. (Vlgs.-Anz.) Marmorierte Hldrbde. d.Zt. m. 2 Rckns. (etw. farbl. abweichend) u. kl. Rcknaufkl. am unt. Kap.; vord. Gel. v. Bd. 1 etw. brüchig u.m. l. Wurmspuren unten verkauft

Dekoratives Exemplar d. ersten Ausgabe; vgl. Sangmeister 40


242.

- Dass. Erster Band (von 2). Berlin: Sander 1809. T./ 394 S. (Impressum hinten: Berlin, 1809. Gedruckt bei Karl Friedrich Amelang, Neue Friedrichstraße No.86.) Hldbd. d.Zt., Rckn. m. stark verbl. Vergoldung, das blaue Bezugspap. angerändert, stärker ber., Kap.u.Ecken best., innen wen. Gebr.spuren; Rotschnitt;N.a.T. verkauft

243.

Das Testament von A. Lafontaine. Erster (bis) dritter Band (in 3). Halle: Renger 1809. Je ein gest. Frontisp. (v. Schmidt n. (Veit) Schnorr (v. Carolsfeld), Bd.1-2, u. von J(ohann) C(hristian) Böhme, Bd.3) u. 1 gest. T. 334 S.// 334 S.// 327 S. Etwas spätere schwarze Hldrbde. m. goldgepr. Rcknt. u. Rcknnr.; Vors. u. T. gestemp. (>Heilanstalt Bücherei Winnental< u. >Kön. Heil=Anstalt Winnenthal<); etwas ber.; T.-Kpfr. a. Vorsatz geklebt; T. u. Kpfr. v. Bd.2 ankoloriert; Pap.finger-u. wasserfl. u.stellenweise gebräunt. Erste Ausgabe; Sangmeister 38 verkauft


244.

- Dass. 3 Tle. (in 2 Bdn.) Ebd. 1809. T./ 334 S./ T./ 334 S./ gest. Frontisp. (Böhme n. Schnorr) / gest. T./ 327 S. Dekorative Hldrbde. d.Zt. m. 2 Rckns. u. dez. Rcknverg.; etw. unterschiedl. gebleicht u. wen. fleckig; kl. Wurmspur a. Rckndeckel v. Bd. 3; Pap. tls. gebr.; N. a. T. 150.00

Auf den Titeln der ersten beiden Bände vermerkt: „Das Kupfer ... wird nächstens nachgeliefert.“


245.

- Das Testament. Von A. Lafontaine. Erster (bis) dritter Band (in 3). Leipzig: Berger´s Buchhandlung o.J. T./ 334 S.// T./ 334 S.// T./ 327 S. Einfache blaue brosch. Bde. d.Zt. Papieraufkl. a. Rckn. m. Bleistift römisch (I-III) nummeriert. Seitenspiegel tls. gebräunt 120.00

Lt. Impressum gedruckt bei Leopold Bäntsch in Halle; auch die Orig.-Ausg. erschien 1809 in Halle bei Renger (Sangmeister 38), beide Ausgaben mit derselben Paginierung (die wohl nachgelieferten, seitlich knapp beschnittenen Titel deuten gar auf Druckidentität der Buchblöcke hin), hier jedoch ohne die Titelkupfer; vorliegende Ausgabe nicht bei Sangmeister.


246.

Karl oder welch ein Herz von August Lafontaine. Wien und Prag: Haas 1809. Gest. Frontisp./ gest. T./ 271 S. Hldrbd. d. Zt. m. violetten Deckeln 2 Rckns. u. 1 Rcknaufkl.; geaderter Schnitt; T. verso m. rotem Wappenst. (>Tetschner Bibliothek<); Pap. im hint. Tl. fleckig; etw.. ber. 140.00

Sangmeister 119; einzige Ausgabe. Enthält außerdem die Erzählungen Der Lohn der Treue und Minchen.


247.

Eduard oder der Maskenball. Von August Lafontaine. Erster / Zweiter Band (in 1 von 3). Halle und Leipzig: Ruff 1809 (Gemälde des menschlichen Herzens in Erzählungen 13./ 14. Theil). 2 Bl. (T.) / 329 S./ 1 Bl. (Vlgs.-Anz.) / 2 Bl. (T.)/ 327 S. Dekorativer marm. Hldrbd. d.Zt. m. Rckns. u. reicher Rcknverg.; o. vord. Vors. N. a. T.; tlw. leichte Bräunung 120.00

Sangmeister 39; erste Ausgabe; es fehlt der 1810 erschienene dritte Band



1810


LAFONTAINE


248.

Wenzel Falk und seine Familie. Von August Lafontaine. Erster / Zweiter / Dritter Theil (in 3 Bdn.) Berlin: Sander 1810. T./ 347 S./ T./ 315 S./ T./ 389 S. Ppbde. d. Zt. m. abgesetztem Rckn. im Stile v. Hldrbdn.; je 2 Rckns. u. 1 Nrn.-Aufkl. (m. ger. Abrieben); Kap. u. Ktn. best. 240.00

Ordentliches Exemplar der ersten Ausgabe; Sangmeister 41


249.

- Wenzel Falk und seine Familie. Von A. Lafontaine. Erster, zweiter u. dritter Theil (in 3 Bdn.) Stuttgart: Macklot 1811. 271 S.// 247 S.// 306 S. Ppbde. d.Zt. m. Rckns.; stärker berieb.; Rotschnitt ; Pap. gebräunt u. etw. stockfl. 160.00

Sangmeister 128.1. (ohne den dort angeg. Reihentitel). "Die Manier dieses fruchtbaren Romandichters ist bekannt und beliebt. Bey Fertigung seiner Liebesgeschichten ist es ihm weder um Aufstellung des eigentlichen Romans im höheren Sinne, noch um Kunstwerth überhaupt zu thun. Er will nur angenehm und rührend unterhalten - und diesen Zweck erreicht er fast immer (...) Seine Phantasie ist lebhaft, seine Darstellungsart beweist viel Geschick, Plan und Ausführung sind flüchtig, aber meistens gut, der Stil ist diesem allen angemessen, und die eingewebte Moral läßt auf ein reines Herz des Vfs. schließen. - So ist denn auch der Held des gegenwärtigen Romans, Major Wenzel von Falk, ein ritterliches Bild, zu welchem gesessen haben Siegfried von Lindenberg, Oberst Waldheim, Herr Cornelius Puff van Vlieten (...) Und dennoch ist dieser Held, wenn man ihn mit dem oben angegebenen Zwecke zusammenhält, ganz gut gerathen. Er ist weniger dumm, als Siegfried, flucht nicht so oft als Waldheim, predigt nicht so lange wie Hr. Puff - kurz, der Mensch handelt recht anständig (...) Für gebildete Leser bleibt freylich Vieles zu wünschen übrig." Trotzdem empfiehlt der Rezensent "dem großen Publicum" diesen Roman! (JALZ, Julius 1811, S. 177-179.)


250.

Wenzel Falk(.) Eine Familiengeschichte(.) Von August Lafontaine in drey Theilen. Erster / Zweyter / Dritter Theil. Berlin (d.i. Wien: Haas) 1811. Gest. Frontisp. (Pöl(t)zel) / gest. T./ S. (3)-239 / gest. Frontisp./ gest. T./ 216 S./ gest. T./ 264 S. 3 dek. marmor. Brosch. d.Zt. m. Rcknaufkl.; unbeschn./ Exlibr. a. Innend. (>Viktor Achter<); wen. ber. u. kl. Gel.-Einriß in Bd. 3 180.00

Sangmeister 128; ohne das Titelkupfer zu Bd. 3; Samml. Achter 406, 20: „breitrandig, tadellos sauber“

251.

Der Hausvater oder: Das liebt sich und warum? von August Lafontaine. Erster (bis) Dritter Theil (in 3 Bdn.) Halle: Renger 1810. Gest. Frontisp. (Böhme n. Dähling) / gest. T./ 334 S./ 1 Bl.// gest. Frontisp. (dito) / gest. T./ 336 S.// gest. Frontisp. (dito) / gest. T./ 328 S. Etwas abweichende marm. Hldrbde. m. Rckns.u. dez. Rcknverg.; Bd. 2 Deckel stärker abgerieben; 2 Bde. m. kl. Fehlstellen durch Wurmfraß; N. a. Innendeckel – insges. dekorative Reihe -Sangmeister 42; erste Ausgabe 220.00



1811


LAFONTAINE


252.

Das Bekenntniß am Grabe. Von A. Lafontaine. Erstes / Zweites Bändchen. (von 3) Halle: Renger 1811. T./ 342 S.(Angabe d. Druckortes auf d. letzten Seite: Halle, gedruckt bei Leopold Bäntsch.)/ T./ 326 S. Marm. Hldrbde. d.Zt. m. Rcks. u. ornament. Rcknvergold., stärker berieben u. bestoßen, Pap. tls. gebräunt Erste Ausgabe – Sangmeister 44 90.00


253.

- Das Bekenntniß am Grabe von August Lafontaine. Erster / Zweyter / Dritter Theil (in 3 Bdn.) Berlin (d.i. Wien: Haas) 1812. Gest. Frontisp. (Pölzel) / gest. T./ S. (3)-246 // gest. Frontisp. (Pölzel n. Schedy / Kininger) / gest. T./ S. (3)-232 // gest. Frontisp. (dito) / gest. T./ S. (3)-230. Dunkelbraune Ppbde. m. 2 Rcknt.; Titeleien gebräunt; Pap. tls. fleckig; N. a. T. - Sangmeister 133 verkauft


254.

Tinchen, oder die Männerprobe. Von August Lafontaine. 2 Bde. Halle u. Leipzig: Ruff, 1811 (Schilderungen des menschlichen Lebens in Erzählungen, 3-4). T./ Reihen-T./ 328 S.// T./ Reihen-T./ 332 S. Marm. Hlnbde. d.Zt. m.Rckns. u. Rcknaufkl., T.(verso) gestempelt (>F.F. Bibliothek Donaueschingen<) 140.00

Erste Ausgabe in gutem Expl.; Haupt- u. Reihentitel in der falschen Reihenfolge – Sangmeister 46


255.

- Dass. Erster Band (von 2). Halle u. Leipzig: Ruff 1811 (Schilderungen des menschlichen Lebens in Erzählungen 3). T./ 1 Bl./ 328 S. Marm. Hldbd. d.Zt., beschabt u. begriffen, fragm. Rckns.; Aufkl. m. Bibl.-Nr., Aufkl. a. Vors. (>F. S. Schrickel´sche Leihbibliothek, Potsdamer Str. 36<) Erste Ausgabe dieses ersten Bandes; Reihentitel fehlt - Sangmeister 46 45.00


256.

Die Gefahren der großen Welt oder Bertha von Waldeck. Von August Lafontaine. Berlin (d.i. Wien: Haas) 1811. Erster / Zweyter Theil (in 1 Bd.) 230 S./ 1 Bl./ 220 S. Defekter marm. Ppbd. (Rückenschaden, Band v. Vorbesitzer m. einf. Kartonage umlegt); Pap. tls. gebräunt u. kleineren Randschäden; N. a. Vors.- Im Jahr d. ersten Ausg.; Sangm. 127; ohne d. T.-Kupfer, nur m. Drucktiteln - 70.00


257.

- Dass. in 2 Bdn. Einf. Ppbde. d.Zt. m. Rcknaufkl. Ecken u. Kanten best. (Außenngel. stärker); mäßiges Leibibl.-Ex. (Ferd. Schobinger, St. Gallen; Bibl.-Ordn. a. Innendeckeln) verkauft

Mit den gest. T.-Kupfern (Pölzel) u. gest. Titeln


258.

Liebe um Liebe. Von Lafontaine. In: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1811. Herausgegeben von Huber, Lafontaine, Pfeffel, Jean Paul Richter und andern. Tübingen: Cotta o.J. (1810). Gest. Frontisp. (D´Argent)/ T./ 1 Bl./ XIV S./ 1 Bl. (Inhalt) / 298 S. m. 8 gest. Tfln. (D´Argent sowie die sechs >Stationen des Lebens< v. Lips n. Catel), S. 226-294. Oppbd. m. gest. Deckeln u. Rckn. (dieser gebrochen u. Bindung etw. gelockert); Goldschnitt; noch recht gut erhaltenes, schönes Exemplar. 120.00

Sangmeister 221; von Jean Paul enthält das Bändchen auf S. 21-42 die >einfache Erzählung< Die Eltern=Liebe gegen Kinder (Behrend/Kogoll 115); Köhring 112; Lanck./Rümann 68; Marwinski 601; Goldschmidt 150



1812


LAFONTAINE


259.

Die Moralsysteme oder Ludwig von Eisach. Von August Lafontaine. 2 Bde. Halle u. Leipzig: Ruff, 1812 (Schilderungen des menschlichen Lebens in Erzählungen, 5./6. Tl.). T./ Reihen-T./ 328 S.// T. / Reihen-T./ 320 S. Marm. Hlnbde. d.Zt. m. Rckns. u. Rcknaufkl., T. verso gest. (>F.F. Bibliothek Donaueschingen<) 150.00

Erste Ausgabe in e. tadellosen Exemplar; Haupt- u. Reihentitel in der falschen Reihenfolge – Sangmeister 48


260.

- Die Moral Systeme oder Ludwig von Eisach von August Lafontaine. Erster / Zweyter Theil (in 1 Bd.) Berlin (d.i. Wien: Haas) 1812. Gest. Frontisp. (Pölzel nach Loder) / 211 S.// gest. Frontisp. (dito) / 199 S. Etw. späterer Hlnbd. m. goldgepr. Rcknt.; ber. u. best.; N. a. Vors.; Pap. tls. gebräunt; letzte Blätter etw. sporig 90.00

Die beiden Haupttitel sind gestochen; insgesamt noch ordentliches Exemplar – Sangmeister 134


261.

- Dass. (in 2 Bdn.). Marm. Ppbde. d.Zt. m. 2 Rckns. Exlibr. (>Viktor Achter<) u. Notizen a. Vors.; Gebrauchsspuren, insges. ordentlich – nicht im Kat. d. Samml. Achter - 120.00


262.

Bürgersinn und Familienliebe oder Tobias Hoppe, von August Lafontaine. Berlin (d.i. Wien: Haas) 1812-1813. Gest. Frontisp. v. Pölzel n. Schedy / d.i. Kininger) / gest. T./ 235 S./ 2 Bl. (Vlgs.-Anz.) // gest. Frontisp. (dito) / gest. T./ 240 S.// gest. Frontisp. (dito) / gest. T./ 236 S. Hldrbd. d.Zt. m. Rcknverg. (weitgehend abgeplatzt); Innengelenke verstärkt; beschabt verkauft

Sangmeister 131; die erste Ausgabe erschien ebenfalls 1812 in Halle bei Renger (hier der dritte Band von 1813)

263.

Herr Adam Schlau oder die Probe. Von A. Lafontaine. In: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1812. Mit Beiträgen von Lafontaine, Pfeffel, Jean Paul Richter und andern. Tübingen: Cotta o.J. (1811) T./ 1 Bl. (Inhalt) / XVI S. m. 10 Kpfrtafeln (D´Argent, Lambert u.a.; Frontisp. vor S. I eingeb.) / 300 S., S. 18-120. 12°. Stark ber. u. best. Leihbibliotheks-Ppbd. m. (fragm.) Rcknnr. Kanten bestoßen, T. verso gest. (>Raabe Leih-Bibl.<); Kupfer tls. m. Randschäden, hinterlegt u. m. Seiten-Weisern versehen. Insgesamt stärker fleckig und gebraucht. 80.00

Ein wohl eher seltenes Beispiel eines Almanaches, der sich (recht und schlecht) in einem Leihbibliotheks-Einband vollständig erhalten hat, legte man bei dieser Literaturgattung doch auf das reizende Äußere hohen Wert. Es findet sich hier ein sehr umfangreicher Beitrag Lafontaines, der Jean Paul am 2.11.1811 zu folgender brieflichen Aussage an Cotta veranlasste: „Ich wünschte im Damenkalender hätte Lafontaine den kürzesten und Weisser den längsten Aufsatz gemacht.“ (Zit. n. Sangmeister, Vergänglichkeit, S. 274) Enthält von Schiller An Demoiselle Slevoigt, von Jean Paul die Stammbuch-Impromtues; vgl. Lanck./Rümann 68; Köhring 112; Sangmeister 222.



CRAMER


264.

Das Milchmädchen vom Verfasser des Jägermädchens. Bremen und Aurich, bei Johann Heinrich Müller. o.J. (1812). Gest. T. m. Vign./ XX (Vorrede, unterz.: „Meiningen, den 20.März 1812. C.G.Cramer“) / 330 S. (S.130 / 131 vertikaler Abriss m. leichtem Textverlust). Bibl.-Hldrbd. d.Zt. m. 2 hs. Rcknaufkl.; ber. u. best.; Aufkl. a. vord. Innendeckel (>Cabinet littéraire, Magasin de Papiers et Cartes à jouer. Alex Pulver, Rue du marché, No. 91. à Berne<); Titelei u. Vorsätze mehrfach häßlich bestempelt (>L. A. Haller< / >A. Pulver<), u. am Innensteg knittrig u. läd.; Pap. gebräunt, beschmutzt u. fingerfleckig; Haupttitel linksseitig, Schmutztitel rechts eingeb. verkauft

Olderdißen 51 (abweichend); erste Ausgabe – Hofintrigen, >Concurs< in der Landwirtschaft, Maitressenheirat sind einige Streiflichter dieses Romans, aber auch antisemitische Einsprengsel fallen auf (jüdische Viehhändler etwa: „unvernünftige Juden, die nichts kennen, als ihren Schacher“ S.144)


265.

- Das Milchmädchen, oder stille Tugend glänzt am schönsten. In: Wahrheit und Dichtung. Ein unterhaltendes Wochenblatt für den Bürger und Landmann. Siebzehnter Jahrgang 1804. Weißenfels: Böse o.J (1804). T./ 1 Bl. (unten m. ger. Textverl. Beschn.) / 416 S., hier S. 265–270 u. 273-277. Ppbd. d.Zt.; beschabt (bes. Rckn.) u. best.; S. 397 f. m. Abriß (m. l. Textverlust); alter N. a. Vorsatz (>J. J. Trendelburg<); Pap. tls. gebräunt; Gebrauchsspuren 100.00

Ob Cramer zu dieser Zeit noch Verbindungen zu dem früheren Hausblatt seines Freundes Severin unterhielt und diese kurze Erzählung inhaltliche Verbindungen zu Cramers späterem Roman aufweist, müßte überprüft werden; zum Konzept d. ZS vgl. Böning / Siegert: Volksaufklärung 2682 (dort nur Jg. 1788-1794); Kirchner 5857 (bis 1801 verz.)




1813


LAFONTAINE


266.

Walther, oder das Kind vom Schlachtfelde. Von A. Lafontaine. 3 Bde. Halle: Renger 1813. T./ 316 S.// T./ 317 S.// T./ 326 S. Marm. Hlnbde. d.Zt. m. Rckns. u. Rcknaufkl., T. (verso) gestempelt (>F.F. Bibliothek Donaueschingen<) u. Pap. tls. etw. stärker gebräunt verkauft

Sonst einwandfreies Expl.dieser ersten Ausgabe – Sangmeister 49


267.

- Dass. Hldrbde. d.Zt. m. violetten Deckeln, 2 Rckns. u. 1 Rcknaufkl. Rckn. etw. ber., Titeleien gebräunt; T. jeweils verso m. rotem Wappenst. (>Tetschner Bibliothek<); Rotschnitt 160.00


1814


LAFONTAINE


268.

Eugenie, der Sieg über die Liebe. Von A. Lafontaine. 3 Bde. Halle: Renger, 1814. T./ 318 S.// T./ 310 S.// T./ 330 S./ 1 Bl. (Vlgs.-Anz., meist zu Lafontaine). Marm. Hlnbde. d.Zt. m. Rckns. u. Rcknaufkl.; T. (verso) gestempelt (>F.F. Bibliothek Donaueschingen<) u. etw. braunfleckig, T. v. Bd. 3 stärker - Erste Ausgabe; Sangmeister 50 verkauft


269.

- Eugenie der Sieg über die Liebe von August Lafontaine. Erster / Zweiter / Dritter Theil (in 1 Bd.). Wien: Haas 1814. 226 / 222 / 232 S. Mit je einem gest. Frontisp. (Döbler, z.Tl. (3) n. Ender) u. gest. Titeln. Marm Ppbd. d.Zt m. hs Rckns. verkauft

Sangmeister 136; Zeitroman, der die Befreiungskriege widerspiegelt: "Die Schlacht bei Leipzig gab der Welt die Freyheit, und Rudolph und Günthern zugleich das eiserne Kreuz. Sie schlugen alle Schlachten mit. Sie eroberten den Mont Martre mit; und das erhabenste Friedensfest, was je die Welt gefeyert hat, ein Friedensfest, das der Welt zum ersten Mahle den Frieden mit der Freyheit gänzlich gab, dieses Fest feyerten sie wieder auf dem Hügel des Schicksals; und an der Stelle des Kreuzes stand nun ein Altar, aus dem ein frischer Quell hervor sprudelte für den Wanderer, und am Altar die Worte: >Der Freundschaft!<" So das Ende (S. 232)


270.

- Dass. Erster / Zweiter Theil (von 3 in 2). Marm., stärker abgeriebene u. best. Hldrbde. d.Zt. m. 2 Rckns. u. (abger.) Rcknverg.; gest. T. verso m. altem Bes.-Vermerk 80.00


271.

Der Mündel. Von August Lafontaine. In: Minerva. Sechster Jahrgang für das Jahr 1814. Leipzig, bei Gerhard Fleischer d. Jüng. Gest. Frontisp. (Böhm n. Ramberg) / Gest. T./ 2 Bl. (Inhalt) / 448 S. m. 8 Kpfrn. (v. Böhm, H. Schmidt u.a. nach Ramberg zu Schillers Braut von Messina), S. 147-180. Ppbd. d.Zt. m. (blindem) Rcknaufkl.; Überzugspap. an Gel. u. Kap. abger., Rckn. m. Knick u. leicht schief gelesen 80.00

Ordentliches Exemplar mit Beiträgen von Haug, Laun, Buri, den beiden Motte Fouqués u.a. S. 313-352 der Beitrag Klopstock, im Sommer 1793. Ein Bruchstück aus meinem Tagebuche von Böttiger – Sangmeister 229



CRAMER


272.

(Carl Gottlob Cramer): Triumph = Lied von den herrlichen Siegen der Deutschen über die Franzosen und ihren groß gewesenen Exkaiser Napoleon. Zum deutschen Friedens = Schmause und allen Länder = Verwüstern zum Exempel in Reime gebracht von einem deutschen Sänger. Gedruckt im Siegesjahre 1814, und in den Buchläden um vier gute Groschen zu haben. (Gotha: Becker 1814). 39 S. m. e. Holzschnitt-Titel- (n. Schnorr v. Carolsfeld) sowie Schluß-Vign. (n. Ramberg). Fleckige Broschur d.Zt. m. kl. Rckn.-Def. (Bindung fest); Pap. (teils stärker) beschmutzt u. m. unbed. Feuchträndern 120.00

Olderdißen 53; untypische direkte >Zeit-Schrift< Cramers, allerdings in der von ihm auch in seine Romane immer wieder eingestreuten, recht grobschlächtigen Versform.


273.

- Dass., eingebunden in Bibl.-Hln. m. Rcknaufkl. verkauft

274.

Eigenhändiger Brief an August Wöhler, Stallmeister in Frankfurt/M., datiert „30-Acker (Dreißigacker), d. 6en Mai 1814.“, unterzeichnet „Euer Freund Cramer“ 4 Oktav-Seiten, 3einhalb davon klein beschrieben, gefaltet, Pap. gebräunt verkauft

Reichhaltiger Brief privaten Charakters, interessanterweise in demselben >Volkston< gehalten, den Cramer meistens in seinen Schriften anschlägt: „ O! wie oft haben wir, bei den / Kriegsnachrichten aus Eurer Gegend, z.b. bei der / Nachricht von der Schlacht bei Hanau pp uns einander / (S. 2) sorgsam angesehn, und meine Frau gefragt; wie / mags da dem armen Wöhler gegangen sein? - / Na! hab´ ich dann gesagt, das ist ein Kerl wie / eine Katz´; wenn der vom Straßburger Münster / herunter fällt, kommt er doch auf die Beine zu stehn! (...) Wie Uns es geht? Antwort: gut! wenigstens / können wir auf keinen Fall verhungern, so / toll es auch gehen möge, ob gleich die Buchhändler / lange den Krampf in den Beuteln gehabt ha-/ ben.“ (S.3) Im Buchhandel also nichts Neues, dagegen gibt es aufschlußreiche Familiennachrichten, bes. über Cramers Kinder. Der Adressat war Stallmeister und Tierarzt zu Rödelheim im Großherzogtum Frankfurt u. veröffentlichte beim Verleger Simon in Frankfurt 1808 Der Milzbrand des Hornviehes und 1809 ein Noth- und Hülfstäflein über die jetzt herrschende Klauenseuche und Mundfäule des Rindviehes.


1815


LAFONTAINE


275.

Der Kampf mit den Verhältnissen, oder der Unbekannte. Von A. Lafontaine. 3 Bde. Halle: Renger 1815. T./ 324 S.// T./ 326 S.// T./ 331 S. Marm. Hlnbde. d.Zt. m. Rckns. u. Rcknaufkl.; T. (verso) gest. (>F.F. Bibliothek Donaueschingen<) u. etw. gebräunt 150.00

Erste Ausgabe; Sangmeister 51, der drei Titelkupfer ausweist, die hier und bei Eke / Olasz-Eke 707 (Ex. d. Universitätsbibl.iothek Münster) fehlen.


276.

- Dass. Interessantes Mischexemplar aus dem vorstehenden (Drucktitel) und dem nachfolgenden (gest. Titelei), deren Titel jeweils nacheinander eingebunden sind. Paginierung sonst wie die Rengersche Erstausgabe (s.o.) Gebrauchte Hldrbde. d.Zt. m. 2 Rckns.; stärker ber. u. best.; Bd. 2 unten gestaucht m. kl. Gel.-Läsur (u. letzte Bll. Gelockert); T. verso m. Bes.-Eintr.; fl. 140.00

277.

- Der Unbekannte oder der Kampf mit den Verhältnissen von Aug. Lafontaine. 3 Bände. Wien, Haas, 1815. Gest. Frontisp./ gest. T./ 224 S.// gest. Frontisp./ gest. T./ 224 S.// gest. Frontisp./ gest.T./ 228 S. Marm. Hldr. d.Zt.; etw. ber. u. best.; nur gering gebräunt oder fleckig; Band 1 gegen Ende zunehmend braunfleckig, die letzten sechs Blatt mit Randschäden, drei Blatt mit etwas Buchstabenverlust - Sangmeister 139; Wiener Nachdruck 140.00


278.

Das Haus im Walde oder Försters Aennchen. Der Zeidler. Der Schwiegersohn. Drey kleine Romane von August Lafontaine. Wien: Haas 1815 (gest. T.: 1816). Gest. Frontisp. (Weinrauch) / gest. T./ 228 S. Blauer Ppbd. d.Zt. m. Rckns.; ber. u. best; N. a. Drucktitel - Sangm. 142 - 90.00



1816


LAFONTAINE


279.

Ida von Kiburg oder das Verhängniß. Von August Lafontaine. Berlin: Sander 1816. T./ 398 S. Marm. Hlnbd. d.Zt. m. Rckns. u. Rcknaufkl.; T. (verso) gestempelt (>F.F. Bibliothek Donaueschingen<) u. stärker gebräunt, ebenso d. letzte Bl. – Erste Ausgabe; Sangmeister 52 90.00


280.

- Ida von Kiburg oder das Verhängniß. von Aug. Lafontaine. Wien: Haas 1816. Gest. Frontisp. (Loder) / gest. T./ 270 S./ 1 Bl. (Vlgs.-Anz.: Lafontaine-Titel bei Haas). Marm. Ppbd. d.Zt. Titelei etw. fleckig; wen. ber. 90.00

Sangmeister 140. Wie stets routiniert geschrieben, allerdings auch wieder sichtlich ohne formales und inhaltliches Konzept: Von der Briefform umstandslos ins freie Erzählen (und zurück) übergehend; die Protagonisten Gustav und Ida finden sich bereits nach der Hälfte des Romanes, worauf Abschweifungen in Nebenhandlungen und zu Randfiguren den Rest des Papieres füllen; sprachlich und gedanklich oft von Empfinden triefend, mitunter jedoch auch durchaus faszinierend. Eke / Olasz-Eke 705


281.

Die Pfarre an der See. Ein Roman von August Lafontaine. Erster (bis) Dritter Band. Wien: Haas 1816. Gest. Frontisp./ gest. T./ 227 S./ gest. Frontisp./ gest.T./ 228 S./ gest. Frontisp./ gest.T./ 252 S. Hldrbde. d.Zt. m. je 2 (tls. abgelösten) Rckns. u. Rcknverg.; Buntpap.-Vors., Lesebändchen etc.; Wappenaufkl. a. vord. Deckel; gest. Exlibr. (>Bibliotheque des Herrn Grafen von Schönborn Buchheim<); Titeleien gebräunt; fehlgedr. Bl. (S. 5 f) vom Buchbinder ausgetauscht 220.00

282.

- Dass. Erster / Zweyter Band (v. 3 in 2). Wien: Haas 1816. Titelkupfer (Jüngling rettet Kind aus den Flammen eines brennenden Hauses) / gest. T./ 227 S.// Titelkupfer (trauliche Freundschafts-Szene mit Weib und Kind) / 228 S. Hldrbde. d.Zt. m. Rckns.; Rücken beider Bände etwas stärker berieben mit jeweils einer kleinen Fehlstelle durch Wurmfraß. Rand des Titelkupfers von Bd. 2 auf einer Höhe von ca. 11 cm abger. (Bild nicht beschädigt); Falz leicht angebrochen, Buchblock in Ordnung, Seiten leicht fleckig. Insgesamt passables Exemplar 100.00

Einziger Wiener Nachdruck im Jahr der Erstausgabe, die bei Renger in Halle erschien. Sangmeister 141.

Einen bemerkenswerten Beitrag zur sogenannten "Lesewut"-Debatte und der moralischen Verfänglichkeit von sogenannter "Romanen-Lektüre" liefert der Romanschreiber Lafontaine hier selbst. Die junge Rosamunde von Boisen, furorisiert durch die Lektur der Neuen Heloise, die ihr von dem eigenen Bruder untergeschoben wird mit der Absicht, die Liebe zu dem Hauslehrer Schlicht zu hintertreiben und den wohlhabenden Höfling von Zwergen ins Spiel zu bringen, verfällt tatsächlich darauf, "in einer Mischung aus Eigensinn, Leichtfertigkeit und Neugier (...) anspielungsreiche Billets zu wechseln". (Dirk Sangmeister, Vergänglichkeit, S. 489-490) Am Ende sagt sich Schlicht von Rosamunde los und ehelicht die tugendhaft-unverdorbene Marie.


283.

Er verführt seine eigene Frau. Rectors Minchen. Makaria. (Drey kleine Romane.) Von Aug. Lafontaine. Wien: Haas 1816. Gest. Frontisp./ gest. T./ 208 S. Hldrbd. d.Zt. m. violetten Deckeln, 2 Rckns. u. 1 Rcknaufkl. Pap. tls. gebräunt; T. verso m. rotem Wappenstempel (>Tetschner Bibliothek<); Rotschnitt – Sangmeister 143; einzige Ausgabe dieser Zusammenstellung; vgl. 1807 verkauft


284.

Lenardo und Blandine oder Amandus und Amanda. (Von) August Lafontaine. In: Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1816. Tübingen bey Cotta (1815). Gest. Frontisp. (Forssell n. Desenne) / gest. T. m. Vign. (schlafender Amor) / 1 Bl. (Inhalt) / XXXII S. m. 5 Kupfern (Autenrieth u.a.) / 318 S. m. 1 Kupfer, S. 48-138. 12°. Einf. marm. Ppbd. d.Zt. Titelei etw. gebräunt u. knittrig; auf bläulichem Pap. gedruckt; etw. ber. (unt. Kap. stärker) u. angerändert; insges. ordentl. 140.00

Würde die Zählung von Köhring 112 mit 8 Kupfern zugrunde gelegt, müsste bei dem vorliegenden Exemplar die Titelvignette mitgezählt werden; der bei Lanck./Rümann 69 erwähnte Holzschnitt v. Gubitz könnte demnach fehlen; S. 1-34 Das nussbraune Mädchen von Goethe (Hagen 699; Goldschmidt 9 u. 273), weiterhin Beiträge von Schwab, Jean Paul (Erinnerungen aus den schönsten Sunden für die letzten, S. 218-248) und La Motte Fouqué sowie von Conz, Haug und Schreiber. Inhaltlich bedeutender Almanach; Sangmeister 233.



1817


LAFONTAINE


285.

Agathe oder das Grabgewölbe von August Lafontaine. 3 Bde. Leipzig: Gerhard Fleischer d.J., 1817. T.-Kpfr. (Eßlinger n. Ramberg)/ T./ 326 S.// 311 S.// 325 S. Marm. Hlnbde. d.Zt. m. Rckns. u. Rcknaufkl.; T. (verso) gestempelt (>F.F. Bibliothek Donaueschingen<), T. u. T.-Kpfr. etw. gebräunt u. gering feuchtfl.

Erste Ausgabe dieses einzigen Romanes aus dem Spätwerk, der nicht bei Renger oder Ruff erschien.; Sangmeister 54; Eke / Olasz-Eke 701 (mit unserem Ex. als Standortnachweis). verkauft


286.

- Agathe oder das Grabgewölbe von Aug(ust) Lafontaine. Erster / Zweyter / Dritter Band (in 1). Wien: Haas 1817. Gest. Frontisp. (anonym) / gest. T./ 237 S./ 1 Bl. (Verl.-Anz.: >Aug. Lafontaine’s sämmtliche Schriften<) // Gest. Frontisp. (Langer) / gest. T./ 228 S.// gest. Frontisp. (Weinrauch) / gest. T./ 238 S./ 1 Bl. Neuer rot-marm. Ppbd.; Pap. etw. fleckig u. gebräunt.; Kpfr. u.Titel von Bd.1 am Rand gering wasserfleckig 180.00

Sangmeister 145. Roman um die Liebe von Agathe und Wolf mit einer Vielzahl von erklärenden und verschleiernden Binnengeschichten, voller Intrigen, Staatsverschwörungen, Geheimgesellschaften; Klöstern und einsamen Bergtälern; verbunden mit Lesefrüchten aus dem Robinson, Macbeth, Toggenburg ... Der dritte Teil endet, wie er enden muss: "Der Gang nach dem Altare war lang. Johannes seine Emilie an der Hand, die Ungeduld im Gesichte, mußte alle Augenblicke wieder still stehen, und die alten Begebenheiten anhören, die man dem Rittmeister im Auszuge mittheilte. Dann empfing sie der Altar, und das heilige Ja der beyden Paare stieg auf Blüthendüften in den Himmel empor, und alle, die hier umherstanden, legten wie Brautpaare die Hände in einander, und schworen ewige Liebe, und ewige Freundschaft, und der Himmel erfüllte ihr Ja, und fügte die Seligkeit und den Frieden des Herzens hinzu." (Schluß) Lafontaine hier wieder als "Meister", "am Ende alle unglücklich Liebenden zu kopulieren". (Sangmeister, Vergänglichkeit, S. 471)


287.

- Dass. 3 marm. Hldrbde. m. je 2 Rckns. ; Buntpap.-Vors.; ber. und Kanten stärker best.; 1 T.-Kpfr. hinterlegt; Titeleien u. Pap. braunfleckig; ordentliches Gebrauchsexemplar 200.00


288.

Das heimliche Gericht des Schicksals, oder Rosaura. Von A. Lafontaine. Erster / Zweiter Band (von 3 in 2). Halle: Renger, 1817. 364 S./ 1 Bl.// 284 S. Marm. Ppbde. d.Zt. m. hs. Rcknaufkl.; ber. u. best.; hs. Aufkl.a. Innendeckel; Pap. durchgängig stärker gebräunt, tls.wasserfl. 90.00

Erste Ausg. ohne die bei Sangmeister 55 angeg. T.-Kpfr. Lorchen, in die Harfe greifend, intoniert "mit einem finstern Blick": "Vergebens birgt sich die Frevelthat/ in Grabes Schweigen, in dunkle Nächte;/ Es folgen des Frevlers verborgenem Pfad/ Des strafenden Schicksals vergeltende Mächte./ Er fliehet vergebens durch Wasser und Land,/ Da trifft ihn des Schicksals rächende Hand." Und Julchen orakelt darauf: "(M)ir war, als erleuchtete ein Licht einen dunklen Abgrund, der dicht vor meinen Füßen lag. Es war der siebente Mai, der siebente Mai, an dem die Frevelthat vollendet wurde." (Bd. 1, S. 6)


289.

- Das heimliche Gericht des Schicksals, oder Rosaura von A. Lafontaine. Erster (bis) Dritter Band. Wien und Prag: Carl Haas 1817 (Bd. 1) / 1818. Gest. Frontisp. (Langer) / gest. T./ 259 S./ 2 Bl. (Anz. v. Werken Lafontaines u. Cramers!) / gest. Frontisp./ gest. T./ 204 S./ gest. Frontisp. (Langer n. Perger) / gest. T./ 228 S. Marm. Hldrbde. d. Zt. m. 2 Rckns., Buntpap.-Vors. ; ber. u. best.; etw. schiefgelesen; Gebrachsspuren; Pap. tls. gebräunt - Sangmeister 147 - 150.00


290.

Isidore oder die Waldhütte. Von August Lafontaine. Erster / Zweyter Band. Wien: Haas 1817. Gest. Frontisp./ gest. T./ 215 S.// gest. Frontisp. (Loder) / gest. T./ 228 S. Hldrbde. d.Zt. m. goldgepr. Rcknt. u. Rcknverg.; Buntpap.-Vors.; Grünschnitt; Lesebändchen etc. Deckel m.Wappen-Aufkl.; Innendeckel m. gest. Wappen-Exlibr. (>Bibliotheque des Herrn Grafen von Schönborn Buchheim<) - Sangmeister 146; erste Ausgabe im selben Jahr bei Ruff in Halle u.Lpz. - 180.00

291.

Lenardo und Blandine, oder Amandus und Amanda. Der Mündel. Die Blumen. Drey kleine Romane von August Lafontaine. Wien und Prag: Haas 1817. Gest. Frontisp. (Langer) / 196 S. m. gest. T. Marm. Ppbd. d.Zt. m. rotem Rckns.; gut - frühere Almanachbeiträge; Sangmeister 144 - 90.00

292.

Neueste Charadenlese gesammelt auf den Gefilden des Witzes und der Laune (Drucktitel: Eine Auswahl sinnreicher Räthsel, Logogryphen und Charaden der vorzüglichsten Dichter. Herausgegeben) von Lafontaine. Pesth, In Joseph Müllers Buchhandlung 1817. Gest. u. kol. Frontisp. (Göbwart n. Müller) / gest. u. kol. T./ Druck-T./ 1 Bl. (Vorrede) / 252 S. Illustr. Obroschur (gest. v. Göbwat n. Müller); unbeschnitten u. etw. fleckig; Rcknbez. m. Defekten; Titelei m. Randfraß (ohne Verluste); Pap. tls. fleckig verkauft

Sangmeister 253 geht von einer Fehlzuschreibung aus, da dies nie Lafontaines Metier war; reizvolles Bändchen.


1818


LAFONTAINE


293.

Reinhold. Von A. Lafontaine. 3 Bde. Halle: Renger, 1818. T./ 317 S.// T./ 317 S.// T./ 333 S. Marm. Hlnbde. d.Zt. m. Rckns. u. Rcknaufkl.; T. (verso) gestempelt (>F.F. Bibliothek Donaueschingen<) verkauft

Tadelloser Zustand; EA – Sangmeister 57; Eke / Olasz-Eke 709 haben (nach d. Ex. d. Universitätsbibl. Münster) bei identischer Paginierung den abweichenden Titel Reinhold von Welfenstein. Ein Roman, den Sangmeister (148) nur für den Nachdruck von 1819 nachweist. Möglicherweise also mit unterschiedlichen Titelblättern erschienen.


294.

Die Geschwister oder die Reue. Von A. Lafontaine. 2 Bde. Halle: Renger, 1819. T./ 318 S.// T./ 318 S. Marm. Hlnbde. d.Zt. m. Rckns. u. Rcknaufkl.; T. (verso) gest.(>F.F. Bibliothek Donaueschingen<); Pap.leicht gebräunt verkauft

Ohne die bei Sangmeister angegebenen anonymen T.-Kupfer; EA – Sangmeister 59; Eke / Olasz-Eke 703 weisen das vorliegende Exemplar als einziges Referenzstück nach: „Fürstlich Fürstenbergische Hofbibliothek, Donaueschingen“.


295.

- Die Geschwister, oder die Reue. Von A. Lafontaine. Erster / Zweyter Theil (in 2 Bdn.) Wien u. Prag: Haas, 1819. Gest. Frontisp./ gest. T./ 203 S.// gest. Frontisp./ gest. T./ 202 S./ 1 Bl. (Anzeige: >Lafontaine’s sämmtliche Schriften< m. 62 alphabet. geordn. Titeln). Ppbde. d.Zt. m. Rckns.; ber. u. best.; Pap. etw. gebräunt; Schmutztitel jeweils vor den gest. Frontisp. 140.00

Sangmeister 149. Wiener Nachdruck der Rengerschen Ausgabe. "Dieser Schriftsteller, der ebenfalls längst abgeblüht hat, quält den Leser auf eine andere Manier. Er spinnt eine Menge dünner Erzählungsfäden aus und verwirrt sie dermaßen, daß man kein Ende findet, bis das Ende des Buchs zeigt, daß es wirklich da ist - Die Begebenheiten wie die Charaktere, die sich in ihnen bewegen, sehen skelletierten Baumblättern ähnlich: ein dürres Gewebe ohne Fülle und Farbe. Nirgends Wahrheit, weder in der Erfindung, noch in der Ausführung. In diesem Buche schleppt sich die Folge eine unwillkürlichen Mords in feindlichen Gesinnungen von Verwandten durch eine ganze Generation fort, bis Heirathen der Kinder dem Hader der Alten ein Ende machen. Der Stil des Verf(assers) ist holperig, dürftig, dürr, wie alles Uebrige." (Allgemeines Repertorium der neuesten in- und ausländischen Literatur. Herausgegeben von einer Gesellschaft Gelehrter. Dritter Band. Leipzig, bei Carl Cnobloch, 1819 u. Wien, bei Heubner, S. 25)


1820

LAFONTAINE


296.

Die Wege des Schicksals. Von A. Lafontaine. Erster / Zweiter Theil (in 1 Bd.) Wien: Carl Gerold und Halle: Renger 1820. Gest. Frontisp. (Blaschke) / 256 S./ gest. Frontisp. (Blaschke n. Perger) / 278 S. Marm. Hldrbd. d.Zt. m. 2 Rckns. (eines angerändert: >Lafontaines Werke 134-35<) u. Rcknverg.; etw. ber.; Gelbschnitt (l. beschmutzt) – Sangmeister 60; erste Ausgabe - verkauft


297.

Ley invisibles ou les ruines du chateau des bois. Traduit de l’allemand d’Auguste Lafontaine, par Léon A(stoin). 2 Bde. (in 1). Paris: Corbet, 1820. T./ 218 S.// T./ 212 S./ 2 Bll. Verlagsanz. Marm. Hlnbd. d.Zt. m. 2 Rcknaufkl.; T. (verso) gest. (>F.F.Bibliothek Donaueschingen<) verkauft

Frisches Exemplar dieser Fehlzuschreibung. Lt. Sangmeister III, iii, 77 ist das Buch eine Übersetzung von Heinrich August Kerndörffers anonymen Roman >Die Ruinen der Geisterburg, oder die warnende Stimme um Mitternacht< (4 Bde. Pirna: Friese, 1805).


SEKUNDÄRLITERATUR, ANTHOLOGIEN, REFERENZWERKE

Lafontaine


298.

J(ohann) G(ottfried) Gruber: August Lafontaine´s Leben und Wirken. Halle: C. A. Schwetschke und Sohn 1833. Gest. Portr. (G. Sturm) / T./ 1 Bl. (Widmung) / 464 S. Grüner Hldrbd. d.Zt. m. Rcknverg.; Buntpap.-Vorsätze; marm. Schnitt; Kanten etw. ber., Ecken l. best.; Antiquariats-Märkchen a. Vors. (>Gunnar A. Kaldewey<); dekoratives Exemplar 240.00

299.

- Dass. Etwas späterer marm. Hldrbd. m. Aufkl. a. Deckel; kleinere Mängel 150.00

300.

Franz Rummelt: August Heinrich Julius Lafontaine. Von den Anfängen bis zur Höhe seines Schaffens 1785-1800. Ein Beitrag zur Geschichte und Technik des Romans. Diss. Phil. Halle-Wittenberg. Halle (Saale) Karras 1914. IX / 138 S. OBroschur; ber. u. best.; Rckn. m. Fehlstelle; d. letzten zwei Bl. m. Eckabriß (ohne Textverlust); sonst ordentl.Exemplar – selten verkauft

301.

Hilde Ishorst: August Heinrich Julius Lafontaine (1758-1831). Berlin 1935 (Germanistische Studien 162). (Nachdruck Nendeln 1967) 90 S. Broschur-verkauft

302.

Dirk Sangmeister: Bibliographie August Lafontaine. Bielefeld 1996 (BSLL 7 / Bibliographien z. dt. Literaturgesch. 4). 179 S.m. Abb. OBroschur 36.00

303.

- Ders.: August Lafontaine oder Die Vergänglichkeit des Erfolges: Leben und Werk eines Bestsellerautors der Spätaufklärung. Tübingen 1998 (Hallesche Beiträge zur Europäischen Aufklärung 6). VI / 606 S. OBroschur 98.00

Die leser- und sozialgeschichtlich fundamentierte Monographie des zu Lebzeiten weithin berühmten, heute gründlich vergessenen A.L.(1758-1831) rekonstruiert und analysiert Leben und Werk dieses enorm produktiven Unterhaltungsautors der Spätaufklärung, der mit seinen seriell fabrizierten Familien- und Liebesromanen im Zuge der Leserevolution und parallel zur Blütezeit von Klassik und Romantik zum ersten freien Schriftsteller und meistgelesenen Erzähler seiner Zeit in Deutschland avancierte.“ (Umschlagtext)

304.

Dietrich Naumann: Das Werk August Lafontaines und das Problem der Trivialität. In: Studien zur Trivialliteratur. Hrsgg. v. Otto Burger. Frankf/M. 1968 (Studien z. Philosophie u. Lit. D. 19. Jhdts. 1). VIII S./ 1 Bl./ 282 S., hier S. 82- 100. gr-8° Olnbd. m. Rckngoldprägung 36.00

305.

Georg Ruppelt: Schöningens berühmtester Schüler August Lafontaine und das Anna Sophianeum. Helmstedt 1997 (Beiträge z. Geschichte d. Landkreises u. d. ehemaligen Univ. Helmstedt 11). 30 S. m.Abb. OBroschur 8.00

306.

Hermann Mitgau: Gemeinsames Leben 1770 bis 1870 in braunschweigischen Familienpapieren. Wolfenbüttel und Hannover 1948 (Kulturwiss. Reihe). 4 Bl./ 423 S. m. Abb. u. Tfln. Neuer Gewebeband m. goldgepr. Rcknt. – ausführl. geschilderte Beziehungen zu Lafontaine u. Halle - 30.00

307.

August Lafontaine: Die Rückkehr ins Vaterland. Suschen. In: Erzählende Prosa der klassischen Periode. 2. Teil (von 2). Jung, Pichler, Pestalozzi, Zschokke, v. Wolzogen, v. Meyern, Bentzel-Sernau, Lafontaine. Hrsgg. v. Felix Bobertag. Berlin u. Stuttgart o.J. (1888). (Deutsche National-Litteratur 137). 2 Bl./ 532 S., hier S. 487-532. Goldgepr. Hldrbd.; o. Vors.; benutzt 14.00

308.

August Heinrich Julius Lafontaine. Die Stärke des Vorurtheils. Das Räthselspiel. Zwei Erzählungen. Hrsgg. v. Rainer Godel. Hannover 2007 (Fundstücke 16). 88 S./ 1 Bl. OBr. 16.00

Neben den genannten Erzählungen (jeweils nach Druckfassungen aus dem Jahr 1800) ein umfängliches Nachwort Erkenntnis und Vorurtheil. August Lafontaines Moralische Erzählungen im Kontext der Aufklärung (ab S. 63).

309.

Ingeborg v. Lips (Hrsg.): August Heinrich Julius Lafontaine. Lesebuch. Halle (Saale) 2008 (Lit aus Mitteldeutschland 1). 192 S. m. A